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© Abalone, 21. November 2003
Die Geschichte des Marsyas
Athene machte einst aus einem Doppelknochen eine Flöte. Der Klang dieses Instrumentes war von göttlicher Schönheit - dennoch wurde Athene von ihren Geschwistern ausgelacht, als sie ihnen darauf vorspielte. Darüber verwundert setzte sie sich an einen See und betrachtete sich selbst im Spiegelbild - und sie sah, dass das Flötenspiel ihr Gesicht entstellte. Also warf sie das Instrument wütend fort und bedachte es mit einem Fluch: wer immer auf dieser Flöte spielte, sollte ein Unglück erfahren.
Nun kam es, dass Marsyas, ein Satyr (ein menschlich-tierischer Wald- und Berggeist), eben diese Flöte fand und als er sie ausprobierte, entlockte er ihr die wunderschönsten Melodien. Die Bauern, denen er vorspielte, waren begeistert und einer sagte: "So schön wie du spielt nur noch Apoll!" Marsyas war geschmeichelt und prahlte fürderhin gern mit diesem Kompliment - was Apoll nicht verborgen blieb. Dieser erschien mit seiner Lyra (ein Zupfinstrument) und forderte Marsyas zu einem Wettstreit heraus, dessen Bedingungen von Apoll festgelegt wurden: über den Sieg entscheiden sollten die Musen, und der Sieger dürfe mit dem Verlierer tun, was ihm beliebe.
Nun begannen also die beiden auf ihren Instrumenten zu spielen, doch die Musen konnten sich nicht entscheiden, wer die schönere Musik ertönen liess. Da sprach Apoll, Marsyas solle ihm mit seiner Flöte gleichtun - der Gott drehte seine Lyra herum, begann zu spielen und fing noch dazu an zu singen. Da geriet Marsyas natürlich in Bedrängnis - einer umgekehrten Flöte entlockt man keine Töne mehr, und singen kann man auch nicht zugleich. Also ging Apoll als Sieger hervor und durfte nun mit Marsyas verfahren, wie es ihm beliebte. Er knüpfte den Satyr an einer Fichte auf und schabte ihm mit seiner Flöte die Haut vom Leib. Die Musen standen dabei und empfanden das Geschrei des Marsyas auch als eine Art Musik ...
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