ChatKult FORUM · Next 1.0.7
Forenübersicht » [ Dreamworld ] » Ich vermisse dich...

Ich vermisse dich...

Heute Nacht sah ich einen Stern am Himmel funkeln, so wunderschön und doch so weit entfernt. Irgendwie schien er mir vertraut, obgleich ich ihn das erste Mal in meinen Träumen sah. Fast schien es mir, als würde er zu mir sprechen, mir über die Wange streicheln und mein Herz mit Freude erfüllen. Doch anstatt dessen begann ich im Schlaf leise vor mich hinzuweinen. Es war nicht der Stern, der mich mit seinem Lichte begrüßte - du warst es, der mich nun alleine auf dieser Welt gelassen hast.

So früh bist du von mir gegangen...ich kann es noch immer nicht glauben. In jedem einzelnen Moment, wenn ich an dich denke, füllen sich meine Augen mit Tränen. Verdammt, ich weiß nicht weiter. Meine Liebe zu dir ist so groß und ich konnte sie dir nicht so zeigen, wie ich es vielleicht gerne getan hätte. Weißt du, wie sehr ich dich liebe? Weißt du, wie sehr ich dich brauche? Weißt du, wie sehr ich dich gerade jetzt brauche?

Seitdem du fort bist, scheint vieles an dem, was man Mut, Hoffnung und Zuversicht nennt, verschwunden zu sein. So oft sitze ich einfach nur da und weiß nicht, wie es weitergehen soll. Ich habe versucht, die Dinge zu tun, welche du auch getan hättest, doch wurde ich dabei nur mit Hass und krankem Wahn begrüsst. Ich bin eben nicht du - vieles würdest du viel besser tun als ich es vielleicht jemals konnte. Du warst ein wundervoller Mensch und nun bist du fort.

Die Welt ist so grau, auch wenn ich es mir anderen Menschen gegenüber fast nie anmerken lasse. Ich weine nicht, wenn meine Mutter neben mir steht oder ich mit meiner Freundin spreche. Ich klage nicht, wenn mein Bruder fragt wie es mir geht oder Freunde sich Gedanken über mich machen. Ich spiele mein Schauspiel und hoffe, dass niemand merkt, wie schlimm es doch wirklich in mir aussieht. Ich möchte niemandem weh tun. Möchte nicht, dass sich jemand um mich Sorgen macht. Will nicht, dass es jemandem schlecht geht wegen mir.

Ich versuche stark zu sein um für die verbliebenen Menschen da zu sein und ihnen ein Stück von dem zu schenken, was du getan hättest. Doch weiß ich, dass ich dem nicht gerecht werden kann. Ich bin nicht du.

Ich liebe dich...und nichts mehr auf dieser Welt wünsche ich mir, als dir das noch einmal sagen zu dürfen. Dich in meine Arme zu schließen und dich niemals wieder loszulassen. Bist du bei mir? Schaust du mir vielleicht über die Schulter während ich meine Gedanken niederschreibe?

Eine einzige Hoffnung bleibt mir doch noch bis zum Schluß: Dich dann, wenn auch meine Zeit gekommen ist, so wiederzusehen, wie ich dich in Erinnerung habe - als stolzen, sympathischen und geistreichen Mann, der mir so viel im Leben gezeigt hat, und für mich der wundervollste Vater war, den ich mir hätte vorstellen können.

Gewidmet meinem Vater Cengiz Iseri
-
Alper Iseri - 25. Januar 2006

http://www.meetinx.de/mx/images/news/cengiziseri.jpg
Lieber Alper,

ich habe sehr lange überlegt, ob ich auf diesen Beitrag antworten soll, aber ich möchte Dir mitteilen, was ich denke.

Der Tod ist für viele Menschen eine schreckliche Erfahrung. Der Tod ist etwas unbeschreibliches, etwas endgültiges. Etwas, was einmal jedem von uns wieder fahren wird. Viele Menschen haben Angst. Sie haben keine Angst vor dem Tod, sondern Angst vor den sterben.

Doch dann ist die Zeit gekommen und der Mensch hat sich auf den Weg gemacht. Er hat die Erde verlassen, seine Familie, seine Freunde, einfach alle. Alle sind unglücklich und versuchen, jeder auf seine Weise, mit dem Verlust fertig zu werden. Keine leichte Aufgabe, wo es doch gerade dann so viel zu organisieren gibt.

Erst Wochen später, nach der Beerdigung, den Trauerfeiern und den Beileidsbekundigungen kommt man selber zur Ruhe. Die eigene, persönliche Trauerphase beginnt. Viele Menschen kommen in diesen Stunden dem verstorbenen Menschen sehr Nahe. Sie erinnern sich an schöne Momente, Stunden voller Glück und Hoffnung.

Und jetzt kommt ein Satz, den alle kennen und der immer wieder fällt: Das Leben geht weiter! Gerade dieser Satz ist es, der uns allen ziemlich klar vor Augen hält: Der Kreislauf des Lebens geht unaufhaltsam weiter. Jeden Tag geht die Sonne auf und ein neues Abenteuer wird kommen.

Du schreibst, das Du versuchst Stark zu sein. Die eigene Trauer nicht zu zeigen. Im Gespräch mit Familie und Freundin nicht zu weinen. Ich denke, das es den anderen nicht anders ergeht, als wie Dir. Haltet Euch einander fest und erinnert gemeinsam an Euren Vater und Ehemann.

Zur Trauer gehört auch Wut und Verzweifelung. Und immer wieder das warum... Warum gerade dieser Mensch? Warum konnte er nicht noch bei mir bleiben?

Man kann vieles falsch machen im Leben, aber nie alles Richtig. Das zeigt uns immer wieder, das wir Menschen sind. Menschen machen Fehler. Immer sind wir auf der Suche nach Antworten. Und mm Ende unserer Suche werden wir wieder da stehen, wo wir anfingen, und wir werden den Ort zum ersten Mal sehen.

Eines Tages wird der Tag wieder bunt sein, das Leben voller Hoffnung und Zuversicht. Dann kannst Du wieder voller Mut und Tatendrang ans Werk gehen. Vergiss niemals, wer Du bist. Denn Du bist Alper Iseri und niemand anders. Bleib, wie Du bist.

Alles Gute

Picasso
Es ist unmöglich, Niels, daß es mit dem Tode vorbei ist, du kannst es nicht so fühlen, du bist ja gesund; du meinst, der Tod müsse uns völlig vernichten, weil man so matt ist und weil alles hinschwindet; aber das ist nur für die Außenwelt. Hier drinnen ist ebensoviel Seele wie vorher, glaube mir es, Niels, ich habe es alles hier drinnen, was ich bekommen habe, dieselbe unendliche Welt, nur stiller, nur mehr für mich allein geradeso, als wenn man seine Augen schließt. Es ist nur wie ein Licht, das von dir fortgeht, fort von dir, ins Dunkle hinein, und es wird für dich schwächer und schwächer, und du kannst es nicht sehen, und doch leuchtet es noch ebenso hell, dort, wo es jetzt ist, weit fort von dir.

Jens Peter Jacobsen (1, 290f), Niels Lyhne

http://www.unterderulme.de/Bilder/Engel/EngelderWunder_web.jpg