ChatKult FORUM · Next 1.0.7
Forenübersicht » [ Dreamworld ] » {splitter}

{splitter}

Falter kreisen
in stirnhelligen Nächten
um Gräser
so spitz
wie Glas
Messer
Morgenküsse will
ich schenken
Dir
eilig
Alles zerbricht.
Dich habe ich eingepflanzt,
verputzt
Wo Platz ist
um seine Notdurft zu
verrichten

Die Asche trage ich verzweigt
in den Herzkammern
glühe
rosig
dabei

Den Namen, verdammten
ritze ich
in „den“ Baum
Weil Worte sind wie
Schall
Rauch

Du bittest um einen Notgroschen
Doch bist keine müde Mark wert

Wie lieblich Asyl doch schmeckt.
ertrunken II

Im Venedigplast
nachtwandelt der Prinz
um ein Zauberwort
schenkt Dir Rosen aus Lehm
Dort werden sich zwei Worte treffen
-bald
Ich und Du
Der Taumorgen ist trunken schon
von Goldflaum
wächst tausendtief
in die Wolken hinein
Morgen ist heute gestern
Immerfort muß ich daran denken
Deine Augen sind meeresblau
und ich kann nicht schwimmen.
[Ich ertrinke nicht.]
Die Suchende
Nelly Sachs

I

Von der gewitternden Tanzkapelle
wo die Noten aus ihren schwarzen Nestern fliegen
sich umbringen -
geht die Leidbesessene
auf dem magischen Dreieck des Suchens
wo Feuer auseinandergepflückt wird
und Wasser zum Ertrinken gereicht -
Liebende sterben einander zu
durchädern die Luft -

In der Sonnenfinsternis
das Grün ist zu Asche verdammt
die Vögel ersticken in Angst
denn das Ungewisse ist im Annahen -
hinterrücks aus Nacht geschnitten
schleift der Lichttod
des Suchens Geschichte in den Sand -

Seefahrend zum Zenit
wo die weiße Lachmöwe sitzt und wartet
kältet sie schon ihren zerfallenden Staub

Sternbild des Geliebten
vom Henker ausgeblasen
der Löwe vom Himmel gefallen -

Sie sucht sie sucht
brennt die Luft mit Schmerz an
die Wände der Wüste wissen von Liebe
die jung in den Abend steigt
diese Vorfeier auf den Tod -

Sie sucht den Geliebten
findet ihn nicht
muß die Welt neu herstellen
ruft den Engel
eine Rippe aus ihrem Körper zu schneiden
bläst sie mit göttlichem Atem an
weißes Palmenblatt im Schlaf
und die Adern träumend gezogen
Die Suchende in ihrer Armut
nimmt zum Abschied die Krume Erde in den Mund
aufersteht weiter -

II

Du bist der Weissager der Sterne
ihre Geheimnisse fahren aus deiner Unsichtbarkeit
siebenfarbiges Licht aus verschleierter Sonne
Schon ist Tag und Nacht verloren
Neues naht mit Fahnen der Wahrheit
Vulkanische Beichten unter meinen Füßen -

III

Ausgestreut bist du
Same der nirgends häuslich wird
wie kann man Windrichtungen absuchen
oder Farben und Blut
und Nacht die religiöse Angst
Ahnung - der Faden im Labyrinth führt dich -

IV

Es ist eine Ungeduld - Waldbrand knistert in den Adern
ruft: wo bist du - mit dem Echo vielleicht im Himmel
und andere sitzen still an einem Tisch
trinken Milch
draußen der Flieder ist im traurigen Abblühn
der kleine Bruder reitet auf der Ziege -
nur ihr Schmerz sagt ihr daß er tot ist
aber vielleicht hat die Sage ihn unter das Sternbild
des südlichen Kreuzes gestellt
dort wo die Eisprinzessin aus ihrem gefrorenen Grab steigt
ihr Schmuck klappert
er wärmt sie
das Eis fällt ab die strahlenden Jahrtausende
keine Zeit da sie einzusammeln
die Zeit geht in Flammen auf im Scheiterhaufen
brennt ab wenn die Vögel die Nacht aufritzen -

V

Sie sprachen einmal durch die Ferne zueinander
zwei Gefangene
der Henker trug die Stimmen aufgezogen
den Sehnsuchtsweg des Wahnsinns hin und her
Hatte Tod je schönere Geschenke auszutragen -

VI

Wo sie steht
ist das Ende der Welt
das Unbekannte zieht ein wo eine Wunde ist
aber Träume und Visionen
Wahnsinn und Schrift der Blitze
diese Flüchtlinge von anderswo her
warten bis Sterben ist geboren
dann reden sie -

VII

Was für eine Himmelsrichtung hast du eingenommen
gen Norden ist der Grabstein grün
wächst da die Zukunft
dein Leib ist eine Bitte im Weltall : komm
die Quelle sucht ihr feuchtes Vaterland
Gebogen ohne Richtung ist das Opfer -

ps.:uff wow uff!O_____o
http://www.kopfgeburten.com/blog/work/grafik/liebe02.jpg