...grade eben hat sie noch rausgeschaut, jetzt pocht ihr herz wild unter der brust. ihr wurde heiß und kalt, ihre hände wurden feucht. was sie draußen auf dem bürgersteig nur ganz kurz sah, berührte sie dort, wo es am schönsten ist und gleichzeitig am meisten weh tut!
sein anblick war ein stich ins herz!
sie freute sich ihn gesehen zu haben und doch schämte sie sich, weil sie stundenlang am fenster stand und nur auf diesen augenblick wartete! "hoffentlich hat er mich nicht gesehen, als er kurz zu meinem fenster hoch schaute! er hat doch geguckt... oder wars nur eine kopfbewegung ohne direktes ziel? ich weiß es nicht. ich wünschte, er hätte geguckt, mit suchendem blick, ob sich hinter der gardine etwas bewegt."
langsam setzt sie sich aufs bett und kann von da aus direkt in den spiegel sehen. jeder andere, der in diesen spiegel schauen würde, sähe ein dreizehnjähriges mädchen, welches glatt für 16 durchgehen könnte, lange hellbraune haare, dunkelbraune augen, in denen sich unendlich viel schmerz und traurigkeit widerspiegelt - umrandet von einer brille. wenn sie lacht sieht man ihre zahnspange.
doch sie lacht nicht. sie lacht nur noch sehr selten.
sie schaut sich direkt an und hasst, was ihre augen erblicken!
sie steht auf, geht zum spiegel und spricht mit ihrem spiegelbild: "niemals, wirklich niemals würde er auch nur den hauch eines gedankens an dich verschwenden. niemals würde er in richtung deines fensters sehen und hoffen, dass er dich erblickt! niemals... falls es grad wirklich absicht war, dass er in deine richtung geguckt hat, dann nur, weil er hoffte, dass du NICHT da bist! in seinen augen bist du ein nichts und daran wirst du nie etwas ändern können!"
sie glaubte, was ihre stimme sagte. tränen stiegen ihr in die augen. nein, er wird niemals das gleiche empfinden!
sie ist sein zeitvertreib, wenn ihm langweilig ist.
an ihr lässt er seine schlechte laune aus, seine wut und all seinen egoismus! er gibt ihr ständig das gefühl, dass sie nichts wert ist!
und doch passt sie ständig die augenblicke ab, um ihn "zufällig" im hausflur, vor dem haus oder im fahrradkeller zu begegnen... meistens spricht er nicht viel mit ihr! und doch ist sie mehr als glücklich, wenn sie vor ihm steht und für einen kurzen blick in seinen tiefblauen augen versinken kann! für den bruchteil einer sekunde ist sie dann glücklich.
wenn sie wieder allein mit ihren gedanken an ihn ist, hält sie es vor schmerz kaum aus! kein gedanke an ihn geht vorbei, ohne dass es sie zum weinen bringt!
sie liebt ihn. sie würde alles für ihn tun!
obwohl er sie so behandelt, obwohl er ihr immerwieder zeigt, dass sie ihm nichts wert ist, obwohl er sie quält mit seiner gleichgültigkeit was sie betrifft!
erzählt er von seiner neuesten freundin macht sie einen auf cool und wünscht ihm alles gute, sie tut, als lässt sie es kalt! denn sie genießt die augenblicke, in denen er sie behandelt wie einen guten alten freund! sie waren mal freunde - doch sie wusste nicht, ob sie es noch waren. sie wünscht sich nichts mehr, als dass er sie immernoch als freund ansieht.
sie ist bescheiden. sie liebt ihn, will ihn aber nicht für sich, weil sie der meinung ist, dass sie ihm niemals all das bieten könnte, was er verdient!
manchmal, wenn er vor ihr steht und sich über ihr neues t-shirt lustig macht oder wenn er ihr sagt, sie solle doch endlich mal wieder zum frisör gehen, weil sie mit den langen haaren schrecklich aussähe, würde sie am liebsten anfangen zu schreien! einfach all den schmerz herauslassen, den er ihr zufügt.
ihn anbrüllen, ihm vor dem kopf werfen, dass sie wegen ihm gedanken hat, die man nicht haben sollte, ihm sagen, dass sie am ende ist, dass sie keine kraft mehr hat und ihm sagen, dass sie ihn liebt, dass sie alles für ihn tun würde und dass er endlich aufhören soll, sie zu quälen!
aber sie tut es nicht, sie verabschiedet sich freundlich und will (wie immer) nur noch alleine sein. sie kann es ihm nicht sagen.
das verhältnis der beiden hat sich verändert! früher, als sie nur rumgealbert haben oder er ihr das küssen beigebracht hat, waren diese schrecklicken gefühle nicht da!
da konnte sie ihm in die augen sehen, ohne sich vor sich selbst zu schämen! jetzt kann sie es nicht mehr und sie kann den gedanken nicht ertragen, dass er erfährt, was sie fühlt.
sie weiß genau, dass er sie auslachen würde und das würde sich nicht ertragen. innerlich frisst es sie auf, dass sie es niemandem sagen kann, denn in dieser hinsicht traut sie keinem. die angst, er könnte erfahren, was in ihr vorgeht, wenn sie an ihn denkt, bringt sie um den verstand.
er hätte keinerlei respekt mehr vor ihr und würde sie nur noch verspotten!
das wäre die hölle für sie! und sie weiß ganz genau, was sie tun würde, wenn er es erfährt!
sie steht immernoch vorm spiegel, benommen von den gedanken geht sie zurück zu ihrem bett. sie legt sich hin, schaut den mond an, der heimlich durch ihr fenster scheint und sie wünscht sich, sie wäre niemals geboren!
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