Berlin (dpa) - Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat sich für Deutsch als Pflichtsprache auf Schulhöfen ausgesprochen. Mit Blick auf eine Berliner Realschule, in der nur noch Deutsch gesprochen werden darf, sagte Thierse den «Stuttgarter Nachrichten», «es ist sinnvoll, diese Maßnahme auszudehnen um zu zeigen, dass wir unser Bemühen um Integration ernster nehmen.»
In der von vielen Migrantenkindern besuchten Schule im Berliner Stadtteil Wedding war eine Hausordnung erlassen worden, wonach auf dem gesamten Schulgelände ausnahmslos Deutsch gesprochen werden soll. Der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg (TBB) sowie die Grünen und die Linkspartei in Berlin kritisierten die Verordnung.
Der Leiter des Zentrums für Türkeistudien, Faruk Sen, begrüßte hingegen Deutsch als Pflichtsprache: «Wer in Deutschland Karriere machen will, soll in der Schule ausschließlich Deutsch sprechen», sagte er den «Stuttgarter Nachrichten». Das sei keine diskriminierende Maßnahme anders als der Einbürgerungstest für Muslime, der eine «Islamphobie» schüre.
Die Türkische Gemeinde in Deutschland sprach sich gegen Deutsch als Pflichtsprache auf Schulhöfen aus. Das Verbot etwa der türkischen Muttersprache werde nicht zu besseren Deutsch-Kenntnissen bei den Schülern führen, teilte die Türkische Gemeinde in Berlin mit.
Stattdessen müssten Mutter- und Landessprache gleichrangig gefördert werden, um bei Kindern aus ausländischen Familien gute Sprachkompetenz zu erreichen.
Die Gemeinde forderte Thierse und Berlins Schulsenator Klaus Böger (beide SPD) auf, ihre Forderungen nach einer Deutschpflicht zurückzunehmen.
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