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Der obligatorische "Buchtipps"-Thread :-)

jo, ich merke gerade, so etwas fehlt hier noch!
sagt an, welche bücher würdet ihr gern weiterempfehlen?

ihr könnt auch gern ganz aktuell sein, heißt: wenn ihr gerade dabei seid, ein buch zu lesen, dann postet ruhig passagen, die euch besonders erwähnenswert scheinen - und gebt am ende ein fazit ab: daumen hoch oder runter! :-)

ich selbst habe vor kurzem zwei grundverschieden bücher gelesen:

a) "Lilith" von George McDonald und
b) "Total verhext" von Terry Pratchet

beide kann ich sehr empfehlen.

bei a) mach ich%27s mir mal wieder einfach und kopiere etwas hier rein, daß ich vor längerer zeit mal woanders dazu geschrieben hatte :-)
Kurzbeschreibung bei amazon.de:

Bei der Verfolgung eines Phantoms in der Bibliothek seiner Ahnen gelangt ein junger Mann in unbekannte Räume des Hauses, das er unlängst geerbt hat, durchquert auf dem Dachboden einen Spiegel und findet sich in einer wilden, endlosen Heidelandschaft wieder. Damit beginnt eine Serie von Expeditionen in ein Reich mysteriöser Abenteuer voller Schrecknisse und Beglückungen.

Auszug:

"[...]Der alte Sir Up%27ard", fuhr er fort, "und Ihr Ururgroßvater sind beide schon lange fort. Ihr Urgroßvater ist schon so manches Jahr bei uns; ich glaube, daß er bald anfängt sich zu regen. Sie haben ihn letzte Nacht gesehen, natürlich ohne es zu merken."
"Warum natürlich?"
"Weil er dem Erwachen so viel näher ist als Sie. Keiner, der nicht schläft, wird je erwachen."
"Ich verstehe Sie ganz und gar nicht."
"Sie haben sich abgewandt und würden es doch nie verstehen."
Ich hielt an mich. --- Aber wenn ich jetzt nichts sagte, würde er weggehen.
"Und mein Großvater, ist der auch bei Ihnen?" fragte ich.
"Nein, er befindet sich noch im Wald des Bösen und kämpft gegen die Toten."
"Wo liegt der Wald des Bösen? Ich muß ihn finden."
"Sie werden ihn nicht finden. Aber den Wald werden Sie kaum verfehlen. Es ist der Ort, wo jene, die nicht schlafen wollen, in der Nacht erwachen, um ihre Toten zu töten und sie zu begraben."
"Ich vermag Sie nicht zu verstehen."
"Natürlich nicht. Auch ich verstehe Sie nicht; ich kann weder in Ihrem Gesicht noch in Ihrem Herzen lesen. Wenn meine Frau und ich unsere Kinder nicht verstehen, dann deshalb, weil an ihnen nicht genug zu verstehen ist. Gott allein vermag ihre Tumbheit zu begreifen."
"Dann haben Sie doch die Güte", sagte ich und fühlte mich nackt und armselig, "mir den direkten Weg heimwärts zu zeigen. Ich weiß, daß es mehr als einen Weg gibt, denn ich bin schon zwei gegangen."
"Viele Wege führen heimwärts."
"Sagen Sie mir bitte, woran ich den direkten erkenne."
"Das vermag ich nicht", antwortete der Rabe. "Sie und ich gebrauchen dieselben Wörter in verschiedener Bedeutung. Außerdem sind wir unfähig, den Menschen zu sagen, was sie wissen müssen, weil sie etwas anderes wissen wollen, und deshalb verstehen sie falsch, was wir sagen. Bei sich zu Hause sein - das liegt so nahe wie die Innenfläche Ihrer Hand. Ihnen zu erzählen, wie Sie dorthin gelangen, hat keinen Sinn. Aber Sie werden dorthin gelangen; Sie müssen es. Ein jeder, der nicht bei sich heimisch ist, muß heimwärts gehen. Sie glaubten, Sie seien dort bei sich, wo ich sie antraf: Wäre das Ihr Heim, hätten Sie es gar nicht verlassen können. Niemand kann sein Heim verlassen. Und nie war jemand bei sich heimisch, keiner wird es jemals sein, der nicht dorthin gegangen ist."
"Rätsel über Rätsel!" rief ich aus. "Ich bin aber nicht hergekommen, um mir Rätsel aufgeben zu lassen."
"Nein. Aber Sie kamen. Und die Rätsel warteten schon auf Sie. In Wahrheit sind Sie Ihr einziges Rätsel. Was Sie Rätsel nennen, sind Wahrheiten, und die erscheinen Ihnen nur als Rätsel, weil Sie selbst nicht wahr sind."
"Es wird immer schlimmer!" rief ich.
"Und Sie müssen die Rätsel lösen", fuhr er fort. "Die Rätsel werden sich selbst rätselhaft bleiben, bis Sie sich selbst verstanden haben. Das Universum ist ein Rätsel, das versucht, aus sich selbst herauszutreten, und Sie halten Ihre Tür fest geschlossen."
"Wollen Sie mir nicht aus Barmherzigkeit sagen, was ich tun soll - und wohin ich gehen muß?"
"Wie kann ich Ihnen sagen, was Sie zu tun haben und auf welche Weise?"
"Wenn ich schon nicht heimgehen soll, so führen Sie mich wenigstens zu anderen Menschen meiner Art."
"Ich kenne keine. Die Wesen, die Ihnen am ähnlichsten sind, leben in der Richtung."
Er zeigte mit seinem Schnabel dorthin. Ich konnte nichts als die untergehende Sonne sehen. Sie blendete mich.
"Nun denn", sagte ich voll Bitterkeit, "ich kann nicht umhin, mich ungerecht behandelt zu fühlen - um mein Heim gebracht, in einer fremden Welt verlassen und ohne Unterweisung, wohin ich gehen und was ich tun soll."
"Sie vergessen", sagte der Rabe, "daß Sie das, was Sie Ihr Heim nennen, sicher wieder erreichten, nachdem ich Sie hierher gebracht hatte und Sie meine Gastfreundschaft ausgeschlagen hatten. Diesmal sind Sie von sich aus gekommen. Gute Nacht."
zu beginn ist dieses buch ein wenig schwierig, weil sehr philosophisch - die mitte ist eine entspannt-formulierte fantasie-geschichte - und der schluß geht zwar sehr ins theologische (kein wunder, es geht immerhin um lilith, adams erste frau), ist aber immer noch sehr schön zu lesen.

nun zu pratchett: extrem leichte kost, wenn man gerade lilith verzehrt hat - aber ein unglaublich kritischer humor :-) drei hexen machen sich auf den weg ins "ausland", um einer bösen fee das handwerk zu legen. alles gewürzt mit einer ordentlichen prise gesellschafts-, wissenschafts-, oder kurz gesagt: weltkritik - ein absolut amüsanter schmaus!

Auszug:

Etwas abseits von den Buden erhob sich ein kleines Zelt, das den vielen anderen auf dem Marktplatz ähnelte. Davor blubberte es in einem großen Topf, unter dem ein Holzkohlefeuer brannte. Schüsseln standen daneben, und eine Schöpfkelle lag bereit. Ziemlich viele Münzen lagen davor auf einem Teller. Der große Topf enthielt etwas, das hier in Ermangelung eines besseren Ausdrucks als "Suppe" bezeichnet werden soll und das Ergebnis von Frau Gogols Kochkünsten darstellte. Die Passanten bedienten sich selbst mit Hilfe der Schöpfkelle, und für ihre Portion bezahlten sie einen Preis, den sie für angemessen hielten. Der Teller bot kaum genug Platz für das Geld.
Die dicke Flüssigkeit im Topf sah wenig appetitanregend braun aus. Frau Nett füllte eine Schüssel und wartete. Frau Gogol verfügte über gewisse Talente.
Es dauerte nicht lange, bis eine Stimme aus dem Zelt drang. "Was gibt%27s neues, Frau Nett?"
"Heute hat%27s den Spielzeugmacher erwischt", sprach sie in die leere Luft. "Und gestern warf sie dem alten Wirt Devereaux vor, nicht dick zu sein und kein rotes Gesicht zu haben. Damit sind%27s schon vier in diesem Monat."
"Komm herein, Frau Nett."
Dunkelheit und Hitze erwarteten sie im Inneren des Zelts. Ein weiteres Feuer brannte dort, unter einem weiteren Topf. Frau Gogol beugte sich darüber und rührte um. Sie deutete auf einen Blasebalg.
"Sorg dafür, daß die Kohlen heller und heißer glühen", sagte sie. "Dann werden wir sehen, wie die Lage ist."
Frau Nett kam der Aufforderung nach. Normalerweise verzichtete sie auf Magie - es sei denn, es ging darum, eine Mehlschwitze umzurühren oder Brot aufgehen zu lassen -, aber sie respektierte jene Personen, die davon Gebrauch machten. Das galt insbesondere für Frau Gogol.
Die Holzkohle glühte erst rot und dann weiß. Die dicke Flüssigkeit im Topf blubberte lauter und heftiger. Frau Gogol spähte in den aufsteigenden Dampf.
Eine zeitlang geschah nichts.
"Frau Gogol?" fragte die Köchin besorgt.
"Ich versuche zu erkennen, was passieren wird", erklärte die Voodoo-Frau. Ihre Stimme verwandelte sich in das unartikulierte Murmeln der übersinnlich Begabten.
Frau Nett starrte ins brodelnde Braun.
"Kann sich jemand auf eine Mahlzeit freuen, die zum großen Teil aus Garnelen besteht?" fragte sie.
"Hast du das Stück Eibisch gesehen?" erwiderte Frau Gogol. "Und hast du beobachtet, wie dort die Krabbenbeine an die Oberfläche gestiegen sind?"
"Mit Krabbenfleisch knauserst du nie", kommentierte Frau Nett.
"Siehst du, daß sich bei den Okuh-Blättern besonders große Blasen bilden? Siehst du die kleinen Strudel bei der purpurnen Zwiebel?"
"Ich seh%27s, ich seh%27s!" bestätigte Frau Nett.
"Und weißt du auch, was es bedeutet?"
"Es bedeutet, daß es wundervoll schmecken wird."
"Ja", sagte Faru Gogol sanft. "Außerdem bedeutet es, daß Leute kommen."
"Donnerwetter! Wie viele?"
Frau Gogol tauchte einen Löffel in die wogende Masse und kostete.
"Drei", sagte sie und schmatzte nachdenklich. "Frauen."
Der Löffel schöpfte erneut.
"Du kannst es selbst probieren, wenn du möchtest", fuhr die Voodoo-Frau fort. "Auch eine Katze ist dabei." Sie schmatzte erneut. "Graues Fell. Und nur ein Auge." Mit der Zunge bohrte sie in einem hohlen Zahn. "Das ... linke."
Frau Nett war sprachlos.
"Sie wenden sich zuerst an dich", sagte Frau Gogol. "Führ sie zu mir."
Frau Nett starrte die zufrieden lächelnde Frau Gogol an und blickte dann in den Topf.
"Sie kommen den ganzen weiten Weg hierher, um davon zu kosten?" fragte sie.
"Ja." Frau Gogol lehnte sich zurück. "Hast du das Mädchen im weißen Haus besucht?"
Frau Nett nickte. "Die junge Asche, ja. Ich besuche sie, wenn sich Gelegenheit dazu ergibt. Wenn die Schwestern nicht im Palast sind. Sie fürchtet sich vor ihnen."
Sie sah einmal mehr in den Topf.
"Kannst du darin wirklich erkennen, was ..."
Frau Gogol unterbrach sie. "Ich schätze, du mußt Dinge marinieren, nicht wahr?"
"Äh, ja. Ja." Frau Nett wandte sich widerstrebend dem Ausgang zu. Doch auf halbem Weg blieb sie noch einmal stehen - wenn sie irgendwo verharrte, wirkte sie wie ein Bollwerk, das niemand einfach bei Seite schieben konnte.
"Jene Lilith..." Ihre Stimme bekam einen vorwurfsvollen Klang. "Sie behauptet, die ganze Welt in Spiegeln zu sehen."
Frau Gogol schüttelte den Kopf.
"In Spiegeln sieht man nur das eigene Spiegelbild", erwiderte sie. "Guter Gumbo hingegen enthält alles."
Frau Nett nickte. Es war allgemein bekannt, daß in gutem Gumbo nichts fehlte - niemand konnte das bestreiten.
Frau Gogol schüttelte erneut den Kopf, als sie wieder allein im Zelt war. Heutzutage mußte eine Voodoo-Frau alle nur erdenklichen Tricks benutzen, um weise und wissend zu erscheinen. Tief in ihr regte sich vage Verlegenheit darüber, daß sie eine gute, ehrliche Frau glauben ließ, die Zukunft in einem Topf Gumbo sehen zu können. Das war natürlich Unsinn. In einem Topf Gumbo konnte man nur erkennen, daß die Zukunft eine leckere Mahlzeit bereithielt.
In Wirklichkeit hatte sie die kommenden Ereignisse in einem Napf mit Jambalaya gesehen.




*gruß* Abalone
Also bei mir waren es u.A. :

Ursula Wölfel "Feuerschuh und Windsandale"

Michael Ende "Momo"

Christiane F. "Wir Kinder vom Banhof-Zoo"

Charles Beaudlaire "Die künstlichen Paradiese"

Johannes von Butlar "Gottes Würfel"

Johannes von Butlar " Zeitriss "

Patrick Süsskind "Das Parfüm"

und ob mans glaubt oder nicht

Klaus Kinski "Ich bin so wild nach Deinem Erdbeermud"


Gruss
Nucleus