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Beratungen über alles?

Beratungen - an sich braucht man es hin und wieder und manchmal sind die nur noch zeitauftreibend.
Kurioserweise kriegt man in den meisten Fällen keine Beratungen oder nur Beratungen in der Art, die man eher in einer Verbraucherzeitschrift mit detaillierten Infos finden
könnte. Und gerade im Moment wollen einige wohl etwas besser machen, und man hat eigentlich nicht die Zeit dafür.

Beispiel Bank:
Gerade wurde mein Girokonto um ein paar Tausender bereichert, hat auf einmal die Beratungsdame die nötige Zeit mich zu beraten. Aber wieso gerade in dem Moment, wo
ich eh unter Zeitdruck stehe? Ich wollte ja nur die paar Tausender als Festgeld anlegen. Ausgerechnet jetzt, aber ich traute mich nicht zu beschweren. Denn ich beschwere
mich eigentlich notorisch, wenn ich keine Beratung oder mangelnde nixsagende Beratungen kriege. Was soll%27s, hören wir es halt mal an.
Wie ich mein Geld investieren will? Ob ich durch Aktien irgendwelche Verluste eingefahren habe? Fragen noch und nöcher; Broschüren auf laufendem Meter. Es ist mir ja
schon verständlich, dass sie normalerweise organisatorische Tätigkeiten durchführen, allerdings wenig Kundenähe in Standardsituationen anbieten. Erinnert mich gerade an
bestimmte Situationen, wenn ein Bekannter den Weg versperrt und mich sozusagen aufhält und mit üblichen Gesten, Begrüssungen, Wohlbefinden nervt, obwohl ich es
wirklich eilig habe.

Beispiel Metzger:
Ich erinnerte mich an Situationen, wo ich relativ kaum Beratungen über die genaue Herkunft des Fleisches oder über die Nährangaben bekam. Irgendwann wird man mit der
Zeit nicht mehr so pflichtbewusst und man kauft eigentlich nur das Nötigste ein. Von nem Bauer verlang ich ja nix, da bin ich ja schon im Bilde, aber in einer Metzgerei? Wie
auch immer, es gab mal eine Zeit, da sollte ich Besuch bekommen. Also mehr einkaufen ist angesagt, was ich an sich gerne mache. Diesmal kein Zeitdruck, aber von der
Einkauferei genervt. Und da ich generell in der Metzgerei kaum anständige Beratung bekam, dachte ich, dass es relativ schnell gehen würde.
Denkste. Auf einmal werde ich damit beschossen mit zahlreichen Infos, die ich quasi vermisste. Ich ertrug es, ich musste es ertragen! Was soll ich mich denn beschweren?
Auch wenn der Zeitpunkt recht ungünstig war. Ich sah verstohlen das Fleischermesser an und stellte in meinen Gedanken vor, was für ein Gemetzel geben würde.

Beispiel Apotheken:
Auch ich hatte mal Aspirin gekauft. Eigentlich vermeide ich dies soweit möglich, aber manchmal ging es nicht anders. Da kriege ich zu hören, ob ich über die Dosierung und
Nebenwirkungen beraten lassen will. Wenn es um Viagra, Valium, Morphium oder extremere Dinge geht, dann habe ich ja noch Verständnis; aber Aspirin? Hallo? Sehe ich so
aus, als ob ich mich glatt umbringen will? Was soll%27s, sonst beschwere ich mich ja über keine Beratungen. Er: Ein Glas Wasser blabla, ich in Gedanken: Kopfweh weg und
basta!

Beispiel Bahn:
Ich fahre schon länger keine Bahn, gottseidank. Aber doch gibt es Bekannte unter mir, die nicht drauf verzichten können. Einmal kommt die Zeit, da muss an es wieder neu
beantragen. Nicht weiter schlimm, beim letztem Male ging es auch flott. Dachten sie, dachten alle. Pustekuchen. Auf einmal ist auch dort Beratungen gross geschrieben, und
die übertreiben es dermassen. Wie oft man Bahn fährt, von wo nach wo, ob man schon mal in Frankreich oder im Ausland war, ob man dort die Partner benutzt hat, ob es
einem die Werbung aufgefallen ist, wie es sich auf die eigene Person gewirkt hat, ob man gedenkt, länger mit der Bahn zu fahren. Nach der Fragerei kommt natürlich die
Beratungen. Also mal ehrlich: solchen Profil gibt es sicherlich nur bei der BND, oder? Das tollste daran ist: jeder hinter ihm/ihr kriegt jedes Detail auch noch mit. Und wenn
man Glück hat, ist man nach einer halben Stunde dran, wegen einer blöden Card. Aber die Beratung wird sicherlich noch kommen, obwohl man einiges schon auswendig
konnte.
Beispiel Produkt-zum-Kennenlernen:
Wer kennt das nicht? Da geht man mal einkaufen und man rollt nichtsahnend an einem Produktstand vorbei, dessen Marke ich seit eh und je kenne.
Und natürlich will man mich beraten, über ein Produkt, den ich hin und wieder ertragen musste. Getränke sind meist bevorzugt, eher Bier. Stuttgarter Hofbräu wollte mir doch
glatt ne beratung aufschwatzen, den ich gar nicht haben will, da ich nur zum Einkaufen da war und das schnell hinter mir haben möchte. Wenn es eine recht unbekannte
Brauerei wäre, dann okay, das gehört dazu. Da bin ich offen und neugierig, wie er mich mit Beratung überzeugen möchte, aber eine Brauerei, die ich damals schon immer aus
dem Weg gehen wollte?

Diese Szenen beziehen sich vor allem auf die aktuelle Situation, ich musste feststellen, dass gerade dies enorm zugenommen hatte. Einerseits ist es ja wahrhaftig positiv,
aber andererseits sollte man den Kunden nicht dazu unbewusst zwingen, dass die durch die dauerende Beratung irgendwann unhöflich werden. Die Zeiten, wo der Kunde
noch nach Beratung fragen darf, sind vorbei und mittlerweise kriegt man es so angeboten, ob man was will oder nicht, dass man unmöglich nein sagen könnte.
worüber beschwerst Du Dich? Wenn Du keine Beratung brauchst, dann sag es und aus die Maus :-) Allerdings gibt es sicherlich sehr sehr viele Menschen, die nicht in allen Lebenslagen so sicher sind und über die ein oder andere Beratung in der Servicewüste Deutschland dankbar wären. Die Angst vor der Arbeitslosigkeit scheint momentan eine Servicewelle hochzubringen. Warum sie verfluchen? Ich finde es gut so :-)

:-ghost
Hi Alper,
es gilt immer noch das Prinzip: wenn der Kunde Beratung will, dann wird er es sagen. Zu damaligen Zeiten konnte man in kleineren Läden Beratungen erleben, in grösseren Gesellschaften stand man meist leer da. Gerade weil das Problem %27Servicewürste%27 im Gange war, wurde in den grösseren Bereichen die Beratungen künstlich vergrössert.
Wie man aus den Beispielen erkennen konnte, wollte ich u.a. quasi nur eine Dienstleistung/Produkt erwerben und bestand in dem Zeitpunkt keinesfalls auf Beratung.
Ein Kunde, der auf eine mehr oder weniger gutmeinte Beratung verzichtet, wirkt einfach unhöflich. Ausserdem kann man als Kunde nie genau wissen, ob was brauchbares dabei wäre.

In dem Beispiel Bank: es stand schon vorher klar, dass ich es in Festgeld setzen wollte. In dem Bezug hätte ich eine Beratung in Sachen Zinsen eher erwartet als in Sachen Aktien. Einfach eine Beratung, die kombinierbar in Sachen Festgeld und nicht in Sachen Risikobereitschaft.

Zum Beispiel Metzger: Ich hatte mal auf eine detaillierte Beratung gehofft, die man mir aber nicht gegeben hatte. Gut, kauft man halt ein paar Produkte ein und da scheinen die auf einmal beratungsfreundlich zu sein.

Beispiel Apotheke: Nicht jeder Laden ist kundenfreundlich. Soweit gut, und es ist mittlerweise jeder im Bilde, dass Personal dort unterschiedlich sind. Wenn ich über die Risiken und Nebenwirkungen eines Aspirins informiert werden will, dann frage ich schon danach. Frage ich nicht danach, sind die und die Dosierung mir dann evtl. bekannt.
Es ist mir ehrlich gesagt auch unwohl, wenn ich über die intra-analen Anwendung und Dosierung einer Hämorrhoidensalbe anhören muss, etwa in der Lautstärke, dass die Warteschlange hinten auch alles mitbekommt. Der Witz dabei war: ich wollte keinerlei Beratungen dieser Art, da ich selbst schon davor ein Hämorrhoidleiden hatte, aber dennoch wollte sie dies unbedingt tun.

Beispiel Bahn: Nun mal ehrlich, die Beratungen sind sicherlich gut gemeint, aber die Warteschlangen am Schalter sind meiner Erinnerung nach sowieso schon lang genug. Für ein simples Beantragen eines Bahncards braucht man keine derartige Beratungen. Dafür gibt es Infocenter, wo man sich nach Belieben beraten lassen kann, bis einem schwarz vor den Augen wird.


Durch die Möglichkeiten der Medien wie Internet findet der Kunde allerhand seine Informationen, die er will und ist in der Lage auf die Beratung zu verzichten. Die zuständigen Unternehmen bemerkten erst zu spät die mangelnde Kundennähe, also wurde was dagegen unternommen.
Ich beschwere mich hiermit nicht ganz direkt, sondern machte so einige Feststellungen, die zwar positiv gemeint waren, aber letztendlich auf den Verbraucher auf Dauer negativ auswirkt, vor allem weil er zu damaligen Zeiten gerne etwas Beratung wollte.
Die Quantität der Beratung ist zweifellos gestiegen, die Qualtität aber extrem gesunken.

Diese neuartigen Geschäftsmethoden gleichem eher einem auswendig gelerntem Hochglanzprospekt als einer fachlich fundierten Beratung die den Namen auch verdient. Schlimmer noch, als Kunde der umfangreiche Informationen einfordert weil Prospekte aussagelos sind wird man leicht unbequem und auch dementsprechend behandelt.

Einfaches Beispiel, versuch mal einen Internetzugang (DSL) zu bekommen und ruf die entsprechenden Hotlines an. Von definitv falschen Aussagen bis zu reinen Abschlußgesprächen ist alles vorhanden.

Ausserdem scheiterten ALLE "Beratungen" in der letzten Zeit an fachlichen Mängeln der Berater. (in Verkaufspsychologie dagegen waren alle super geschult)