Die Froschkönigin
Es war einmal ein Frosch, der lebte tief unten in einem Brunnen. Er war ein ziemlich einsamer Frosch, denn er war der einzige Frosch, der in diesem Brunnen lebte. Aber er war ein König - und der Brunnen war sein Königreich.
Eines Tages wurde der Frosch von einem lauten Platschen aus seinem Mittagsschlaf geweckt. Eine riesige goldene Kugel war auf den Grund seines Brunnens gefallen.
Der Frosch wunderte sich sehr, wo diese Kugel wohl herkam. Er war auch nicht besonders erfreut darüber, dass sie da nun mitten in seiner Wohnung lag.
Der Frosch schaute nach oben, und dort sah er am Brunnenrand das große Gesicht eines Menschenmädchens. Das Mädchen hatte eine Krone auf, es musste also wohl ein Prinzessin sein. Der Froschkönig schwamm hinauf zur Wasseroberfläche.
"Hallo, du!" sagte die Prinzessin. Der Frosch fand sie sehr hässlich, denn Menschen sind für Frösche genauso hässlich wie Frösche für Menschen. "Hast du vielleicht meinen goldenen Ball gesehen? Ich habe mit ihm gespielt, und dann ist er mir in den Brunnen gefallen."
"Deinen Ball? Meinst du etwa das riesengroße goldene Ding, das auf dem Grund meines Brunnens liegt?" fragte der Frosch.
"Ja! Oh, ich hätte so gerne meinen Ball wieder! Könntest du ihn mir vielleicht heraufholen?"
"Das könnte ich", sagte der Frosch. "Lass doch einfach den Eimer hinunter, dann kann ich dir helfen."
Die Prinzessin tat, was der Frosch sie gebeten hatte, und der Frosch sprang schnell zur Seite, damit ihm der Eimer nicht auf den Kopf fiel.
Der Froschkönig lehnte sich gegen den Eimer, so dass er die Öffnung erreichen konnte und rollte dann mit viel Anstrengung und Mühe den goldenen Ball, der dreimal so groß war wie der Frosch, in den Eimer.
"Jetzt kannst du den Eimer wieder heraufziehen!" erklang die Stimme des Frosches aus der Tiefe des Brunnens.
Die Prinzessin freute sich sehr, dass sie ihren goldenen Ball wiederhatte.
"Vielen Dank, lieber Frosch!" sagte sie. "Ich wünschte, ich könnte zu dir hinunter in den Brunnen kommen. Ich vermisse das Leben im Wasser. Weißt du, ich bin nämlich auch ein Frosch, aber ich wurde von einer bösen Hexe verzaubert und bin nun für immer in ein hässliches Menschenmädchen verwandelt."
"Das ist ja furchtbar!" rief der Frosch.
"Ja", sagte die Prinzessin. "Die Menschen meinen zwar, ich wäre schön, aber wie kann man als Mensch bloß schön sein? Ich war damals so hübsch, als ich noch ein Frosch war, ich war so leuchtend grün und meine Haut war so zart und weich."
"Oh, ich bin mir sicher, du warst die schönste Froschfrau auf der ganzen Welt", sagte der Frosch verträumt. "Aber warte, ich habe eine Idee. Ich habe einmal gehört, dass man Zauber durch einen Kuss beenden kann."
"Wirklich?"
"Wir können es ja versuchen. Es ist zwar ein furchtbarer Gedanke, einen Menschen zu küssen, aber ich würde dich so gerne befreien."
"Komm, setze dich in den Eimer und ich ziehe dich hinauf zu mir", schlug die Prinzessin vor. Der Frosch tat das. Die Prinzessin hob ihn hoch, und der Frosch überwand seine Abscheu und küßte sie. Die Menschenprinzessin löste sich in Luft auf, und vor dem Froschkönig saß eine wunderschöne Froschdame.
Gemeinsam hüpften sie in den Brunnen und herrschten dort zusammen als König und Königin. Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch immer in ihrem Königreich, dem Brunnen, und sind glücklich über die Befreiung der Froschkönigin.
http://maerchenwald.virtualave.net/frosch.htm
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