Ich habe dich erschaffen. Ich bin dein Schöpfer. Nicht dein Herr, dein Gott, aber dein Schöpfer. Weil ich dich brauchte, habe ich dich erschaffen. Du warst ein Gebilde meiner geplagten Phantasie. Ich habe dich so geschaffen, wie ich dich brauchte; habe dir die Eigenschaften gegeben, die ich an einem Wesen, das ich lieben könnte, haben wollte. Ich habe dir die Augen gegeben, in die ich sehen wollte; habe dir den Mund gegeben, den ich küssen wollte; habe dir den Humor gegeben, über den ich lachen konnte; habe dir die Jugend gegeben, die ich dich verschwenden lassen wollte; habe dich Dinge sagen lassen, die ich hören wollte; habe dich denken lassen, was ich dachte; habe dich fühlen lassen, was ich fühlte. Du warst da, wenn ich mit dir reden wollte; du warst da, wenn ich dich brauchte weil ich wollte, dass du da warst. Weil ich es wollte; weil ich meiner Phantasie freien Lauf gelassen habe; weil ich glücklich sein wollte durch dich, mit dir.
Und ich mußte erfahren, was es heißt, Schöpfer zu sein. Meine Phantasie ist die eines kranken Menschens; meine Phantasie kann ich nicht steuern. Ich hätte gewarnt sein müssen. Wenn ich durch meine Phantasie eine eigene Realität schaffe, dann verliere ich die Kontrolle über sie nein, schlimmer noch, ich habe niemals die Kontrolle, zu keinem Zeitpunkt kann ich Herr der selbst erschaffenen Lage sein.
Meine kranken Gedanken haben mich immer tiefer in diese neue Realität eintauchen lassen; sie erschien mir so schön; schön, weil du in dieser neuen Realität warst. Ich habe es ausgekostet; habe mich selber warten lassen; wollte sicher sein, dass ich nicht auf mich selber hereingefallen bin und bin es doch. Und es mußte so sein, mußte von vornherein so sein. Und auch das lange, quälende Ende, das sich trotz des langsamen Durchbruchs in einem Inferno meiner Seele entlud, mußte so sein weil meine Phantasie es so wollte. Weil ich kein Mensch bin, der glücklich sein kann. Selbst dann, wenn ich mir selber etwas Schönes erschaffe, muß es für mich unerreichbar bleiben.
Und dann kam der Zeitpunkt, an dem mir meine Phantasie mit barbarischer Brutalität gezeigt hat, wie meine neue Realität wirklich aussah, wie alle Realitäten aussehen werde, die mir selber schaffe. Sie entließ mich wieder in die Wirklichkeit, in die wirkliche Realität, die noch genauso stumpf und hoffnungslos war wie zu der Zeit, in der ich sie verlassen habe. Und so entließ auch ich dich, mit dem Einreißen meiner eigenen Realität, in eine andere. In eine andere Phantasiewelt, in eine andere eigene Realität, in die eines anderen, der dich genauso braucht wie ich dich brauche, aber dessen Phantasie die eines Menschen ist, der für das Glück geschaffen wurde. Und ich hoffe, dass du in dieser Realität auch das Glück erfahren wirst, das dir die meinige niemals bieten konnte.
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