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Vielen Dank, Pro7...

...für diese Berichterstattung zur besten Nachrichtenzeit.

Vielen Dank, dass ich diese geringfügig geschnittenen "Amateuraufnahmen" aus Mexico sensationslüstern begeifern durfte. Dass ich zwischen geplantem neuem Waffenrecht und der neuesten Umfrage zum Mobiltelefonieren mitansehen durfte, wie ein gestörter Mensch seinen Pickup vor einer Schülergruppe zum Stehen bringt, die mitten auf der Straße musiziert und tanzt. Dass ich sehen durfte, wie er ein paar Meter zurücksetzt. Gas gibt. Mit einem gnädigen Schritt, als der erste Schrei zu hören ist und die Stoßstange den ersten Körper anfährt. Dass ich den langsamen Schwenk über das vielleicht sechsjährige Kind, das tot in einer Blutlache liegt - nicht verpassen durfte. Dass ihr (oder der Berichterstatter) dem Mann die Möglichkeit gegeben habt, sich in einem Interview aus der Zelle zu rechtfertigen.

Selbstverständlich ist das furchtbar. Selbstverständlich sollte man darüber berichten. Selbstverständlich kann man erwähnen, dass jemand das Ganze gefilmt hat. Und vielleicht hätte ich auch nicht so sehr darüber nachgedacht, wenn ich es nicht (Dank euch) mit eigenen Augen gesehen hätte. Also: Hut ab, war eine prima Idee.

Ein Tipp fürs nächste Mal: Vielleicht könnt ihr den Schnitt weglassen und das Video in voller Länge zeigen. Das störende Gesabbel des "Korrespondenten" (sic) durch stimmungsvolle Musik ersetzen oder Ähnliches.


In diesem Sinne... "Two thumbs waaaaaaay up".
finde sowas recht kraz, aber das erschreckendste daran ist, dass die menschen ja gerade sowas sehen wollen, sonst würde ein sender welcher auf quoten angewiesen is sowas ja net zeigen. davon ma abgesehen. gug dir tagesthemen an.. ist zwar trocken und nicht ganz frei von propaganda aber immerhin bekommst du annähernd die information und hintergründe auf die es ankommt.

wenn überhaupt fernsehen...
wieso pro7 .. ich habs auf sat1 gesehen
also des kommt auf premiere pro7 sat1 kabel1 und auf N-24
wenn bertelsmann noch die bilder bekommt bekommt läuft es noch auf RTL RTL2 , super RTL etc ... das liebt halt an der sensationslust der fernseher
Ja, schon... Quoten sind ein Argument für vieles. Hat schon seinen Sinn, dass viele "Nachrichten"sendungen der Privaten nicht konkurrierend zur Tagesschau oder den Tagesthemen ausgestrahlt werden.

Aber ich hoffe inständig, dass die Kontrollorgane mal nicht das Augenmerk auf die RTL2-Lederhosen-Softpornos oder den Dünnsinn auf 9live lenken, sondern vielleicht tatsächlich mal diesen Beitrag bewerten. Denn das hat für mich nichts mehr mit Journalismus zu tun.

Denn mal ganz ehrlich - mich würde es stören, wenn mir die Weltöffentlichkeit beim Sterben zusieht.
gg beast - genau der Nachsatz kam mir auch in den Sinn.
Mexikaner rastet aus und fährt in Kindergartengruppe
Zwei tote Kinder und mehr als 20 Verletzte
Mexiko-Stadt - Das ist die traurige Bilanz eines Amoklaufs, bei dem ein Autofahrer in Ecatepec, einer nördlichen Vorstadt von Mexiko-Stadt, vorsätzlich in eine Kindergruppe raste. Die Mädchen und Jungen hatten sich zu ihrer täglichen Flaggenübung vor ihrem Kindergarten versammelt. Der Täter, Jose Luis Nieto, hatte sich darüber geärgert, dass sie ihm die Durchfahrt zu seinem Geschäft versperrten.

Der Zusammenstoß wurde von einem Amateurfilmer auf Video aufgezeichnet, aber auch ohne diesen Beweis gab der 56-Jährige bei seiner Festnahme die Tat sofort zu. Er wollte, sagte er, die Kindergärtnerinnen verletzen. Denn schon seit Ende letzten Jahres erzürnte es den Mechaniker, dass die Flaggenparade ihn jeden Tag an der Weiterfahrt hinderte.

Das Video zeigt, wie Nieto vor dem Amoklauf versuchte, mit den Kindergärtnerinnen zu reden. Anschließend stieg er in seinen Kleintransporter, setzte zurück und fuhr mit Vollgas in die rund 100 Kinder zählende Gruppe. Dabei starben ein zwei Jahre altes Mädchen und ein dreijähriger Junge. Unter den Verletzten befindet sich auch ein vier Monate alter Säugling sowie der Leiter des Kindergartens. Nur die Polizei konnte Nieto davor bewahren, von den aufgebrachten Anwohnern gelyncht zu werden.

"Der Wagen hat uns einfach überrollt", beschreibt ein kleines Mädchen die Situation. "Ich bin völlig geschockt", erzählt eine Mutter, deren Tochter leicht verletzt wurde.

Der Streit um die tägliche Flaggenzeremonie schwelte seit Monaten. Mehrmals schon hatte Nieto versucht, die Kindergärtnerinnen zu überreden, ihm den Weg freizugeben. "Sie wollten mich nicht in mein Haus lassen. Das ging jeden Tag so, bis das heute passiert ist", sagte der Amokläufer einer lokalen Fernsehstation. Eltern berichteten, dass der Mechaniker häufiger die Kinder bedroht hatte. Einmal sei er auf die Gruppe zugefahren und habe erst kurz vorher abgebremst.

[aus der Online-Ausgabe einer Tageszeitung]
servus admi-maus!

ich finde deinen beitrag ziemlich gelungen und er spiegelt auch im grossen und ganzen meine meinung wieder.

ich frage mich immerwieder, wie krank man sein muss, sich soetwas reinzuziehen. langeweile? gaffgeilheit? - es ist immer das selbe: nehmen wir an, auf der autobahn kracht es, du kannst sicher sein, innerhalb von minuten hat sich ein grosser kreis von zuschauern gebildet. es liegt wohl in der natur des menschen, in den meisten zumindest.

ich picke mir jetzt mal das beispiel erfurt raus: nungut, es ist sicher richtig, dass die öffentlichkeit darüber informiert wird. ich habe es auch im radio gehört und war geschockt.
aber(!) besteht wirklich die notwendigkeit, stundenlang darüber zu berichten? in jede nachrichtensendung damit zu überfüllen? zumal ich soetwas nach einer zeit langweilig finde, da bin ich wohl aber eher eine randgruppe, denn offenbar kommen derartige sendungen an.
da werden dann reportagen gedreht über den jugendlichen, seinen freundeskreis, sein leben, seine eltern. stundenlang sondersendungen - wen interessiert so ein scheiss? - hier sind wir wieder bei den "autobahngaffern" - ihr seid toll - wirklich!
und selbstverständlich denken die tv-anstalten hierbei nur an das menschliche wohl und an das informationsrecht der zuschauer.
desweiteren hegen sie mit sicherheit auch kein interesse, die beste "storry" zu haben, die meisten einschaltquoten (sprich: werbe-einnahmen!).
ihr macht es super, ihr sender - ihr gebt frustrierten jugendlichen, die keinen ausweg mehr sehen eine neue möglichkeit. ihr bringt sie auf die tolle idee, einfach mal alle verhassten lehrer abzuknallen - dazu noch einige schüler und wenn schon bullen da sind, die natürlich gleich mit diese A.... - der krönende abschluss ist selbstverständlich der suizid - jawoll, ihr medien. was hätte dieser mensch bloß ohne euch getan?!
fazit: hier wird regelrecht zum nachahmen aufgerufen!

meine lieblings-themen sind ja: "mädchen 9 jahre verschwunden" - das wird nur zu gerne in diversen 0815-reportagen breitgeschlagen. in der bildzeitung wird eine komplette seite damit dekoriert, inklusive storrys über das leben des kindes, evtl. sogar des mörders - falls bekannt. und natürlich dürfen auch keine interviews und fotos der trauernden eltern fehlen! - klasse, diese freuen sich sicher, dass die ganze nation "anteil" an ihrem leid nimmt.
meine meinung: soetwas gehört allerhöchstens in den artikel einer regionalzeitung des ortes des geschehens!

gut, ich mach mal halt, sonst beginne ich mich noch aufzuregen - das ganze lässt sich belibig weiterführen...

mahlzeit!
Mahlzeit, monti. *g*

Die Frage ist nur - wo zieht man die Grenze? Ich sehe eigentlich nur die Möglichkeit zu sagen "Dass etwas passiert ist, sollte jeder wissen. Wie es genau passiert ist, muss man dem Konsumenten nicht zumuten."
Natürlich ist das genau gegenläufig zur Jagd nach Quote und Auflage - aber in den letzten Jahren stürzen täglich eine Masse an Informationen auf uns ein. Vielleicht könnte man diesen Wust etwas eindämmen und auf das Notwendige beschränken... Motivspekulationen dorthin stecken, wo sie meistens hingehören - Details aussparen (was interessiert mich, ob die Nachbarin des Serienmörders ihn als "netten Menschen" kennt?) - mehr Zeit mit Nachdenken als mit Reden, Schreiben oder Senden verbringen.

Ich habe selber schon mal in den Boulevard-Journalismus reingeschnuppert und mein bisheriges Urteil ist "An und für sich genehm - solange Grenzen eingehalten werden".
Ich will nicht haarklein wissen, was X mit Y angestellt hat. Denn wenn ich eine solch grauenvolle Situation hautnah erlebe - gehe ich psychisch daran kaputt. Ob ich nun in Weltschmerz untergehe oder apathisch werde.
so ist es.

genau das versuchte ich zu erklären und noch einige gesichtspunkte, ist wohl alles ein wenig durcheinander geraten in meinem beitrag :)