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Schöne Frau

(weiss)Schöne Frau
Du bist eine schöne Frau. Das weißt du auch. Du stehst vor dem großen Spiegel im Bad und schminkst dich, wie immer, wenn du Besuch erwartest. Das make-up trägst du zu dick auf, wie so oft. Du willst damit eine Häßlichkeit verbergen, die gar nicht von außen sichtbar ist.

Wo immer du auch erscheinst, empfängst du mehr oder minder verschleierte Blicke der männlichen Begierde. Du gestehst dir nicht ein, wieviel Selbstverliebtheit und Lebensbejahung aus diesem Samen sprießt, wie gierig und unersättlich dein Ich nach dieser Droge verlangt. Wie oft habe ich mir gewünscht, daß eine riesige Narbe dein Gesicht entstellen, Fettsucht deinen Körper verunstalten würde, damit du erleben könntest, wie grausam der Entzug ist, wie einsam ein Leben sein kann.

Heute abend die Verabredung mit dir. Ich habe den ganzen Tag an nichts anderes gedacht. Nur deshalb komme ich absichtlich etwas zu spät. Du begrüßt mich herzlich. Ich bleibe kühl, um nicht zu zeigen, daß deine Schönheit mich entwaffnet, noch immer, nach all den Jahren. Du weißt das, uns trotzdem spielst du mit mir:
"Du scheinst nicht sehr erfreut zu sein, mich zu sehen."
Ich schweige.

Aber schon gackerst du los, mußt mir erzählen, was dir heute alles passiert ist und gestern und vorgestern... Ich lächle dich an und frage mich, wieviele Ohren du mit deinem nichtssagenden Geschwätz schon gequält hast.
"Du hörst mir überhaupt nicht zu!" sagst du mit gespielt vorwurfsvollem Ton. Im Grunde willst du ja, daß ich dir nicht zuhöre, dein Gerede mit kritischen Augen betrachte. Im tiefsten Inneren sehnst du dich danach, von mir mißachtet zu werden, so wie du dich selbst im tiefsten Inneren mißachtest.
Doch du lebst gern in diesem merkwürdigen Universum, in dieser Welt von Menschen, die den Blick ausnahmslos nach außen richten, um dort, fern vom eigenen Ich, ihr besinnungsloses Glück zu suchen. Es ist eine Welt, deine Welt, die zwischen uns steht, uns ewig trennt.

Und plötzlich sehnst du dich wieder danach, vergöttert werden. Und jetzt machst du den Sekt auf, und der Schaum spritzt natürlich genau auf deine nackten Beine. Du lachst auf, spielst ein wenig die Schamhafte, im Grunde nur glücklich, daß dein schöner Körper jetzt zum Tragen kommt. Ich schaue zu, wie du das Naß auf deinem Oberschenkel verreibst, und du blickst zu mir auf und lächelst mich an, und ich lächle zurück, und schon ist die Verachtung vergessen, schon ist alle Kritikfähigkeit entschwunden, schon bin ich wieder dein Sklave.
Und du siehst die Gier in meinen Augen, und die Wollust, und die Maßlosigkeit, und die Unterwürfigkeit, und schon verachtest du mich, so wie du alle Männer im tiefsten Inneren verachtest. Lächelnd beugst du dich vor, füllst die Gläser und beobachtest, wie mein Blick der Anziehungskraft deiner schönen Brüste erliegt.
Und dann stoßen wir an.
"Auf deine Schönheit!", sage ich, und ich trinke auf den ewigen sinnlosen Kampf der Geschlechter.

Während ich trinke blicke ich in dein schönes Gesicht, und als das leise Beben deiner sinnlich vollen Lippen mich zu entwaffnen droht, stelle ich mir vor, du hättest eine simple Magendarmverstimmung. Ich sehe dich vor meinem inneren Auge auf dem Klo sitzen, über einer stinkenden Kotpfütze, mit hellbraunen Spritzern auf deinem nackten Hintern. Du preßt und preßt, und dein ungeschminktes, schmerzverzerrtes Gesicht wirkt seltsam entstellt. Jetzt springst du plötzlich auf und beugst dich vor und erbrichst in die zugeschissene Kloschüssel, und als du wieder auftauchst, blicke ich in das verrunzelte Gesicht einer hilflosen Greisin.

Ich stelle mein Glas ab. Blicke dir in die Augen. Tief in die Augen. Auf den Grund deiner Seele. Dort, in einer dunklen Ecke, sitzt ein kleines Mädchen. Schluchzend verbirgt es sein zerkratztes Gesicht unter zitternden Händen. Blutige Fingernägel bohren sich in gehaßtes Fleisch. Ich fühle deine Verirrung. Deine Hilflosigkeit. Deine Einsamkeit. Deinen Schmerz. Möchte helfen und kann nicht. Kann nicht helfen. Kann dir den Schmerz nicht nehmen. Ein Gefühl grenzenlosen Mitleids übermannt mich. Ein Gefühl tiefer Liebe. Es tut so weh. So gut.

Du kannst meinen Blick nicht fassen.
"Was ist mit dir?", fragst du leise.
Ich kann jetzt nicht reden, streichle zärtlich dein Gesicht.
Du siehst mich verständnislos an. Aber die Wärme tut dir gut, das spüre ich. Als du wieder etwas sagen willst, lege ich meine Hand auf deinen Mund. Wische den Lippenstift von deinen Lippen. Entferne die Schminke von deinen Wangen. Reinige deine Lider von den Farben der Lüge. Befreie deine Wimpern vom schwarzen Dreck der Entwürdigung.
Du hältst still. Begreifst. Streichst leise Tränen aus deinem Gesicht. Wir blicken uns in die Augen. Tief in die Augen. Schweigend. Lange Zeit. Es ist das erste Mal, daß wir uns begegnen.

;-( *tränchen wegwischs* finde die Geschichte voll schööön* buaaahaaaaahaaaaa ;-(

:-herz biensche
<FONT SIZE=1><BR><I>Beitrag wurde von BlackCrow am 21.07.2003 um 12:21 Uhr aus dem Forum [ Offtopic ] verschoben.</I></FONT>
jaaaa sehr schön :-).. das trifft es so ziemlich würde ich sagen.