Besoffen Autofahren
Sicher könnte ich nun auch eine Gechichte schreiben über blutende Teenager im Strassengraben, die blutröchelnde Monologe über betrunken fahrende andere Teenager halten, während wohl anscheinend die Notärzte drumherumstehen: "Lass sie ausreden, bevor wir mit der ersten Hilfe beginnen und schreibe jedes Wort mit. Das können wir dann ihrer Mutter geben oder im Internet veröffentlichen." - "Ohja, gute Idee."
Allein, ich habe mich dagegen entschieden. Weil es von diesen schmalzlockigen Geschichten, deren Fett mir aus dem Monitor entgegentrieft, schon genug gibt.
Ich schreibe lieber darüber, warum ich besoffenes Autofahren ablehne.
Natürlich zum Einen, weil Alkohol sowieso dämlich macht. Ich erinnere mich gerne an Bernd, der seinen Führerschein mit einer kräftigen Maibowle feierte und auf der Heimfahrt angehalten wurde. Sein Führerschein war nicht unterschrieben und der Polizist reichte Bernd Führerschein und Kugelschreiber - und Bernd, in Verkennung der Situation und bowlenbenebelt, versuchte, den Kuli aufzublasen... Da wars dann nix mehr mit Führerschein und Weiber aufreissen.
Zum Anderen aber auch wegen der Polster.
Es gibt wohl nichts widerlicheres, als den nüchternen Heimfahrer für einen Packen besoffener Halbhirnis zu machen, die im Fond des Wagens vor sich hingröhlen und sich gegenseitig verbal der Größe Ihrer Penisse versichern, während die einzige Tusse im Auto gickelt wie ein Huhn auf Acid. Dazu das Autoradio auf völler Möhre und die "Toten Hosen" im Ohr. Und das geht so lange gut, bis einer der Neandertaler käsig anläuft und röchelt "mir ist schlecht". Na toll.
Meistens sitzt der mit dem schwächsten Magen in der Mitte und fängt an, die Augen zu verdrehen. Panikschreie vom Fond "halt an, halt an, der muß kotzen". Klar kann ich ja auch locker auf der Autobahn oder auf dem Bergpfad ganz easy anhalten, ich muß da durch, also müsst ihrs auch. Interessant sind nun die Dialoge, wenn die Toten Hosen abgewürgt wurden. Zuerst werden Durchhalteparolen, meinetwegen vom rechten Aussensitzer, geflüstert: "Gehts noch? Halt durch, gleich kommt eine Raststätte. Soll ich das Fenster aufmachen? Komm, schlucks runter... MENSCH, MACH DOCH MAL DIE SCHEISS HEIZUNG AUS!"
Na klar, Panik im Fonds. Jeder erfahrene automobile Kampftrinker weiß, daß der Mann der Mitte bei der ersten falschen Magenbewegung eine Kettenreaktion auslösen wird. Der linke Außenspieler kommt mit Pragmatismus: "Scheisse, der hat zuviel gesoffen, das packen wir nicht, hast Du eine Tüte oder so, können wird die Plätze wechseln, WEHE, DU KOTZT AUF DIE POLSTER".
Die Tusse auf dem Beifahrersitz schweigt entsetzt und wimmert ein bischen.
Der Mittelsmann sagt: "börks".
Und dann passiert´s. Frei wie ein Lavafluss bahnen sich mehrere Bacardi-Cola, Lemon-Wodka und Gin-Tonics gemeinsam mit den paar Warsteinern den Weg durch die Speiseröhre nach oben, drängen geräuschvoll ins Freie und ergiessen sich über den Erbrecher, die Mitfahrer und natürlich DIE POLSTER. Im Wagen stinkts wie in einer Leichenhalle, in der Schnaps gebraut wird. Und nun sind alle gemeinsam fällig.
Es ist die Hölle. Jeder ruft Jürgen an, würgt und kübelt, was das Zeug hält und der ja eigentlich nüchterne Fahrer steigt in die Eisen, wirft die Warnblinkanlage an, hält irgendwie irgendwo, stürzt aus dem Auto, bereichert ebenfalls die Landschaft um zwei Kaffee und drei Cola, ruft sich per Handy ein Taxi und schickt anderntags die Reinigungsrechnung an die fröhlichen Zecher. Denn wer je die getrocknete Alkoholkruste von Velour blättern durfte, weiß, daß es schlimmere Dinge als die Todesstrafe gibt!
Nene, ich finde Alkohol scheisse. Erst recht im Auto und in den Mägen und Köpfen anderer. Dont Drink and drive - Deine Polster werden es Dir danken.
Habs in nem andren Forum gefunden