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Ende des Rechtsanspruches für Ich-AG und Überbrückungsgeld?

Wer sich einmal selbständig machen möchte und sich neben den vielen anderen Problemen auch mit dem Hauptthema Geld beschäftigt, kommt aktuell um die Agentur für Arbeit nicht herum. Diese bietet zur Zeit verschiedene Modell zur Finanzierung an: Einmal das Überbrückungsgeld, welches höhere Beträge für einen Zeitraum von 6 Monaten bezahlt, und einmal die ICH-AG, welche niedrigere Beträge über einen Zeitraum von 3 Jahren zur Verfügung stellt. Welche Form der Förderung für einen persönlich besser erscheint, muß man sich ausrechnen. Rechner dafür findet man im Internet unter den bekannten Schlagwörtern.

Im ersten Schritt wurde der Bezug der beiden Förderungsmaßnahmen erstellt. War es zunächst nicht nötig, einen entsprechenden Businessplan zu erstellen, ist dieser nun Voraussetzung, um die Förderungen zu erhalten. Wenn es nach der Agentur für Arbeit geht, soll dies nun weiter erschwert werden: In Zukunft soll aus dem Rechtsanspruch, d.h. ein Anspruch den man einklagen kann, nur noch eine Ermessensleistung der Agentur für Arbeit werden. Bedeutet: Ist mal wieder sparen angesagt oder hat man den falschen Arbeitsberater, welcher sich nicht für seine persönlichen Belange interessiert, bekommt man eben keine Förderung.

Das die Mitarbeiter der Agentur für Arbeit leider nicht alle gut ausgebildet sind, haben vielleicht einige von euch schon mitbekommen. Schlimmer ist es dann, wenn gerade diese Menschen entscheiden, ob man sich selbständig machen kann oder nicht. Denn den meisten Menschen fehlt eben diese finanzielle Unterstützung um einen Fuß in die freie Marktwirtschaft zu bekommen.

Im letzten Jahr wurden wohl 3,2 Milliarden Euro für Existenzgründungsförderungen, Überbrückungsgeld und ICH-AG ausgegeben. Da gebe es Fälle, die das volle Arbeitslosengeld beziehen (12 Monate übrigens) und dann am letzten Tag die ICH-AG beantragen um dann drei Jahre lang einen Zuschuss zu erhalten.

Anstatt solch eine Lücke zu schließen, und damit die Ausnahmefälle zu stoppen, wird einfach mit der Schrotflinte quer in der Gegend geschossen um auch die Schmarotzer zu erwischen. Nichts anderes als Ausnahmefälle sind diese Personenkreise nämlich.

Die Zuschüsse der Agentur für Arbeit sind sehr wichtig und bringen meiner Ansicht nach auch tatsächlich etwas. Ich selber habe Überbrückungsgeld bekommen und konnte mir dadurch meine Selbständigkeit aufbauen, in der ich nun schon seit fast 2,5 Jahren tätig bin.

Man sollte aufhören mit dem Populismus und beginnen, mit ehrlicher und wirksamer Arbeit die Lücken zu schließen, die offensichtlich existieren. Mit einem Rundumschlag ist den meisten Menschen niemals geholfen - das zeigen auch Beispiele aus ganz anderen Bereichen.

Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,410624,00.html
Ich finde die Neuregelungen prinzipiell sehr sinnvoll.

Es ist nunmal so, dass es viele schwarze Schafe gibt, welche sich in eine Scheinselbstständigkeit begeben um hohe Bezüge zu kassieren.
Und selbst wenn es sich dabei, prozentual gesehen, um die Minderheit handelt, gab es am bisherigen Modell erhebliche Defizite.

Um es mal drastisch auszudrücken: Jeder Depp mit einer halbwegs guten Idee konnte diese Förderung erhalten. Zwar eine schöne Verschleierung der Arbeitslosenquoten- für die Wirtschaft allerdings weniger sinnvoll. Qualitätsverlust und Übersättigung des Marktes war die Folge. Dumpingpreise und damit Verdrängung anderer Standbeine, welche jahrelang mit ehrlicher Arbeit aufgebaut wurden- und nun aufgrund fehlender Förderungen nicht mehr mithalten können.
Und trotz hoher Geldsummen viele Misserfolge.

Was wurde geändert?
Man muss ein ernsthaft durchdachtes Konzept vorlegen und darf sich nicht in der Langzeitarbeitslosigkeit befinden.
Das ist insofern sinnvoll, als dass man betriebswirtschaftliche Kenntnisse, (welche bei einer erfolgreichen Unternehmensführung über kurz oder lang unerlässlich sind) Flexibilität und die Ernsthaftigkeit in dem entsprechenden Vorhaben unter Beweis stellt.
Dass ein Hartz IV Empfänger die letzteren zwei Eigenschaften (mal grob pauschalisiert) nicht besitzt, hat er damit gezeigt, als dass er sich nicht nachhaltig genug um eine Arbeitsstelle bemüht hat bzw. nicht flexibel genug gewesen ist, um eventuell berufsübergreifend oder anderorts tätig zu werden.
Warum also soll man höhe Fördergelder investieren?

Ein gut strukturiertes Konzept mit Finanzierungsplan und ein gewisses Maß an Kenntnis/Ehrgeiz muss nunmal die Minimalvorraussetzung sein, damit man sich auch ohne Unterstützung zukunftsorientiert am Markt halten kann.

Dass diese Konzepte allerdings von, wie Du richtigerweise erwähnt hat, unfähigen Arbeitsamtmitarbeitern beurteilt werden ist lachhaft.
Ich kenn mich da auch nicht genauer aus, aber ich vermute mal, dass es da schon noch höhere Instanzen gibt.
Falls nicht, schneidet der Staat sich weiterhin ins eigene Bein.