Das Gesicht Mohammeds wird einigen unter euch jetzt nicht so viel sagen. Diejenigen unter euch jedoch, welche die Medien in den letzten Wochen verfolgt haben, wissen worum es geht: Eine Serie von zwölf Karikaturen verschiedener Künstler, die den islamischen Religionsstifter Mohammed zum Thema haben und diesen in ihren Karikaturen auch teilweise darstellen.
Letztes Jahr, am 30. September 2005, wurde in einer bekannten dänischen Tageszeitung, deren Verbreitungsgrad in der Bevölkerung prozentual etwa dem der BILD in Deutschland entspricht, diese Karikaturen veröffentlicht. Seit Februar 2006 gibt es diesbezüglich weltweite Proteste aus fast allen Bereichen der islamischen Welt, die gegen diese Verunglimpfung protestieren und auch zu Gewaltakten aufrufen. Diese Gewaltakte wurden auch schon begangen und es ist noch offen, wie sich diese Geschichte entwickeln wird.
Weitere Informationen hierzu gibt es (natürlich) bei Wikipedia unter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Mohammed-Karikaturen_von_Jyllands-Posten
Auf der einen Seite geht es um das Thema der Pressefreiheit, welches in Europa fast überall einen wichtigen und fest zementierten Rechtsanspruch hat. Auf der anderen Seite geht es hier um den Respekt und die Achtung der Regeln im Sinne internationaler Beziehungen.
Meiner Ansicht nach ist Fakt, dass wir uns in Deutschland mittlerweile in einer Gesellschaft befinden, die sich nicht nur aus Deutschen zusammensetzt sondern aus Menschen, die von allen Ländern dieser Welt stammen. Wir sind eine multikulturelle Gesellschaft geworden und können, gerade in Anbetracht der Tatsache, dass Deutschland Zentrum des "Dritten Reiches" war, sehr stolz darauf sein. Die Pressefreiheit und die dazugehörige Freiheit, seine Meinung auch in Form von Karikaturen zum Ausdruck zu bringen, gehört definitiv dazu. Das Karikaturen schon immer recht zwiespältig waren und nicht immer jeden zum lachen brachten, ist keine Erfindung des 20. Jahrhunderts sondern war schon immer so. Und dennoch gibt es Bereiche, die in gewissen Gesellschaften als Tabubruch angesehen werden.
Der Islam ist eine sehr offene und sehr weit verbreitete Religion. Sicher gibt es auch in dieser Religion Dinge, die man als moderner Europäer verurteilen mag aber das ist auch im Christentum so. Nun ist es so, dass der Islam in den letzten Jahren immer wieder mit den Begriffen Terrorismus, Taliban oder Osama bin Ladin gleich gesetzt wurde. Die Angriffe westlicher Länder (USA und Verbündete) zunächst auf Afghanistan, dann auf Irak und letztendlich die Androhung von Gewalt gegen den Iran hinterlassen Spuren. Auch der weiterhin schwellende Konflikt mit Israel heizt sich immer mehr auf.
Das die momentane Weltmacht Interesse daran hat, das die Region "sauber" und von ihnen kontrolliert bleibt, mag man ihnen als "imperialistische Weltmacht" logisch gesehen verzeihen. Doch die Mittel, die hierfür eingesetzt werden, sind die falschen. Das Problem ist nämlich nicht, dass Mohammed auf Zeichnungen wiederzufinden war - dies ist auch in einigen islamischen Ländern erlaubt bzw. geduldet. Das Problem besteht darin, dass als weiterer verbrecherischer Akt nun auch noch das höchste Heiligtum der Islamischen Welt in den Schmutz gezogen wird. Nicht genug, dass die westliche Welt immer mehr Einfluß verlangt, diese sogar mit Gewalt einfordert, nein - nun wird auch das Heiligtum beschmutzt. Und meiner Ansicht nach ist genau das das Problem.
Ich habe Verständnis für die Reaktionen, auch wenn ich Gewalt natürlich für den falschen Weg halte. Aber das Problem das die westliche Welt nun vor sich sieht, ist absolut hausgemacht. Die Lage in Asien heizt sich immer weiter auf und ich hoffe, dass es nicht bald zu einer Explosion kommen wird, in dem ein Krieg des Glaubens geführt werden wird.
Es wird Zeit, dass den imperialistischen Regimen auf der Welt klar gemacht wird, dass sie nicht schalten und walten können, wie sie es für richtig halten - zumindestens nicht dort auf der Welt, wo andere Länder mit ihren eigenen Gesetzen und ihrem eigenen Willen und ihren eigenen Regeln leben. Innerhalb der letzten Jahre hat es mehrere Kriege gegeben, die von nur einem Land der Welt ausgingen - wundern wir uns nicht darüber, dass dieses Land mittlerweile einen solch schlechten Ruf hat, dass sogar ehemalige Freunde dieses Landes sich vor einigen Jahren weigerten, bei einem Krieg mitzuhelfen?
Im übrigen: Kein deutsches Presseorgan hat sich "getraut", die Karikaturen zu veröffentlichen aus der Angst heraus, es könnte auch hier zu Tumulten kommen. Da ich denke, dass nur Information und Aufklärung Probleme verhindern kann, hier der Link zu den Karikaturen:
http://www.brusselsjournal.com/node/698/
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