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Lügen haben (meistens) lange Beine

Ein Schweizer Lügenforscher brachte ans Licht, was manch einer hinter vorgehaltener Hand schon immer wusste und weitertuschelte. Nun ist es bewiesen: Frauen lügen häufiger und einfallsreicher, wohingegen Männer meist aufgrund ihres mehr oder weniger vorhandenen Selbstbewusstseins die Unwahrheit erzählen. Die Motive beim Lügen unterscheiden sich allerdings enorm. Wie lügen Frauen und wie lügen Männer? Dieser Frage sind wir auf den Grund gegangen:

Von der berühmt-berüchtigten Orgasmuslüge mal abgesehen (und der Tatsache, dass wohl kaum ein Mann wirklich die Wahrheit darüber wissen möchte), sollen Frauen angeblich häufig aus edlen Beweggründen lügen (Mutter Theresa lässt aus dem Jenseits grüssen). Kramen wir einmal die Psycho-Lupe aus dem Brustbeutel und analysieren das Ganze etwas genauer. Wenn die beste Freundin in wurstpellenmässigem Mini-Outfit hilfesuchend fragt: "Steht mir der Mini? Kann ich so zur Party gehen, Carola?" wird Carola wohl kaum das aussprechen, was sie denkt ("Oh Gott, sie sieht aus wie ein Hängebauchschwein"). Sie wird antworten: "Sicher Babsi. Du siehst toll aus!" (Klingt unfair, hat aber Motiv!) Warum sagt sie ihrer Freundin nicht die Wahrheit ("Zieh dir was anderes an, sonst verliebt sich noch ein Metzger in dich")?

Können solche Beine lügen?

Aber Hallo!
Weil ihr seit Wochen Babsis Endlosdiskussionen über ihre Gewichtsprobleme gehörig die Nerven zeraspelt haben und sie ihrer Freundin - oder sich selbst - nicht die Partystimmung versauen will. Solch eine Lüge fällt also folglich in die Kategorie Rücksichtsslüge. Was geht in Anna vor, die ihren konservativen Eltern (beide Akademiker, Villa am Stadtrand, Antiquitäteneinrichtung) auf die Frage, wer ihr neuer Freund sei, antwortet: "Er ist Lebensmitteldesigner (Er stapelt Konservendosen im Supermarktlager). Er stammt aus gutem Hause (Vater sitzt seit 8 Jahren Haftstrafe wegen Raubüberfall ab, Mutter nennt sich Pussy Rosi und hat einen festen Kundenstamm, Schwester und Schwager sind in der russischen Mafia). Er war an der Heidelberger Universität (Hausmeistertätigkeiten, Kehrdienst, Müllbeseitigung).

Er besitzt Aktienfonds (1 Beate-Uhse-Stammkunden-Geschenkaktie, die der letzten Lieferung beilag). Er behandelt mich königlich (Choleriker, Schmarotzer, Blauer-Lidschatten-Chirurg). Anna will als Tochter ihrer strengen Eltern die Familienfassade nicht zum Bröckeln bringen (und nicht enterbt werden; ihr Freund fragt auch schon ständig nach der Höhe der potentiellen Erbschaft). Solche Lügen gehören also in die Kategorie Verschönerungslüge. Weshalb erzählt Katharina ihrer alten Schulkameradin, die sie seit 20 Jahren nicht mehr gesehen hat, folgendes: "Ich bin jetzt seit 18 Jahren glücklich verheiratet (nach monatelanger Eheberatung versucht ihr Herbert endlich seine derzeitigen drei Affären zu beenden). Wir haben zwei entzückende Kinder und sind wirklich stolz auf sie (18-jähriger Sohn besitzt ein dickeres Telefonbuch als "Das Örtliche", weil er Ecstasy-Pillen an den Mann bringt und 14-jährige Tochter ist derzeit im 7. Monat schwanger). Und ich bin sehr erfolgreich in meinem Beruf als Managerin (Hausfrau, Koordinierung des Koch- und Buntwäscheprogramms, Seminare über Aufräumarbeiten im Haushalt, Projektorganisation von drei regelmässigen Mahlzeiten am Tag und Dozentin für Medienkommunikation - Vera am Mittag, Bärbel Schäfer, Hans Meiser, Birte Karalus -).

Dererlei Lügen fasst man insgesamt als Verdrängunglüge zusammen. Kommen wir nun zu der vorert letzten Frauenlüge: Aus welchem Grund stöhnt und schreit Gabi im ehelichen Bette die halbe Wohnung zusammen, obwohl ihr Thomas ohne Vorspiel bereits nach 3,5 Sekunden ins Ziel gelaufen ist? Weil sie der anschliessenden Antwort auf die Frage "Bist du gekommen" festes Fundament bieten will? ("Du warst soooo gut, wirklich geil....jaaaaha...). Aus Angst, er sucht sich eine andere? ("Die neue Nachbarin sieht echt scharf aus").Wegen der Ansicht, ein Mann sei suizidgefährdet, wenn er die wahre Antwort hören würde ("...es war scheisse, Liebling")? Aus Selbstachtung ("Ich und frigide? Nieeeeemals").
Männerlügen sind zwar nicht so einfallsreich aber dennoch erwähnenswert. Greifen wir uns mal Carsten heraus, der gerade dabei ist, bei seiner neuen gutaussehenden Kollegin Claudia ein Selbstprofil zu erstellen: "Also ich bin ja ein begeisterter Sportler, wie man vielleicht auch sieht (Durschnittlicher Fernsehkonsum am Abend: 6 Stunden, durchschnittlicher paralleler Bierverbrauch bei "Ran": 4 Flaschen Pils, letzte Beitrags-Mahnung des Fitness-Centers am 2. Mai 1978). Ausserdem bin ich glücklich geschieden (Ehefrau Cordula daheim weiss vom Scheidungsantrag noch gar nichts, weil sie derzeit das Abendessen zum 10. Hochzeitstag vorbereitet und Mühe hat, die drei Kleinkinder ins Bett zu bringen). Ich habe ein Ferienhaus in der Toscana (Guiseppe sein alter Klassenkamerad hat ihm bei der Abifeier 1975 einen dreitägigen Wochendurlaub bei dessen Verwandten angeboten).

Claudia, sie sind wirklich eine einzigartige Frau (irgendwie erinnert sie mich an meine Ex Birgit oder war%27s Sabine, Daniela?). Sie haben sehr schöne Augen (zieht immer), eine tolle Figur (gleich hab ich sie) und sie wirken so intelligent auf mich (dumm fickt gut) und so sportlich (hoffentlich will die keine öde Missionarsstellung). Haben sie mal Lust, mit mir eine Tasse Kaffee trinken zu gehen? (mit mir zu schlafen?). Solche Unwahrheiten stapeln sich zuhauf in der Schublade Selbstdarstellungslüge aufgrund mangelnden Selbstwertgefühls. Dann gibt es da noch diverse andere phantasievolle zurechtgeschusterte Short-Stories, wie beispielsweise "Schatz, ich muss heute Überstunden machen" (wart nicht mit dem Essen auf mich, Vera braucht immer ein langes Vorspiel) Angst-vor-Unterhaltlüge.

Äusserungen, wie "als ich 14 war, hat mich meine Französischlehrerin verführt ("wenn du mir noch einmal in meinen Allerwertesten kneifst Hermann, zitiere ich dich zum Direktor und du fliegst von der Schule") sind Playboy-Lügen. Versionen, wie "ich hab 10 Leute auf einmal zusammengeschlagen" (wenn schon zwei auf mich zukommen, bin ich der Erste, der abhaut) nennt man Action-Lügen. Brüller, wie "... ich sprang ihr hinterher in den Fluss, kämpfte mich durch die reissenden Fluten, bin fast selbst dabei draufgegangen, hab dann 10 Minuten lang nach ihr getaucht, sie ans Land gezogen und wiederbelebt (Sie rutschte aus fiel in die Pfütze, ich wollte erst vorbeigehen, bin aber dann doch stehengeblieben, weil oben aus dem Fenter %27ne alte Oma zusah, reichte ihr meine Hand und half ihr wieder auf. Die aufgeplatzte Einkaufstüte hat sie selbst aufgesammelt) zählen zu den Helden-Lügen. Zuguterletzt noch die bekannteste und wohl am häufigsten angewendete Verwechslung von Tatsachen ist die Notlüge: "Aber ich bin doch Schrittgeschwindigkeit gefahren, Herr Polizeibeamter" (170 km/h in der verkehrsberuhigten Zone am Kindergarten).

Der Trend vom Lügen ist auch an der High-Tech-Industrie nicht vorbeigegangen; soll doch nun bald neben den neuen Handys mit Internetfunktion das welterste Handy mit Lügendetektorchip auf der CeBIT vorgestellt werden. Bei Lügengeschichten soll es angeblich zu vibrieren beginnen, weil es die nervösen Intervall-Schwingungen in der Stimme des Anrufers entschlüsseln kann. Sie glauben mir nicht? Schade!

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