Technik ist schon toll. Noch nie war es so einfach, Fotos zu schießen und für ein großes Publikum zugänglich zu machen, Digitalkameras sei Dank. Und noch nie konnten Nachrichten so schnell unters Volk gebracht werden wie heute, Internet sei Dank. Doch war auch noch nie die Manipulationsgefahr so groß wie heute.
Die renommierte Nachrichtenagentur Reuters musste sich gerade von einem ihrer Fotografen trennen. Er hat das Foto eines Raketeneinschlags in Beirut derart stümperhaft mit Photoshop nachbearbeitet (deutlich ist der Einsatz des Stempel-Werkzeugs in den Rauchwolken zu erkennen), dass es früher oder später einfach auffallen musste. Merkwürdigerweise ist Reuters diese Manipulation nicht ins AUge gesprungen, das Foto wurde freigegeben. Erst ein paar aufmerksame Blogger im Netz kamen dem Betrug auf die Spur.
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Grundsätzlich ist an der nachträglichen Bearbeitung eines Fotos nichts auszusetzen, solange sie sich darauf beschränkt, Fussel und Staub zu entfernen oder an der Sättigung zu schrauben u.ä.. Wird jedoch das Motiv derart verändert, dass es mit der Wirklichkeit nichts mehr zu tun hat, dann stehen wir zumindest im Bereich des Foto-Journalismus vor einem riesigen Problem. Ein Journalist soll uns über das tatsächliche Weltgeschehen informieren - das Vorgaukeln von Ereignissen und Zuständen, die es so vielleicht tatsächlich irgendwo auf der Welt geben könnte, aber eben im Moment des Auslösens der Kamera nicht stattfanden, so etwas gehört in den Bereich Fiktion und soll bitte den Schriftstellern überlassen bleiben.
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Die Formen der Manipulation sind vielfältig. Neben der Photoshop-Retusche werden Fotos eines einzigen Ereignisses für unterschiedliche, zeitlich auseinanderliegende Berichte benutzt, oder Motive bewusst in Szene gesetzt.
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Begründung: es gibt zu viele Fotografen und zu wenig Aufträge. Bezahlt wird zudem meist nur, wenn ein Foto von der Agentur verkauft werden konnte. Da scheint die Hemmschwelle der Fotografen schnell zu sinken - schließlich müssen auch sie von irgendetwas leben, also wird das eigene Foto für die großen Magazine schmackhaft gemacht.
Doch auch etwas anderes betrachte ich mittlerweile mit gemischten Gefühlen. Wer sich oft im Internet aufhält, wird eines zu schätzen gelernt haben, ich ebenso: die wahnsinnig schnelle Versorgung mit Nachrichten. Kaum ist etwas in der Welt geschehen, kann es auf den Seiten der großen Agenturen und Magazine nachgelesen werden. Oft genug habe ich jedoch feststellen müssen, dass sich die Inhalte solcher Artikel wenige Stunden nach dem Erscheinen inhaltlich verändert haben, ohne das auf die Überarbeitung hingewiesen wurde. Das weckt doch leise Erinnerungen an Orwells "1984" und dem dort beschriebenen "Ministerium für Wahrheit", dessen Aufgabe es ist, die Vergangenheit (d.h. Schriften, Tonträger, etc.) derart zu manipulieren, dass sie mit den Ansichten der Gegenwart übereinstimmt.
Daher werde ich doch stets auf Papier gedruckte Informationsträger höher werten als digitale Datenbanken. Was einmal gedruckt wurde, ist nicht mehr zu ändern und solange das Papier nicht zerfällt auch über viele Jahre so nachzulesen (unter der Voraussetzung, dass es solch ein Ministerium für Wahrheit nicht schon in der Wirklichkeit gibt).
Tja, was bleibt uns nun übrig? Man könnte nun natürlich alles, was uns als Wahrheit verkauft wird, anzweifeln - zu solch einer extremen Reaktion neige ich dann aber doch noch nicht. Einfach das Nachdenken nicht vergessen - stimmt an einer Geschichte nicht alles, fällt dies dann doch oft auf, wenn man sich mit dem Gesagten und Gezeigten einfach mal ein wenig intensiver beschäftigt. Dabei gerät man vielleicht schnell in die Schublade der Verschwörungstheoretiker, damit kann ich aber immer noch besser leben, als damit, den Kopf in den Sand zu stecken und einfach alles so zu schlucken, wie es uns vorgesetzt wird. Wäre zwar auch eine Alternative, aber nicht für mich. Manipulation umgibt uns 24 Stunden, 7 Tage die Woche - und Gott sei Dank fällt es manchmal noch auf.
Quellen:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23280/1.html
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23318/1.html
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23301/1.html
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