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Hör doch einfach auf

(von Chris Danegger)

Eine Zeit lang hatte ich die Zeichen einfach ignoriert. Erst als mein absichtsloser Blick eines Tages ungünstig die schwarz umrandete Denkschrift auf meiner Zigarettenpackung streifte, wandelte sich das mulmige Gefühl im Bauch zu unumstößlicher Gewissheit. Es stimmte also: Rauchen kann tödlich sein.

Ich hörte sofort damit auf. Ja, der Schock über die frisch gewonnene Erkenntnis saß bei mir dermaßen tief, dass ich noch Tage später aus heiterem Himmel an fette schwarze Warntafeln denken musste. Zuerst hatte ich dem keine weitere Beachtung geschenkt. Wird schon wieder weggehen, dachte ich.

Dass es nicht wieder wegging, musste ich mir spätestens im Supermarkt eingestehen, wo ich eine Trauben-Nuss-Tafel angewidert ins Regal zurückpfefferte, nachdem ich zu lesen geglaubt hatte, dass Schokolade dick machen kann.

Aber damit war es nicht getan. Denn als ich weiterschlenderte, merkte ich plötzlich, dass vor meinem inneren Auge schwarz umflorte Untertitel tanzten, sobald ich auch nur nach einer Ware die Hand ausstreckte: "Kunststoff kann Weichmacher enthalten. Tomaten könnten aus Holland sein. Alkohol begünstigt die Schwangerschaft Ihres Kindes bereits in der Pubertät."

Ich erschauderte in der Flut der Botschaften, die sich mir wie lang verborgene Kryptogramme offenbarten. Selbstredend blieb mein Korb an diesem Tag leer, und als ich mit verächtlichem Schnauben den Laden verließ, fühlte ich mich ein wenig wie der einsame Held in einem abgefahrenen Carpenter-Film. Die ganze Tragweite meines hellseherischen Talents wurde mir allerdings erst zu Hause klar, nachdem ich, von Hunger getrieben, in meinem Kühlschrank auf eine Familienportion Licht gestoßen war.

"Du musst zum Arzt", schoss es mir durch den Kopf. Doch wie auf Kommando erschien vor meinem inneren Auge eine Warntafel mit der Aufschrift: "Ärzte können abhängig machen."

Mich mit Fernsehen abzulenken, hatte gar keinen Zweck, denn auf der Mattscheibe prangte schwarz der Hinweis: "Fernsehen kann zu langsamer, schmerzhafter Verblödung führen."

Vielleicht etwas lesen? Aber: "Lesen macht kurzsichtig." Irgendwann saß ich schließlich reglos auf meiner Couch und versuchte, an überhaupt nichts mehr zu denken. Das ging so weit ganz gut. Nur ab und an erschien noch eine schwarze Warntafel vor meinem inneren Auge: "Wer mit dem Aufhören anfängt, kann manchmal nicht mehr damit aufhören."
Das Leben endet - zwangsläufig - mit dem Tod. Das dürfte jedem auch ohne die schwarz umrandeten Warnungen schonmal bewusst geworden sein.

Chris bleibt allerdings eine Warnung ans Herz zu legen: Nachdenken führt zu Erkenntnissen. Dass das noch niemand irgendwo draufgedruckt hat, ist allerdings nicht verwunderlich. Machen offenbar eh nicht allzu viele. :-)