Das Thema "freiwillig" scheint ebenso breit gefächert zu sein wie die Formen der Sexdienstleistung. Trotzdem - auch wenn eine Frau aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus anschaffen geht, so ist das in meinen Augen keine freiwillige Entscheidung. Wenn ich z.B. einen Job annehmen würde, der zwar nicht meinem Berufsziel entspricht, mir aber gutes Geld einbringt - dann ist das zwar eine rationale und ökonomische, aber keine
vollkommen freie Entscheidung.
Hinzu kommt, dass für den Kunden und den Gesetzgeber alles andere als offensichtlich ist, in welchem Verhältnis eine Hure zu ihrem Zuhälter
tatsächlich steht, i.e. inwieweit sie finanziell, wohnungstechnisch oder auch durch psychischen/physischen Druck von ihm abhängig ist, inwieweit sie ihrer Arbeit selbstbestimmt nachgehen kann, wann und wie oft sie arbeitet etc.
Dass die Prostitution illegaler Einwanderer in den meisten Fällen gesetzeswidrig ist (sei es aufgrund von Einwanderungsbestimmungen oder aufgrund der üblichen Anlegung des Arbeitsverhältnisses), ist in meinen Augen sinnvoll.
Dass jedoch die
geduldete Prostitution (wie zB hier in Hamburg) in den Stand eines Berufs gehoben wird, finde ich hingegen positiv. Nur geht der Gesetzgeber hier leider sehr blauäugig an die Sache heran. Wie gesagt - auch unter den Augen der Polizei ist nicht alles so wunderbar und freiwillig, wie es scheint.
Dass die Kontrolle der Betriebsstätten - wie zB in Lokalen und Restaurants - einen enormen Aufwand bedeuten würde, wird auch unterschätzt. Der Gesetzgeber versucht hier, mit kleinen Zugeständnissen (Wegfall der Strafbarkeit der Förderung, Möglichkeit der gesetzlichen Kranken- und Sozialversicherung) zu locken - und auf der anderen Seite Steuern einzustreichen. Den Weg der "vollkommen legalen" Prostitution werden jedoch meiner Einschätzung nach die wenigsten Huren gehen - alleine der Abgaben und hinzukommenden Meldepflichten wegen.
Es hat schon einen Grund, aus dem die Verbände der Sexdienstleister zwar einerseits einen gesetzlichen Rahmen fordern - andererseits aber sehr viel Augenmerk auf Unterstützung beim
Aufhören legen. Denn gerade nach mehreren Jahren Arbeit ist es alles andere als einfach, wieder ein solides Leben zu führen.
Die
moralische Diskussion zu führen, ist hingegen müßig. Prostitution hat es schon immer gegeben und wird es auch immer geben. Im Laufe der Zeit haben sich halbwegs annehmbare Arbeits-"Umgebungen" gebildet, die von der Gesellschaft weitestgehend akzeptiert werden. Meist hört man "sollen sie - solange es nicht hier im Haus ist". Gerade Touristen und Ortsfremde sind häufig überrascht von der Akzeptanz, die zB hier in Hamburg herrscht.
Die Frage ist - sollte man Mitleid haben oder es verachten?
Ich denke, dass man in diesem Bereich nicht pauschalisieren kann. Im Falle der illegalen (weil erzwungenen oder geschleusten) Prostitution fühle ich persönlich wenig Mitleid für die Zuhälter und bin der Meinung, dass es den Huren in einem anderen Job wesentlich besser gehen würde.
Bei der
geduldeten Prostitution sieht es ein wenig anders aus - hier wäre ich aber eher für einen "sozialen" Ansatz, sprich für das Aufzeigen von Möglichkeiten aus der Prostitution und eine weitere gesellschaftliche Akzeptanz.
Es kann nicht sein, dass eine Hure keinen Dispositionskredit bekommt, nur zwischen drei Krankenkassen wählen kann und auf eine von ihrem Zuhälter angemietete Wohnung angewiesen ist, weil sie auf den entsprechenden Formularen keinen Beruf angeben kann.