chris, nicht nerven lassen

dies hier ist eine diskussion - und dazu gehört es nun einmal, daß unterschiedliche meinungen und ansichten aufeinanderprallen. wir (ich schließe sam mit ein) nehmen die deine zur kenntnis, haben selbst allerdings eine andere sicht der dinge.
du selbst scheinst auch nicht alles in sams beiträgen gelesen zu haben: zunächst einmal sollte man unterscheiden zwischen friedlichen gegnern und gewalttätigen aktivisten. okay. allerdings ist uns die erklärung: "die sind doch eh nur auf stunk aus." zu profan. wir sehen die ursache eher in tiefster politischer frustration. friedlichen kundgebungen und sachlichen argumentationen mag vielleicht gehört geschenkt werden - damit hat es sich aber auch schon erledigt. zumindest in der regel - es mag ausnahmen geben. daß diese situation zu frustration in den oppositionellen reihen führt, kann ich sehr gut nachvollziehen. ich selbst schäume desöfteren vor wut und fühle mich absolut machtlos ausgeliefert. dennoch sind und bleiben wir pazifisten - gewalt ist tatsächlich die letzte zu wählende lösung - und ich kann nicht mit ruhigem gewissen sagen: "jetzt ist der zeitpunkt gekommen, an dem nichts mehr weiterhilft außer gewalt.", ich suche lieber weiter nach friedlichen wegen. dasselbe gilt für sam.
worum es uns im zusammenhang mit der ermordung (ja, ich wähle dieses wort) dieses demonstranten geht, hat sam eigentlich schon in einem satz zusammengefasst:
Ein Mätyrer ist der Mann nicht. Aber ein Opfer. Zwar nicht unschuldig, aber auch nicht des Todes schuldig verurteilt
du stellst die frage, wie wir an stelle des polizisten gehandelt hätten - die frage ist nicht zu beantworten, das kannst selbst du nicht.
wenn ein polizist, der auf solche situationen im zuge seiner ausbildung vorbereitet wurde, in panik gerät und einem menschen zweimal in den kopf schießt - dann ist er ungeeigent, diesen beruf auszuführen und muß mit derselben härte bestraft werden wie es ein demonstrant worden wäre, der in panik einen polizisten niederschießt.
und nun noch zu deiner aussage
trotzdem: in der regel sind es die demonstranten die anfangen gewalttätig zu werden.
auch hierauf ist sam schon vorher eingegangen:
Wenn man aber die Gegebenheiten in Genua verfolgt hat, und zwar nicht nur die reißerischen Bilder der letzten Tage, dann sieht das Bild etwas anders aus.
Dort ist ein gegenseitiges Aufschaukeln und provozieren zu beobachten gewessen, und das von Anfang an.
Sei es, das friedliche Demonstranten mit Wasserwerfer und Tränengas plötzlich zurückgedrängt wurden, im Vorfeld wie Verbrecher fotografiert, gefilmt und durchsuscht wurden.
Während randalierende Gruppen Zeit zum randalieren gewährt wurde, während die Polizei aus unerklärlichen Gründen erst dann in Aktion trat als die Sache schon eskalierte.
noch einmal: gewalt ist keine lösung, kann auch nicht entschuldigt, nur ERKLÄRT werden - allerdings ist das gebahren der polizei genauso zu verurteilen wie das der gewalttätigen demonstranten.
und nun noch ein zitat aus dem spiegel:
In Schweden waren etwa 1000 der insgesamt über 20 000 Demonstranten gewaltbereit (siehe Seite 128). "Es kommen Tausende von Journalisten", erklärte ein englischer Reisekader die simple Kalkulation, "und je mehr es kracht, umso mehr berichten sie."
hättet ihr ohne die krawalle überhaupt etwas zum thema "G8" zu sagen gehabt? wobei, wirklich aufmerksam auf den gipfel ist die mehrheit ja doch nicht geworden, sondern nur aufs blut. du stellst dir zwar die frage, was die gegner eigentlich wollen, beantwortest sie dir aber nicht - mach dich einfach auf die suche nach infos, chris. das netz ist voll davon. auf die schnelle habe ich nur diesen link parat:
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,142612,00.html - man erfährt wenigsten einmal grob, um was es ihnen geht - und die anliegen der globalisierungsgegner werden durchaus kritisch durchleuchtet.
wer WIRKLICH informiert sein will, der muß SELBST tätig werden - es reicht nicht, sich täglich das futter aus der bevorzugten tageszeitung zu holen - es ist auch wichtig, sich "die andere seite" anzuschauen - und dann eigene schlüße daraus zu ziehen.
*gruß* Abalone