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Israelischer Autor Ephraim Kishon gestorben

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Ich selbst habe seine Bücher mit voller Begeisterung gelesen, oftmals herzhaft gelacht. Umso etwas trauriger ist es für mich, dass der bekannte Satiriker nun verstorben ist.

Aus diesem Grund werde ich jetzt eine kleine Geschichte von ihm veröffentlichen.
Ein vielversprechender Anfang
(aus %27Auch die Waschmaschine ist nur ein Mensch%27)

Nun hatte ich also ein Telefon. Zu Hause. Der gegenseitige Gewöhnungsprozeß begann ganz harmlos. Ich brauchte nämlich eine Bewilligung, und der Mann, an den ich mich zu wenden hatte, war Dr. Slutzky von der Abteilung Nahrungsmittelkonserven im Ministerium für Volksernährung. Das traf sich gut, weil Dr. Slutzkys Jüngster und mein Sohn Amir dieselbe Schule besuchen, so daß mein Gesuch eigentlich schon im voraus bewilligt war. Das Problem bestand lediglich darin, wie ich mit Dr. Slutzky persönlichen Kontakt aufnehmen sollte. Zu ihm ins Amt gehen und stundenlang in einer Schlange anstehen, bis man aufgerufen wird? Kommt nicht in Frage. Wozu hatte ich endlich ein Telefon zu Hause? Anruf ist besser als Aufruf, telefonieren besser als Zeit vergeuden. Was könnte nicht alles geschaffen werden in den vielen Stunden unproduktiven Schlange Stehens. Ich nahm den Hörer zur Hand.
Ich nahm den Hörer zur Hand, aber ich bekam keine Leitung. Ein sonderbares Geräusch klang an mein Ohr, eine Art Gurgeln, gluck-gluck-gluck. Wahrscheinlich ist das Netz überlastet.
Ich lege den Hörer wieder auf, warte eine Weile, nehme ihn wieder ab, aber das Sodawasser gluckst noch immer, und als die Flasche sich endlich leert, setzt große Stille ein. Ich lege auf, streichle den Hörer, sichere den Kontakt, hebe ab - nichts. Sollte sich das Telefon zu seinem Schöpfer, Mr. Graham Bell, versammelt haben? Nein, denn es wendet sich plötzlich an mich und sagt: »Krrr-krrr-krx«.
Und wieder nichts. Aber jetzt weiß ich wenigstens, daß noch Leben in ihm steckt.
Ich wähle ein paar Nummern, die mir gerade einfallen. Vergebliche Mühe. Ich versuche es mit vier Sechsern, rasch hintereinander - nichts. Sechs Vierer - ebenso. Ich lege den Hörer auf die Tischplatte und warte, bis ein Lebenszeichen aus ihm dringt. Es dringt keines. Ich lege den Hörer wieder auf die Gabel und wünsche ihm eine gute Nacht. Plötzlich läutet das Telefon.
Klar und deutlich. Ich hebe ab und habe eine Leitung. Ganz glatt, als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt.
Hocherfreut über die unvermutete Glätte, wähle ich die Nummer der Nahrungsmittelkonserven. Sie ist besetzt. Ich lege auf, gebe mir den Anschein, als ob ich etwas anderes zu tun hätte, ergreife plötzlich den Hörer und wähle. Besetzt. Bei meinen nächsten Versuchen bekomme ich das Besetztzeichen noch ehe ich gewählt habe. Ich bekomme es auch zwischendurch und hinterher.
Jetzt nehme ich meine Zuflucht zu härteren Erziehungsmethoden und versetze dem Instrument zwei saftige Schläge mit der flachen Hand. Sie erinnern mich an den liebenden Vater, dem die Züchtigung seines unfolgsamen Söhnchens größeren Schmerz bereitet als dem Söhnchen. Im übrigen habe ich nichts weiter erreicht, als daß sich das Telefon totstellt. Nun, solche Tricks ziehen bei mir nicht. Ich erhebe mich, gehe pfeifend im Zimmer auf und ab - und aus heiterem Himmel, ehe der Hörer sich dessen versieht, reiße ich ihn an mein Ohr. Er ist so überrascht, daß er mir eine Leitung gibt.
Vorsichtig wähle ich die Nummer, eine Ziffer nach der anderen, nicht zu schnell, nicht zu langsam. Das Unglaubliche geschieht. Die Verbindung wird hergestellt, jemand hebt ab, eine weibliche Stimme meldet sich und sagt: »Firma Stern, Trikotagen.« Ich kann gerade noch eine Entschuldigung stammeln. Dann packt mich die Verzweiflung, leckt ihre Lippen, verlangt nach mehr. Zum Glück ist das Telefon in sein altes Schweigen verfallen. Vielleicht ohnmächtig geworden. Aus Überarbeitung.
Nach ein paar Minuten hat es sich erholt. Ich bekomme eine Leitung. Ich wähle die Nummer. Sie ist besetzt. Aber die Leitung bleibt offen. Und die Nummer bleibt besetzt. Da stimmt etwas nicht. Ich rufe die Auskunft an und muß zu meiner Verblüffung feststellen, daß auch die Auskunft besetzt ist. Beim nächstenmal höre ich statt des mir schon bekannten Sodawasser-Glucksens das Gurren einer Taube, beim drittenmal höre ich nichts, und beim viertenmal wage ich meinen Ohren nicht zu trauen: »Auskunft, Schalom«, sagt ein freundliches Fräulein.

(Fortsetzung)
(Fortsetzung)

Ich bitte um die Nummer der Nahrungsmittelkonservenabteilung im Ministerium für Volksernährung. Das Fräulein heißt mich warten. Ich warte. Es vergehen fünf Minuten. Es vergehen zehn Minuten. Im Hintergrund wird das Geräusch einer Schreibmaschine vernehmbar, das Geräusch weiblichen Lachens, das Geräusch strickender Nadeln. Fünfzehn Minuten. In einem jähen Ausbruch aufgestauter Pein brülle ich Unartikuliertes in die Muschel - und habe Erfolg. Jemand kommt an den Apparat. Diesmal ist es ein Mann. Was ich wünsche, fragt er. Die Nummer der Nahrungsmittelkonserven, sage ich. Warten Sie, sagt er. Ich warte. Nach drei Minuten erfolgt direkt an meinem Ohr eine fürchterliche Explosion, die in eine Serie von krrr-krrr-krrr übergeht. Ich lege auf.
Um die Zeit auszunützen, gehe ich in die Küche, fertige eine Sandwich an, schlafe ein wenig, dusche mich, rasiere mich und kehre erfrischt an die Arbeit zurück. Gleichmäßig nehme ich die unvermeidlichen Schicksalsschläge hin, das Glucksen, das Gurren, das krrr-krrr-krrr, streichle das Kabel, kitzle den Hörer, lege ihn halb auf, hebe ihn halb ab und warte geduldig, bis er mir das Zeichen gibt, daß eine Leitung frei ist. Dann betätige ich die Drehscheibe - und halleluja, vom anderen Ende des Drahts ertönt eine Stimme: »Firma Stern, Trikotagen.«
Möge ihr Lager in Flammen aufgehen. Ich weiß genau, daß ich die richtige Konservennummer gewählt hatte. Oder wäre es gar nicht die richtige? Die Auskunft ist besetzt. Als sie beim sechsten Versuch nicht mehr besetzt ist, hebt niemand ab. Nichts auf Erden ist so deprimierend wie eine endlich hergestellte Verbindung, welche einseitig bleibt. Also nochmals die bisher gewählte Nummer. Sie ist frei! Sie antwortet! Das heißt, ein Tonband antwortet: »Die Nummer unserer Abteilung wurde geändert. Bitte notieren Sie die neue Nummer. Sie lautet-« Jawohl. Sie lautet ganz genauso wie die, die ich immer gewählt habe.
Hauptsache, daß es die richtige Nummer ist. Ich wähle sie und begegne eisigem Schweigen. Es gluckst nicht einmal.
Ein Blick auf die Uhr. Wie die Zeit vergeht... Eine kurze Erholungspause. Ein neuer Anlauf. Nein, diesmal ist die Nummer nicht besetzt. Ich höre das beseligende Verbindungssignal. So hebt doch endlich ab, um Himmels willen! »Ordination Doktor Perez. Der Herr Doktor ist nicht zugegen. Wer spricht?«
Was geht das dich an, alte Hexe. Misch dich nicht in meine Konserven. Ende der Durchsage. Habe ich vielleicht doch eine falsche Nummer? Zurück zur Auskunft. Besetzt. Vorwärts zur Beschwerdestelle. Besetzt.
Ein letzter, garantiert letzter Versuch mit der gewohnten Nummer.
Und da - wirklich und wahrhaftig - noch lebt der alte jüdische Gott:
»Abteilung für Nahrungsmittelkonserven. Schalom.« »Ich möchte Herrn Doktor Slutzky sprechen.« »In welcher Angelegenheit?« »Sagen Sie ihm nur: wegen Amir.« Krrr-krrr-krx. »Hallo! Hallo!«
»Herr Doktor Perez ist nicht zugegen. Wer spricht?« »Gehen Sie aus der Leitung, zum Teufel!« »Gehen Sie selber!«
»Fällt mir nicht ein. Ich will mit Doktor Slutzky sprechen.«
»Der Herr Doktor ist nicht zugegen. Er wird-« Rrrx-krrr-pschsch. Wieder eine Explosion. Schon die zweite. Aber auch sie nimmt ein Ende. Sie wird sogar von einer freien Leitung abgelöst, und ich kann die Konservennummer wählen. Sie ist besetzt. Natürlich ist sie besetzt. Durch meinen Anruf.
Nur nicht auflegen. Nur die Verbindung nicht unterbrechen.
Wäre ich ein Telefon, dann würde ich jetzt in Ohnmacht fallen. Graue Schleier schwimmen vor meinen Augen, verdichten sich immer mehr. Ich muß die heiß ersehnte, endlich erreichte Verbindung aufgeben und die Unfallstation anrufen. Sie hat drei Nummern. Die erste ist besetzt. Die zweite ist besetzt. Die dritte hebt ab. Ich kann nur noch stöhnen: »Hilfe! Kommen Sie rasch! Ich sterbe!« »Bedaure, Sie sind falsch verbunden. Hier ist die Abteilung für Nahrungsmittelkonserven.« »Gehen Sie aus der Lei - nein, n-e-i-n! Gehen Sie nicht! Bleiben Sie! Verbinden Sie mich mit Doktor Slutzky!« »Augenblick.« Lieber Gott, tu ein Wunder!
Der liebe Gott ist besetzt. Aus dem Hörer ertönt das Turteln einer Taube. Dann wird die Leitung unvermittelt frei.
»Doktor Perez?« flüstere ich. »Hier spricht Amirs Vater.«
Eine metallische Frauenstimme antwortet: »Es ist siebzehn Uhr zwölf Minuten und fünfundvierzig Sekunden. Beim nächsten Summerton wird es...« An die folgenden Ereignisse habe ich keine klare Erinnerung. Irgendwann drangen Nachbarn bei mir ein. Wie sie mir später erzählten, lag ich ohnmächtig über meinem Schreibtisch, das Telefonkabel um den Hals, und brachte noch stundenlang, nachdem ich zu Bewußtsein gekommen war, nichts anderes heraus als krrr-krx - rrrx - pschsch - krrr... Klingeln konnte ich damals noch nicht.
ich habe diese geschichte selber als kind ca 1000 mal gelesen und finde noch immer, dass es einer seiner besten war.

sehr zu empfehlen sind seine geschichten für kinder...
;-(
Und letztens haben wir noch davon gesprochen, froggy, was?