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Politikverdrossenheit in Deutschland

Gerade sind die Wahlen vorbei und neben vielen Gewinnern und vielen Verlierern gibt es in Wirklichkeit einen wahren Verlierer: Die Politik. Neben den Landtagswahlen wurde nämlich auch in Hessen gewählt - für mich als ein Bewohner dieses Bundeslandes natürlich sehr interessant.

Die Wahlbeteiligung lag dieses mal im Durchschnitt lediglich bei 45,6%25. Das bedeutet das weniger als jeder Zweite überhaupt gewählt hat. Noch schlimmer sieht es aus in dem Ort, in dem ich wohne - Offenbach am Main. Hier zeigt sich das ganze Ausmaß denn hier sind lediglich 31%25 der Wählerinnen und Wähler an die Wahlurnen gegangen. 31%25 - das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Von 100 Leuten sind nur 31 wählen gegangen. Nennt man das dann ein eindeutiges Votum wenn die CDU mit 36%25 dieser Stimmen gewinnt?

Ich denke nicht. Wenn man nämlich die geringe Wahlbeteiligung von 31%25 mit dem Wert den die CDU erreicht hat (36%25) zusammenrechnet, so kommt man zu einem erschreckenden Ergebnis: Die 100 Wahlberechtigten werden nun von einer Partei maßgeblich beeinflusst, die nur 11 von ihnen gewählt haben.

Die Wikipedia schreibt zum Thema "Politikverdrossenheit" unter anderem folgendes:
In den letzten Jahren ist neben der Politikverdrossenheit auch eine zunehmende Parteienverdrossenheit zu erkennen. Sie muss eng verknüpft mit der Politikverdrossenheit betrachtet werden, jedoch richten sich hier die ablehnende Haltung und die Inaktivität ausschließlich auf die Arbeit in und mit den Parteien. Rückläufige Mitgliederzahlen (siehe Tabelle), hoher Altersdurchschnitt der Mitglieder (2003 sind 45,7 Prozent der CDU-Mitglieder über 60 Jahre alt, 42,2 Prozent bei der SPD) und eine Abnahme der Stammwählerschaft – die allerdings auch mit dem Wahlverhalten (Wechselwähler) zusammenhängen – sowie vor allem geringe Wahlbeteiligung können als Belege hierfür betrachtet werden. Es besteht auch bei weitem nicht mehr das Vertrauen in die Parteien wie zu vergangener Zeit. Lobbyismus, Skandale, wie Spendenaffären oder illegale Machenschaften, die durch die Medien publiziert werden, tragen hierzu bei. Kritiker machen aber auch Massenmedien verantwortlich, die angeblich Politiker nicht selten kollektiv als schwarze Schafe darstellen. Dem gegenüber steht aber das große Engagement mancher Politiker, auch jenseits von Parteipolitik.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Politikverdrossenheit

Auch das Eisverkäufer-am-Strand-Problem wird hierbei interessant beleuchtet. Die Parteien rücken immer näher in die Mitte und werden dadurch einander immer ähnlicher. Das gilt besonders für CDU/CSU und SPD.

Wie kann man dieser erschreckenden Entwicklung Einhalt gebieten? Selber in die Politik gehen und versuchen, was zu ändern? Ich denke das ist zwar sehr rühmlich aber wird nicht zum Erfolg führen. Auch heute sind einige Politiker durchaus mit dem Herzen bei der Sache aber die massiven Überhand ihrer Kollegen, die es mit der Staatstreue dann doch nicht so ernst nehmen, bleibt bestehen.

Ich denke man muß die Menschen dazu bringen, sich mehr mit dem Thema Politik zu befassen: Wer wird gewählt, warum wird gewählt, was passiert und was nicht. Wieso gibt es Wahlen, wie laufen diese ab und was kann ich selbst tun, um Deutschland zu verbessern ohne in der Politik zu sein.

Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit dem Thema Politik und würde gerne wissen, ob ihr wählen geht und/oder euch sonstwie in der Politik engagiert oder damit befasst. Freue mich auf eure Rückmeldungen.

Viele Grüße
Alper
Ich sehe das Thema zwiegespalten!

Einerseits finde ich es natürlich traurig, dass sich die Menschen mehr und mehr aus der Politik zurückziehen. Gleichgültigkeit macht sich breit... bei dem Versuch politische Fragen zu diskutieren werden die Augen zu schnell verdreht.
Über alles zieht man her: Arbeitsmarkt und Hartz IV, Bildung, Familienpolitik, wirtschaftliche Situation usw. Aber die wenigsten kennen backgrounds oder machen sich tiefgründigere Gedanken. Das nervt einfach! Nicht umsonst wurden Kampagnen wie: "Du bist Deutschland" ins Leben gerufen.

Andererseits muss man sich auch ernsthaft fragen: Sollte jeder Ottonormalverbraucher sich aktiv ins Politikgeschehen einmischen? Wie kann das funktionieren?
Wählen zu gehen ist wichtig- und auch in Demonstrationen kann man seinen Unmut ausdrücken!
Aber um politisch was zu erreichen- Anreize und Lösungsmodelle zu schaffen, muss man sich ordentlich mit dem Thema auseinander setzen; und nicht jeder Laie sollte sich dort einmischen können. Es kommt nicht von irgendwo her, dass Harry aus der Frittenbude oder Tina aus dem Friseursalon abends in der Bar um der Ecke einen heben gehen, statt mit anderen zusammenzusitzen und politisch brisante Themen zu diskutieren.

Was ich damit sagen will: die Politik- und Parteinverdrossenheit der Menschen führe ich darauf zurück, dass sie ein gewisses Ohnmachtsgefühl wahrnehmen und denken sie könnten sowieso nichts ändern.
Das können sie aber: einfach indem sie Zeit investieren, die Tageszeitung vernünftig lesen, sich irgendwo ehrenamtlich engagieren und Themen sachlich verfolgen und sich damit in Gruppen auseinandersetzen. Dazu haben die meisten aber weder Lust noch zeitlichen Spielraum (was wieder mit anderen Dingen zusammenhängt; das Thema ist komplex).
Aber von nichts kommt nunmal nichts!Man kann nirgendwo etwas bewegen, ohne sich reinzuhängen!

Was ich mir also wünschen würde, wär eine komplette Veränderung der Gesellschaft: eine Verschiebung der Interessen z.B.
Ich möchte nicht, dass jeder meint Politik machen zu können, sondern, dass die, die das von sich behaupten sich mit Herzblut engagieren! Dieses fehlt mir als Mitglied einer Partei zunehmend!

Nicht die Quantität, sondern die Qualität zählt! (was aber natürlich nicht den gemeinen Wähler betrifft)