Behalte meine Stellung dazu erst einmal außen vor.
Nun zum Artikel:
Diese Frau hat 12 Menschen getötet
(font2)Und bekommt dafür statt einer Strafe sogar noch Blumen .Denn Marijke Boors ist Ärztin-in Holland, wo Sterbehilfe erlaubt ist.(/font2)
Der Tod schmeckt nach Zwiebeln, glaubt man es einem, der es wissen muss und darum eben nicht mehr zu fragen ist. Ein junger Mann, verheiratet, 2 kleine Kinder, ein hübsches Haus, ein sicherer Job. Ein glücklicher Mensch. Auch weil er in den Niederlanden wohnt und Marijke Boors kennt. Denn plötzlich sind da diese Magenkrämpfe. Der Mann bekommt Medikamente-nichts hilft. Wenige Wochen später muss operiert werden. Die Diagnose Darmkrebs kommt schnell und mit ihr unerträgliche Schmerzen. Am Anfang ist da noch Hoffnung. Nur nicht verzweifeln, lieber das Schlimmste verdrängen, Träumen vom Danach, wenn alles wieder gut ist. Die Mediziner mit ihrem Wissen aber zerstören die Zukunftswünsche. Es besteht keine Chance auf Besserung, geschweige denn Heilung. So würde es ein Tod auf Raten sein, vielleicht noch ein oder zwei Jahre leben. Eher Dasein, ohne teilnehmen zu können, denn laufen, liegen, sprechen, essen, alles wird angesichts der permanenten Schmerzen zur Qual. Aufgeben wäre das falsche Wort für das, was der Mann vorhat. Vielmehr möchte er das Schöne in Erinnerung behalten. Einen Sommer noch mit seiner Familie, und im Sommer dann Marijke Boors anrufen. Seine Hausärztin, die seinen Kindern bei Erkältung Hustenmittel verschreibt, bei Hautausschlag eine Salbe. Wie sie den Kindern die Schmerzen nimmt, soll sie es auch bei ihm tun. Damit will er sterben. Jetzt und nicht später. Marijke soll ihm dabei helfen, ganz legal. Denn in den Niederlanden ist Sterbehilfe erlaubt und macht Ärzte tatsächlich zu den sonst dahingesagten Göttern in Weiß. In Gestalt von Menschen, die entscheiden über eines anderen Menschen Leben oder Tod, dürfen sie das, worauf sonst in den Niederlanden und anderswo eine langjährige Haftstrafe steht: Sie dürfen töten. Ja, es klingt hart, aber wenn ich ehrlich bin, ist es so. Nach dem Gesetz töte ich.; sagt Marijke Boors, aber sie sieht es ganz anders. In erster Linie erlöse ich die Menschen. Ich erlöse, darum töte ich. Aus ihrer Sicht hat die Ärztin in den vergangenen 8 Jahren zwölf Menschen von unheilbaren, unerträglichen Schmerzen erlöst-auf deren ausdrücklichen Wunsch hin. Für sie war Marijke Boors die Retterin. Viele aber, so die 52-jährige, sehen Ärzte wie mich auch als Monster, eiskalte Menschen ohne Gefühl an, die nicht mehr wissen, was ihre eigentliche Berufung ist,-zu heilen. Diese Berufung war der Grund, warum sie vor 30 Jahren mit dem Medizinstudium begann. Sie wollte sich gegen den Tod auflehnen, ihn abwenden, so wie es auf vielen Bildern aus dem Mittelalter zu sehen ist. Tod und Arzt? Das passte nicht zusammen, meint Marijke Boorks. Doch ein einziges Foto veränderte ihr Denken: ein Mann, Mitte 20, ohne Unterleib, der sich mühsam mit den Armen an einer Stange hochzog. Unser Professor der den Mann kannte, diskutierte mit uns Studenten über die Sterbehilfe. Denn nichts anderes wollte dieser Kranke, und ich konnte es irgendwie verstehen. Damals schon und heute noch viel mehr. Denn viel zu gut weiß Marijke Boors, was Gesundheit und Glück bedeuten. Ihr Haus im 700-Einwohner-Dorf Venhuizen, direkt am Ijsselmeer, ist hell und freundlich eingerichtet.. Dahinter erstreckt sich ein riesiger Garten, der an einen kleinen Fluss grenzt. Boors` fünf kleine Kinder sind hier groß geworden, allen geht es gut. In ihrer Freizeit singt die Ärztin in einem Chor, am liebsten Bach, und kümmert sich ausgiebig um den Garten. Marijke Boors wirkt zufrieden und mit sich im Reinen. Keine Zweifel an dem, was sie manchmal tut. Trotzdem: nie ist es ein leichter Weg, und immer ist es abends, wenn Menschen einschlafen und nie mehr aufwachen wollen.