Ich versuche nun seit ein paar Jahren, mich GOTT auf dem Weg der Logik zu nähern - bis jetzt hat sich noch nicht das Gefühl eingestellt, dass es "so sein muss, ja, ich fühle IHN in mir". Vieles leuchtet mir heute ein, aber es fehlt dieses absolute Gefühl der Gewißheit, um sagen zu können, "Ja, ich glaube!". Da beneide ich jene, die IHN schon immer in sich gespürt haben und keine Zweifel spüren

Warum überhaupt Gott?
Beim Materialismus stellen sich mir zu viele unlösbare Probleme. Erst einmal fußt er auf einem sehr schwammigen Fundament, denn was Materie nun eigentlich ist, wurde noch nicht eindeutig beantwortet. Auch fehlen Erklärungen für die Begriffe "Zeit" und "Raum". Im Alltag mag der naive Materialismus wunderbar funktionieren - wenn ich auf den Tisch klopfe, spüre ich einen deutlichen Widerstand, eine Sekunde ist das 9.192.631.770-fache der Periode einer Mikrowelle, die mit einem ausgewählten Niveauübergang im Caesiumatom in Resonanz ist - wo ist also das Problem?
Das Problem steckt im Detail. Ein Blick in den Mikrokosmos zeigt deutlich, dass der Tisch keineswegs aus etwas Handfestem besteht, sondern allein schon zwischen den Atomen unvorstellbar große Zwischenräume existieren. Und wenn wir solch ein Atom noch weiter zerlegen, landen wir irgendwann bei "Teilchen", die gar keine Ausdehnung mehr haben, sondern punktförmig sind, und die sich - wenn man sie sich wieder fälschlicherweise als Kugel vorstellt - zweimal um die eigene Achse drehen müssen, damit man wieder den Ausgangspunkt erreicht (die Rede ist von Quarks) - wie soll man sich das denn wirklich begreiflich machen? Im Kleinsten gibt es keine dem gesunden Menschenverstand einleuchtenden Dinglichkeiten mehr, da gibt es nur noch Kräfte, die wirken, in sich selbst gekrümmte Räume und Unendlichkeiten ...
Und was habe ich mit der Definition einer Sekunde denn nun über die Zeit ausgesagt? Nichts! Die Anzahl von Schwingungen irgendeines Atoms (vereinfacht gesprochen) beschreibt nicht die Zeit _an sich_. Wenn ich mich nicht irre, ist die Physik auch schon bei der Aussage angelangt, dass es die Zeit eigentlich nicht gibt. Sie ist ein Konstrukt unseres Geistes. Das ist Metaphysik! Und darauf fußt nun der absolut rationale Materialismus.
Ein weiteres Problem betrifft das Gewissen, die Moral, die Ethik. Ohne Metaphysik ist es nicht möglich, eine Ethik aufzubauen. Darum kommt auch ein Materialsist nicht herum, irgendwie muss das menschliche Zusammenleben ja geregelt sein. Ohne dabei metaphysisch zu werden und zu sagen "Es gibt ein Gesetz, das ausserhalb unseres Einflusses liegt, und das mich über mein Gewissen erkennen lässt, was gut und was böse ist", wird es immer eine willkürliche Moral und Ethik sein, die keinesfalls allgemeingültig und ewig ist. Wenn man zu dem Schluß kommt, daß es genau so ist (also das Metaphysische ausklammert), dann stellt sich nur die Frage, warum man dann überhaupt eine Ethik entwirft, wenn man im Grunde seines Herzens doch davon überzeugt ist, dass es so etwas wie Moral nicht gibt? "Damit ein einigermaßen normales Zusammenleben möglich ist." Ja, das schon, nur - wer hindert mich denn daran, der aufgestellten Moral nicht zu folgen, weil sie mir gerade nicht zum Vorteil gereicht und ich doch nur mir selbst gegenüber Rechenschaft ablegen muss? Denn ein metaphysisches Gewissen, auf das ich evtl. hören sollte, gibt es ja nicht.
Ohne Zugrundelegung einer metaphysischen Ordnung ist jede Moral für die Katz%27 und das Gewissen tot.
Damit will ich nicht sagen, dass es einfach aus einer Notwendigkeit heraus sinnvoll ist, an Gott zu glauben, denn sonst gibt%27s keine Möglichkeit, eine Ethik zu postulieren - nein, ich sage, dass das Vorhandensein des Gewissens, welches auch Nicht-Christen oft genug zwickt

, ein Hinweis auf eine metaphysische Grundordnung ist.
Jetzt zum Zufall: @ Aphilion - ich nehme mal an, dass du eher meinst, dass die Entwicklung hin zum Menschen nicht beabsichtigt war. Würde man tatsächlich den absoluten Zufall annehmen, wäre es höchst unwahrscheinlich, dass es eine kontinuierliche Entwicklung bis zu solch einem komplexen Wesen gegeben hätte. Zumal der absolute Zufall intrinsisch akausal und indeterministisch ist (aus sich heraus keine Ursache hat und keinen Gesetzmäßigkeiten folgt) - in der Evolutionstheorie gibt es aber immer noch einen Grund, warum sich nun alles in diese oder jene Richtung entwickelt hat, und die molekularbiologischen, chemischen und physikalischen Vorgänge folgen den Gesetzmäßigkeiten dieser Welt. Und auch ansonsten ist unsere Welt durch Kausalität geprägt - würde sich plötzlich eine lila Grinsekatze materialisieren, würden wohl nur wenige es einfach so hinnehmen, man würde doch eher nach dem Grund forschen. Und gäbe es den absoluten Zufall, müssten doch im Grunde ständig merkwürdige Dinge geschehen, in jedem Augenblick.
Dass es die Evolution gibt, man kann sie schließlich direkt beobachten, bestreiten nicht einmal die Kreationisten. Der Unterschied in den Weltanschauungen besteht vielmehr darin, wie man sich die Entstehung unseres Universums vorstellt. Für einen Materialisten gibt es keine Wunder und keinen Spuk, alles folgt der Kausalität und alles lässt sich erklären (wie du es ja auch sagst, Aphilion). Dann stellt sich ihm nur ein Problem - irgendwo muss die Kette einmal einen Anfang gehabt haben. Dieser allererste Grund hingegen muss sich aus einer inneren Notwendigkeit heraus selbst erschaffen haben - es kann keine andere Ursache ausserhalb sich selbst gehabt haben, sonst wäre es nicht der Urgrund. Und in letzter Konsequenz zu ende gedacht kann dieses erste, aus sich selbst heraus entstandene nur eines sein: das Sein. Wenn ich sage "A ist die Ursache von B", dann haben wir für A die Existenz vorausgesetzt - das Existieren, das Sein muss also der Urgrund sein, das, was unverursacht ist. Für den Christen ist dieses Sein GOTT, für den Materialisten ist es ein Stein im Magen seiner rationalen Vorstellung

Für mich gilt: die Welt ist nicht das, was uns so offensichtlich vor den Augen steht, es gibt kein Wissen, nur Theorien, ohne Metaphysik lässt sie sich nicht bis ins Letzte erklären - ergo liegt etwas hinter allem, was viele als GOTT erkennen und benennen - ich weiß noch nicht, was es ist. Aber das Christentum vermag meine Fragen noch am ehesten zu beantworten - bei östlichen Vorstellungen habe ich bspw. das Problem, das Gewissen unterzubringen. Mal sehen, wo ich am Ende ankommen werde
