ChatKult FORUM · Next 1.0.7
Forenübersicht » [ Kontrovers ] » Genug GEZahlt!

Genug GEZahlt!

Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, die Menschen sind froh und glücklich. Eigentlich ist die Welt in Ordnung. Leider aber nur, bis man zum Briefkasten geht, nichtsahnend natürlich, und dann einen hässlichen grünen Brief in der sonst so leeren Postbox vorfindet. Wo vorher noch ein Grinsen war, entsteht jetzt das typische Angie-Gesicht.

Grüner Umschlag? Drei Buchstaben? Na klar! Meine Freunde von der GEZ..

"Sind Sie schon angemeldeter Rundfunkteilnehmer?" Nöö, warum denn auch? Radio? Ach ja, ich glaub meine Stereoanlage empfängt da auch irgendwas.. wenn ich nur wüsste wie man das einstellt. Fernseher? Natürlich habe ich einen, aber doch nicht um mir anzuhören wie Pfarrer Fliege einem armen kind den Teufel austreibt, sondern um mir die neusten DVDs aus der Videothek anzuschauen. Ausserdem zahl ich doch mein Kabelfernsehen regelmässig, was wollen die also eigentlich von mir?

Haben sich wohl vertan. Was solls, kann ja jedem mal passieren. Zusammengeknüllt und ab in den Papierkorb, ich genieß jetzt das schöne Wetter.

Einige Wochen später, die Temperaturen sind am Siedepunkt angelangt und dummerweise waren auch noch alle Ventilatoren ausverkauft, fast hätte man die guten Freunde der GEZ vergessen, da liegt doch schon wieder so ein sympathischer grüner Brief vor der Tür. Hm! Nun, mal sehen, was die sonst noch wollen!

"Sie haben nicht auf unser Schreiben vom 11.04.2006 geantwortet. Wir weisen sie darauf hin, dass sie alle Rundfunkgeräte verpflichtend anmelden müssen."

Uh, alle Rundfunkgeräte. Also muss ich meinen Fernseher und meine Stereoanlage anmelden, obwohl ich garkeine öffentlich-rechtlichen Programme empfange? Da kann doch was nicht stimmen! Aber was solls, ich bin Student, ich muss ja eh nichts zahlen. Also lese ich mir den ganzen Kram mal in Ruhe durch.. Stunden.. die Bafög erhalten sind befreit.. öh? Ich habe die höchste Bedarfsstufe, bekommen aber kein Bafög und nun darf ich auch noch zahlen? Naja wird ja nicht soviel sein..

Hu, fast 18EUR pro Monat.. das aber doch recht viel und warum wollen die wissen, was ich für Geräte bei mir Haushalt habe, geht die doch garnichts an? Aber da ich ja ein lieber Bürger bin, zahl ich das Ganze natürlich.. ähm.. jetzt kann ich das nicht einmal monatlich zahlen? Na toll! So langsam werden mir die grünen Briefe und die dahinterstehenden Menschen unsympathisch..

Aber halt! Was passiert eigentlich, wenn ich einfach nicht reagiere? Woher haben die meine Adresse? Irgendwie komme ich mir gerade wie in der Truman Show vor.. legen wirs doch einfach mal darauf an!

Lange Zeit schien auch alles gut zu gehen, bis eines Tages ein KabelTV Techniker names Herr Peters vor meiner Tür stand, es gäbe Probleme mit meinem Anschluss, er müsste sich die Dose mal anschauen. Da ich aber gerade mal überhaupt keine Zeit hatte, schickte ich ihn wieder weg und meinte dann müsse er wohl später wiederkommen.. irgendwie schien der Mann aber vom Erdboden verschwunden. Dachte ich zumindest..

Wieder einige Zeit später (es wurde langsam wieder kälter draußen) stand er dann doch wieder vor meiner Tür, diesmal hatte er komischer Weise aber eine Telekomjacke an und wollte sich um den Telefonanschluss kümmern. Irgendwie schien er seinen neuen Beruf aber nicht so wirklich vernünftig auszuführen, sonst wüsste er schon längst, dass ich garkeinen Festnetzanschluss mehr habe.. aber er wollte einfach nicht gehen, versuchte sich sogar an mir vorbeizuzwängen. Sowas kann man natürlich nicht tolerieren, ich drohte ihm mit der Polizei und rief sofort seinen Vorgesetzten an, dieser kannte meinen freundlichen Techniker aber garnicht..

Mir wurde schnell klar, dass freundlicher Herr (ausserdem garnicht so cool gekleidet, wie in der Werbung immer!) von der GEZ war.. dies wurde auch bestätigt. Flatterte mir doch wieder mal ein umweltfreundlicher Brief ins Haus, diesmal weniger freundlich. Es würde mindestens 1000EUR Ordnungsgeld kosten, wenn meine Geräte nicht anmelden würde.. nun was mach ich da..

Da kam mir doch eine tolle Idee! Verkaufe ich mein Radio halt naja mein Fernseher geht eh bald kaput! Also schreib ich hin: kein Radio vorhanden, Fernseher kaput. Alles bestens, keine Kosten! Juhu! DvDs gucke ich halt am PC!

Schon zwei Wochen später kam die Meldung, mein Fernseher könnte gegen geringen Aufwand ja wieder rundfunkfähig gemacht werden, also hätte ich ihn anzumelden. Bitte? Ich muss dafür zahlen, dass ich eventuell mit zusätzlichen Kosten Fernsehprogramme empfangen könnte? Was ein Scheiss! Also weg mit dem Ding! Hab ich halt garnichts!

Die Antwort kam prompt: Mein PC wäre internetfähig, also müsste ich diesen anmelden! Verdamt, was wollen die doofen Idioten eigentlich? Also schreib ich ganz dreist zurück, mein PC wäre garnicht internetfähig (auch wenn ich deren Antwort schon kenne, von wegen geringer Aufwand blabla..). Aber hey.. diesmal wurden sie sogar richtig böse, drohten mit einer 100000EUR Klage wegen Betrug.

Scheiss Deutschland, ich hau ab!

Ich packte also meine sieben Sachen (waren eher 7 Kleinwagen voll, aber hört sich doch schön an) und hops gehts auf die nächste einsame Insel. Endlich Ruhe.. keine grünen Briefe mehr und keine Rundfunkgeräte..

Bis heute lebte ich auch schön vor mich hin, es war wirklich schön! Mein Volleyball hörte mir jeden Tag zu, ich sang ihm sogar meine Lieblingslieder vor.. und heute, ja heute da bekamm ich sogar Besuch! Zuerst habe ich mich total erschrocken, als dieser Mann im grünen Froschanzug auf einmal aus dem Wasser kam, danach aber war ich eigentlich eher froh ein menschliches Gesicht zu sehen.

Ich grüßte ihn freundlich und erwartete seine Antwort. Diese kam auch wie aus der Pistole geschossen:

"Guten Tag. Meine name ist Erwin Peters und mir wurde zugetragen, dass sie ein Mobiltelefon besitzen, mit dem sie ohne viel Aufwand ins Internet gelangen könnten.."
Ich werde später noch eigene Vorstellungen/Meinungen posten.. nur soviel, wie man unschwer erkennen kann, bin ich totaler GEZ Gegner, seher weder Sinn darin noch einen großen Nutzen in den Öffentlich-Rechtlichen. Die GEZ gehört abgeschafft. Später mehr..
Das sind schon arge Mistfliegen. Ich trau%27s mich gar nicht zu sagen, aber nur um endlich Ruhe zu haben, zahlen wir für unseren Fernseher - der gar nicht dazu in der Lage ist, irgendein Programm zu empfangen, da keine Antenne vorhanden ist und die auch sinnlos wäre, nachdem vor ein paar Monaten in dieser Region das Sendeformat geändert wurde - keine Ahnung, was sich da genau geändert hat, ist jetzt digital oder so, auf jeden Fall braucht unsere Nachbarin dafür einen Extra-Empfänger.
Und Gebühren für den PC ist echt das Frechste - in den 8 Jahren, die ich jetzt im Internet unterwegs bin, war ich vielleicht zusammengerechnet 1 Woche auf den Seiten der Öffentlich-Rechtlichen, mehr kann%27s nicht sein, weil ich gar keinen Anlass habe, auf die Seiten zu gehen. tagesschau.de braucht kein Mensch, es gibt genügend Alternativen.
Wie ist das eigentlich - muss man mittlerweile grundsätzlich für den PC zahlen oder nur, wenn eine TV-Karte drin ist?
Noch nur mit TV-Karte, ab nächstem Jahr für jeden internetfähigen PC, sprich für jeden, da man davon ausgehen muss, dass jeder PC irgendwie dazu fährig gemacht werden kann - gibt dann keine Ausnahmen mehr. Dasselbe gilt für Xbox360 etc.. gibt wohl niemanden, der nicht davon betroffen ist ;-)
Reine Willkür ist das.
Begründet mit der Aufrechterhaltung eines unabhängigen Informationsangebots wird jeder zur Kasse gebeten.
Wie viele aber nutzen dieses Angebot denn?
Würde das Ganze mit wirtschaftlichen Dingen zugehen, wäre die GEZ schon doppelt und dreifach pleite. Die staubtrockenen und lustlos dargebotene Programme sind weder zeitgemäß, noch ist die inhaltliche Qualität dem Preis entsprechend.

Ich bin nicht gewillt für den Besitz eines Fernsehers, eines Radios oder eines PC%27s zu zahlen, sofern ich mir die entsprechend öffentlich-rechtlichen Medien nicht zu Gemüte führe.

So sollte das einfach nicht funktionieren: wir sind freie Bürger und können für uns selbst entscheiden, was uns interessiert und was nicht.
Ein Solidaritätsbeitrag sollte nur entrichtet werden müssen, wenn es um Dinge geht, auf die Bürger nicht verzichten können. Im Bereich Medien haben wir doch genug Alternativen.

Zahlen für ein wirtschaftlich unabhängiges Angebot- über den Sinn mag man diskutieren (bedeutet wirtschaftlich unabhängig nicht auch irgendwo staatlich abhängig?)- aber wenn schon, dann bitte geringere Entgelte - und keine Mitfinanzierung von Quotenhauern, wie z.B. Harald Schmidt und vor allem Fairness: wer kaputte Geräte besitzt oder bestimmte Sender nicht empfangen kann, der kann einfach nicht zur Mitfinanzierung herangezogen werden!
Bisher scheint hier in diesem Beitrag die einhellige Meinung zu herrschen, dass die GEZ abgeschafft gehört und das man diese Institution abschaffen sollte. Ich sehe das nicht ganz so.

Die ARD, ZDF und die dritten Programme stellen sicherlich nicht mehr nur das dar, was man als Grundversorgung bezeichnen sollte. Doch die Qualität vieler Sendungen, die von diesen Fernsehgesellschaften produziert werden, sind journalistisch auf höchstem Niveau. Man denke an Terra X, Plusminus oder das Auslandsjournal. Und warum ist wohl die Tagesschau noch immer das Maß der Dinge?

Klar, auch ich halte es für dumm, jetzt auch noch die Internetseiten der Fernsehsender mitzufinanzieren obwohl ich sie nicht nutze. Aber dafür würde ich nicht das gesamte Programm in Frage stellen. Die Sender sind nicht wirtschaftlich an Erfolge gebunden - sie berichten neutral über Themen und das besonders im Bereich der Politik. Schaut euch doch mal zum Beispiel Italien oder USA an. Ist dort eine neutrale Landschaft gewährleistet? Nein - ganz und gar nicht. Und daher bin ich froh, dass zumindestens ein halbwegs brauchbares Niveau gehalten wird.

Wieviele Nutzen das Angebot? Die meisten nutzen es und wenn jemand behauptet, er würde niemals ARD oder ZDF einschalten, dann ist das bei den Meisten schlichtweg gelogen. Wenn es die ARD, ZDF, Euronews und was weiß ich nicht alles nicht mehr gäbe - das fernsehen wäre nur noch von seichter Unterhaltung geprägt. Ist es das was wir alle wollen?

Mag ja sein das die Meisten Intellektuellen sich ihre hochqualitativen Informationen woanders besorgen würden nur was ist mit den Leuten, die nicht die Möglichkeit haben? Die sitzen vorm Fernseher und zumindestens dort können sie etwas Bildung mitbekommen.

Nochmal - ich bin nicht begeistert von der momentanen Situation. Man könnte sicherlich vieles verbessern, noch mehr einsparen und optimieren. Aber das Ganze abschaffen - halte ich persönlich für nicht gut.

LG
Alper

PS: Ich bin GEZ Zahler und bin angemeldet ;-)
Lieber Alper,

dann nenn Argumente für die GEZ. Dein Beitrag zeigt durchaus sinnvolle Argumente für die Öffentlich-Rechtlichen, das ist klar, aber was daran spricht für die GEZ? Die evntl fehlenden Gelder, diese Programme aufrecht zu halten?

Die Aufgabe der Öffentlich-Rechtlichen soll der Erziehungsauftrag sein, der absolut fehl am Platz ist, in einem Staat mündiger Bürger. Nimmt man das Beispiel anderer Medien, wie z.B. die Zeitungen, so haben wir dort auch öffentlich-rechtliche Zeitungen, die man freiwillig abonieren kann, die sich gut über Wasser halten und akzeptiert werden.

Die GEZ gehört aus dem Grund abgeschafft, dass eine weiterreichendere Privatisierung der Sender marktwirtschaftlich sinnvoller wäre. Durch die Einführung des Privat Fernsehens sind die Preise enorm gestiegen, nicht gefallen, wie es ansonsten in Kokurenzsituationen der Fall ist.

Ich als Bürger sollte doch das Recht dazu haben, selber zu entscheiden, welche Sender, welche Programme, welche Zeitung ich lesen, sehe und höre. Es kann nicht sein, dass ich für eine potentielle Möglichkeit viel Geld zahlen muss, mehr Geld, als für private Sender, mit wesentlich mehr Angeboten. Desweiteren zahle ich den vollen Preis, obwohl ich vielleicht nur 2 Öffentlich-Rechte empfange und Andere mehr. Wo bleibt dort die Gerechtigkeit?

Qualität der Sendungen liegen im Ermessen des Betrachters, somit sollte auch jeder Einzelne sich selber dafür verantworten, er sieht und für was er bereit ist Geld zu zahlen. Fragwürdig sind auch einige Sendungen, die du als qualititv hochwertig ansiehst, es gab viele Fälle, in denen die Öffentlich-Rechtlichen Privatsender bewusst schlecht dargestellt haben, auch durch falsche Angaben von Tatsachen.

Zur Bezahlung internetfähiger PCs: Ja, ist ist schwer zu akzeptieren, aber nach Argumentation der Öffentlich-Rechtlichen, ist es nur der nächstliegende Schritt. Die Frage, die sich natürlich stellt: Warum gehen ARD, ZDF etc über ihren eigentlichen Bildungsauftrag hinaus, der das Internet nie mit eingeschlossen hat. Hier stehen den Öffentlich-Rechtliche auch einige Klagen ins Haus, meiner Meinung nach auch zu Recht.

Grundsätzlich ausser Frage solle die datenschutzrechtliche Frage der GEZ stehen, die absolut fragwürdig ist. Wie ausserdem auch die Vorgehensweise.

Insgesamt ist dein Beitrag eigentlich ein Paradebeispiel für die Privaitisierung der Öffentlich-Rechtlichen. Beibehaltung unter anderen, wirtschaftlicheren Vorraussetzungen.

Natürlich sollte jeder seine GEZgebühren zahlen, solange diese verpflichtend sind. Wer dies nicht macht, obwohl er Fernsehen oder Radio nicht besitzt, macht sich nicht nur strafbar, sondern lebt auch auf Kosten der Gesellschaft, was absolut nicht akzeptabel ist.
ghostwalker schrieb:
Wieviele Nutzen das Angebot? Die meisten nutzen es und wenn jemand behauptet, er würde niemals ARD oder ZDF einschalten, dann ist das bei den Meisten schlichtweg gelogen.
Hm,also ich kann schon behaupten,dass ich es nicht nutze. ARD und ZDF schaue ich,wenn Fußball läuft (und das hat recht wenig mit dem eigentlichen Sinn dieser Sender zu tun... und zudem muss ich mir dann genauso Werbung reinziehen, wie bei den Privatprogrammen auch)



Mag ja sein das die Meisten Intellektuellen sich ihre hochqualitativen Informationen woanders besorgen würden nur was ist mit den Leuten, die nicht die Möglichkeit haben? Die sitzen vorm Fernseher und zumindestens dort können sie etwas Bildung mitbekommen.


Wenn jemand meint, dass der Intellekt die öffentlich-rechtlichen Medien benötigt, dann kann er diese ja für sich in Anspruch nehmen.
Aber glaubst Du wirklich, dass Menschen die nicht wissen wie man alternativ genauso hochwertige Informationen beziehen kann (denn das ist ja nun wirklich nicht schwer) großen Wert auf Bildung legen?
Wieso sollte eine komplette Privatisierung der ÖR-Rundfunkanstalten sinnvoll sein?
Haben nicht insbesondere die letzten Jahre mit all ihren Widerlichkeiten (Klingeltonpest, 9live-Quizkopien auf allen Sendern etc.) gezeigt, was für marktbedingten Qualitätsschwankungen die Privaten unterworfen sind? Mich widern die privaten Sender an - da kann ich mir bis auf wenige Ausnahmen nichts anschauen. Da fehlt es meist an Sachlichkeit und Qualität, die mangels Zielgruppe und ökonomischer Ausbeute irgendwelchen Titten-Proll-Beiträgen weichen müssen. Daran ist sicherlich die Gesellschaft mit ihren Bedürfnissen schuld, die deren Programm ja mittelbar bestimmt - allerdings vermögen die finanziell unabhängigen ÖR dies auszugleichen. So kann man sich größtenteils darauf verlassen, dass diverse Abartigkeiten eben nicht den Weg in das Programm von ARD & Co. finden werden und allein das reicht m.E. aus, ihre Existenz zu rechtfertigen. Man denke nur an großartige Sender wie Phoenix oder BR-Alpha. Natürlich gibt es ähnliche Formate mit N24 etc. auch von den Privaten, jedoch sind die meiner Meinung nach wegen Werbung und der Inhalte nicht annähernd konkurrenzfähig.
Weiter wurde etwas davon geschrieben, dass Argumente für die ÖR - aber keine für die GEZ - existierten. Das ist widersprüchlich, denn ohne GEZ o.ä. könnte es keine ÖR geben.
Ich denke auch, dass es Augenwischerei ist, wenn Leute behaupten, sie würden keine Gebühr zahlen wollen, da sie die ÖR niemals schauen würden. Das glaube ich so einfach keinem.

Es soll nicht der Eindruck entstehen, ich würde die GEZ-Maßnahmen gutheißen. Ich bin ebenfalls nicht gewillt, für jedes einzelne Taschenradio an jedem Wohnsitz Gebühren zu zahlen - geschweige denn für jeden internetfähigen Rechner oder Telefon mit Radiofunktion etc. Auch halte ich für sinnlos, dass man GEbühren entlichten soll, wenn man die ÖR-Programme gar nicht schaut. Andererseits muss man sich überlegen, wie die GEZ ihre Aufgabe anders wahrnehmen soll. Selbstverständlich würde jeder behaupten, man würde die ÖR-Programme nicht schauen, wenn man sich so um die Gebühren drücken könnte. Es besteht keine Befugnis für GEZ-Bedienstete, zwecks Kontrollen gegen den Willen der Berechtigten ihre Wohnungen zu betreten - die Aussage, kein Konsument zu sein, kann also mangels Kontrollmöglichkeiten kein brauchbarer Anhaltspunkt sein. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass einige der Gebührenzahler abgesprungen sind, als die ÖR-Programme über Internet ausgestrahlt wurden - dem gilt es also auch entgegen zu wirken. Sicherlich lässt sich die Gebührenpflicht nicht unendlich und willkürlich ausweiten - die laufenden Verfassungsbeschwerdeverfahren werden nach und nach Aufschluss darüber geben, was geht und was nicht. Das Mehr an Möglichkeiten, das in den letzten Jahren über uns "herübergestürzt" ist, muss erstmal politisch, juristisch und ökonomisch verarbeitet und in die Gesellschaft integriert werden, bis wieder "Normalzustände" vorherrschen können.
Jedenfalls bleibe ich bei meiner Meinung, dass die ÖR einen wichtigen - m.E. unentbehrlichen - Bestandteil unserer Kultur darstellen und dass die Finanzierungsmaßnahmen längst nicht ihre Existenz gefährden sollten.
Es hat sich gezeigt, dass der Staat durch überhastete Privatisierungen auf lange Sicht keine guten Geschäfte gemacht hat (Post, Telekommunikation, Bahn...) und ich hielte es für undenkbar und gefährlich, wenn die ÖR- ganz den privaten Programmen weichen würden. Wo bliebe da für die von den Medien geprägten Bevölkerungsschichten die Möglichkeit, gänzlich (politisch wie finanziell) unabhängige Berichterstattung, Kultur etc. zu konsumieren?
boochen schrieb:
Daran ist sicherlich die Gesellschaft mit ihren Bedürfnissen schuld, die deren Programm ja mittelbar bestimmt
Ja- und so müsste das funktionieren. Angebot und Nachfrage prägen die Entscheidungsprozesse, oder etwa nicht?
Will die Gesellschaft Privatfernseher schauen, wird dieses Bedürfnis vom Markt her befriedigt.
Will die Gesellschaft aber ZDF und ARD nicht schauen, so müssen sie trotzdem ihre Gebühren abdrücken.
Und genau das ist der Punkt der diskussionswürdig ist... die "Eintrichterung" was Qualität bedeutet und was für den Einzelnen gut ist.
Sollte aber nicht jeder für sich allein entscheiden können?

Ich denke auch, dass es Augenwischerei ist, wenn Leute behaupten, sie würden keine Gebühr zahlen wollen, da sie die ÖR niemals schauen würden. Das glaube ich so einfach keinem.


Und warum nicht?
Und selbst wenn sich die Leute ab und an Fußball ansehen oder einmal im halben Jahr "Wetten dass" schauen- rechtfertigt das 50€/Quartal?
Denn was haben diese Unterhaltungsgroßmedialveranstaltungen (ja,das Wort gibt%27s nicht :-spy) mit unabhängigen Informationen zu tun?


Es hat sich gezeigt, dass der Staat durch überhastete Privatisierungen auf lange Sicht keine guten Geschäfte gemacht hat (Post, Telekommunikation, Bahn...) und ich hielte es für undenkbar und gefährlich, wenn die ÖR- ganz den privaten Programmen weichen würden.

Öhm- sollte der Staat denn Geschäfte machen?
Und wo genau siehst Du die Gefahren? Denn spekulativ gesagt, würden die ÖR-"Fans" auf Marktnischen ausweichen, die (meiner Meinung nach) die gleiche Qualität aufweisen (wie bereits angesprochen N24 z.B.) und alle anderen (die Mehrheit) würden es nichteinmal bemerken.
Nein, der private Markt kann die Bedürfnisse eben derer, die ÖR-Programme konsumieren (und das sind viel viel mehr als du denkst), nicht befriedigen. Ständige Werbeunterbrechungen, von Investoren abhängige Berichterstattung etc. - das kann schon in der Theorie nichts werden (und es zeigt sich auf N24 etc.).
Zu den 50€/Wetten Dass: was schlägst du denn für ein Vergütungssystem vor? Premiere World-ähnliche Apparaturen, die einem Taxometer gleich bei ÖR-Programmnutzung sekundengenau abrechnen? Es lässt sich einfach nicht anders regeln als über Pauschalbeträge, die all jene zu entrichten haben, die die Möglichkeiten wahrnehmen könnten. Wenn wir überall nur das bezahlen würden, was wir tatsächlich nutzten, gäbe es bald mangels Steuereinnahmen keine Straßen, Bibliotheken etc. mehr, da die auch vom ganzen Volk unterhalten aber nur von einem Teil genutzt werden. Niemand kann dokumentieren, wer wofür wegen Mitnutzung mit aufzukommen hat - und ähnlich (ich gebe zu in stark verschärfter, konkretisierter Form) verhält es sich mit den Abgaben für die ÖR. Sie können nicht anders getragen werden, ohne dass die Verhältnismäßigkeit (noch stärker als so schon) negativ berührt wird.
Deine letzte Frage verstehe ich nicht richtig - was meinst du denn, wieso denn privatisiert wird? Das hat beinahe ausschließlich ökonomische Gründe: Wirtschaft ankurbeln, Wettbewerb steigern, Einsparungen im Unterhalt und Gewinneinnahmen durch den Verkauf. Alles (leider meist nur kurzfristig) Gewinn bringende Faktoren für den Fiskus.
Zuguterletzt wird niemand gezwungen, ARD & Co. zu sehen oder einem Verbot des Konsums privater Programme unterworfen - lediglich eine Verpflichtung zur Gebührenbegleichung besteht. Es wird also niemandem ein abweichendes Qualitätsverständnis "eingetrichtert". In der Gebühr liegt auch keine Schelte an private Programme oder deren Qualitätsstandard.
boochen schrieb:
Was schlägst du denn für ein Vergütungssystem vor?
Die Nutzung denen anzubieten, die gewillt sind zu zahlen.
Premiere-orientiert- das hört sich erstmal garnicht so abwägig an.


Wenn wir überall nur das bezahlen würden, was wir tatsächlich nutzten, gäbe es bald mangels Steuereinnahmen keine Straßen, Bibliotheken etc. mehr, da die auch vom ganzen Volk unterhalten aber nur von einem Teil genutzt werden


Bitte keine Äpfel mit Birnen vergleichen. :-)
Im Bereich der Medien gibt es viele Alternativen. Bei Straßen können wir nicht wählen, welche wir nehmen.
Wie meinte der Adam Smith damals? Der Staat hat 3 wichtige Aufgaben zu erfüllen:
1.) eine unabhängige Justiz schaffen
2.) das Land vor äußeren Gefahren schützen
3.) Institutionen schaffen und finanzieren, die der Allgemeinheit dienen und die Bürger nicht allein im Stande ist aufzubauen.
(darunter fallen eben auch Bibliotheken, Universitäten, Sozialsysteme usw.)
Alles andere wird vom Markt her reguliert.

Von daher bleibt meine Frage bleibt die gleiche: Inwiefern sollte es der Markt nicht schaffen alternativ-vergleichbare Medien zu schaffen?
Gerade durch die Konkurrenz untereinander, bleibt der Anspruch die Nase vorn zu haben allgegenwärtig.
Werbung und Konsum- gut - das ist eine andere Sache.
Da kann ich nur von mir persönlich reden, wenn ich meine, dass ich damit leben kann.


Zuguterletzt wird niemand gezwungen, ARD & Co. zu sehen oder einem Verbot des Konsums privater Programme unterworfen - lediglich eine Verpflichtung zur Gebührenbegleichung besteht. Es wird also niemandem ein abweichendes Qualitätsverständnis "eingetrichtert". In der Gebühr liegt auch keine Schelte an private Programme oder deren Qualitätsstandard.


Nein, aber wir werden gezwungen für eine potentielle Alternative zu zahlen, die viele von uns von vornherein ausschließen können. Das ist kein Deut besser.
Und wie wird das begründet? Man muss die Qualität gewährleisten.
Das heißt für uns: das, was die ÖR zusammenwerkeln- das ist Qualität... und aus diesem Grund haben wir die Groschen auf den Tisch zu legen.
Natürlich können wir weiterhin trotzig N24 schauen- aber letzendlich ist das genauso dumm, als würden wir teure Butter kaufen... aber trotzdem nur die billige, welche genauso toll schmeckt, verwenden.

Vielleicht seh ich das auch falsch, keine Ahnung.