Fortpflanzung, die Summe der Vorgänge, mit denen die kontinuierliche Existenz der Lebewesen gesichert wird, das heißt im weitesten Sinne die Erzeugung von Nachkommen bei Pflanze, Tier und Mensch, da alle Organismen bzw. Individuen eine begrenzte Lebensdauer haben, einem ständigen Verschleiß ausgesetzt sind. Dabei wird das Erbgut von einer Generation an die nächste weitergegeben und so die Erhaltung der Art gesichert. Meist ist sie mit einer Vermehrung, das heißt einer Erhöhung der Individuenzahl, verbunden. Den Mechanismen der Evolution (Überleben des Bestangepassten; Abstammungslehre, Darwinismus) wird durch die Fortpflanzung Gelegenheit zum Eingreifen gegeben.
Bei der ungeschlechtlichen Fortpflanzung (auch vegetative Fortpflanzung, da sie vorwiegend bei Pflanzen vorkommt) entstehen die Nachkommen aus Teilstücken nur eines Elternorganismus. Bei den Pflanzen ist die einfachste Form die Zweiteilung, die bei den Spaltpflanzen (Bakterien und Blaualgen) die Regel ist. Bei der Sprossung, der typischen Wuchsform der Hefen, wird von der Elternzelle ein Auswuchs abgeschnürt. Algen, Pilze, Moose und Farnpflanzen bilden besondere Zellen zur ungeschlechtlichen Fortpflanzung aus, die Sporen. Bei den Blütenpflanzen gibt es ungeschlechtliche Fortpflanzung durch Ablösung ganzer Zellgruppen von der Elternpflanze (Brutknospen), durch oberirdische oder unterirdische Ausläufer, die an knospentragenden Stellen zu neuen Pflanzen auswachsen, und durch unterirdische Ausbildung von Tochterknollen (Knolle). Die Fähigkeit vieler höherer Pflanzen zur ungeschlechtlichen Fortpflanzung wird in Gartenbau und Pflanzenzüchtung ausgenutzt (Stecklinge, okulieren, pfropfen).
Auch bei Tieren ist die einfachste ungeschlechtliche Fortpflanzung die Zweiteilung. Sie kommt vor allem bei den Protozoen vor, aber auch bei Gewebetieren, zum Beispiel als Querteilung bei Hohltieren und bei Ringelwürmern. Vor allem viele parasitische Protozoen (Sporozoen) erzeugen durch Zerfallsteilung zahlreiche Tochterzellen. Die Polyembryonie ist eine ungeschlechtliche Fortpflanzung auf der Stufe der Frühentwicklung. Bei der Knospung werden neue Zellverbände an bestimmten Stellen des Tierkörpers abgeschnürt (zum Beispiel Hydrozoenpolypen). Bleiben die Knospen mit dem Elterntier in Verbindung, kommt es zur Koloniebildung (Tierstock, Korallen).
Bei der geschlechtlichen Fortpflanzung (sexuelle Fortpflanzung) werden meist zwei Sorten von Keimzellen, männliche und weibliche, gebildet (zweigeschlechtliche Fortpflanzung), die bei der Befruchtung zur Zygote verschmelzen, aus der sich das neue Lebewesen entwickelt. Der große Vorteil der geschlechtlichen Fortpflanzung gegenüber der ungeschlechtlichen liegt in der ständigen Neukombination der elterlichen Erbanlagen bei den Nachkommen, eine wichtige Voraussetzung für die Anpassung. Es gibt aber auch Fälle, vor allem bei niederen Pflanzen und Tieren, bei denen sich unbefruchtete Eizellen zu neuen Lebewesen entwickeln (eingeschlechtliche Fortpflanzung, Jungfernzeugung , Parthenogenese). Eine regelmäßige Aufeinanderfolge einer ungeschlechtlich und einer geschlechtlich erzeugten Generation bezeichnet man als Generationswechsel. Sexualität.
Fortpflanzungsgeschwindigkeit, die Geschwindigkeit, mit der sich eine physikalische Erscheinung, z. B. eine Wellenbewegung, ausbreitet.
Fortpflanzungsorgane, alle Organe von Lebewesen, die der Erzeugung von Nachkommen dienen. Vielzellige Pflanzen und Tiere (Metazoen) besitzen Geschlechtsorgane. Einige Tiere und die meisten Pflanzen haben zusätzlich Einrichtungen zur vegetativen Vermehrung (Fortpflanzung).
Fortpflanzungswahrscheinlichkeit, Rechenwert der Populationsgenetik: die Wahrscheinlichkeit für die Individuen einer Population, zur Fortpflanzung zu gelangen. Die Fortpflanzungswahrscheinlichkeit ist um einen bestimmten Betrag erhöht, wenn der Träger eines Merkmals den Nichtbesitzern dieses Merkmals gegenüber einen Vorteil voraus hat; d. h. die Wahrscheinlichkeit, vor der Fortpflanzung zugrunde zu gehen, ist bei den Merkmalsträgern geringer.
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