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Authentizität vs. Aktualität

Technik ist schon toll. Noch nie war es so einfach, Fotos zu schießen und für ein großes Publikum zugänglich zu machen, Digitalkameras sei Dank. Und noch nie konnten Nachrichten so schnell unters Volk gebracht werden wie heute, Internet sei Dank. Doch war auch noch nie die Manipulationsgefahr so groß wie heute.

Die renommierte Nachrichtenagentur Reuters musste sich gerade von einem ihrer Fotografen trennen. Er hat das Foto eines Raketeneinschlags in Beirut derart stümperhaft mit Photoshop nachbearbeitet (deutlich ist der Einsatz des Stempel-Werkzeugs in den Rauchwolken zu erkennen), dass es früher oder später einfach auffallen musste. Merkwürdigerweise ist Reuters diese Manipulation nicht ins AUge gesprungen, das Foto wurde freigegeben. Erst ein paar aufmerksame Blogger im Netz kamen dem Betrug auf die Spur.

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Grundsätzlich ist an der nachträglichen Bearbeitung eines Fotos nichts auszusetzen, solange sie sich darauf beschränkt, Fussel und Staub zu entfernen oder an der Sättigung zu schrauben u.ä.. Wird jedoch das Motiv derart verändert, dass es mit der Wirklichkeit nichts mehr zu tun hat, dann stehen wir zumindest im Bereich des Foto-Journalismus vor einem riesigen Problem. Ein Journalist soll uns über das tatsächliche Weltgeschehen informieren - das Vorgaukeln von Ereignissen und Zuständen, die es so vielleicht tatsächlich irgendwo auf der Welt geben könnte, aber eben im Moment des Auslösens der Kamera nicht stattfanden, so etwas gehört in den Bereich Fiktion und soll bitte den Schriftstellern überlassen bleiben.

http://www.lolope.de/meetinx/auvsak02.jpg

Die Formen der Manipulation sind vielfältig. Neben der Photoshop-Retusche werden Fotos eines einzigen Ereignisses für unterschiedliche, zeitlich auseinanderliegende Berichte benutzt, oder Motive bewusst in Szene gesetzt.

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Begründung: es gibt zu viele Fotografen und zu wenig Aufträge. Bezahlt wird zudem meist nur, wenn ein Foto von der Agentur verkauft werden konnte. Da scheint die Hemmschwelle der Fotografen schnell zu sinken - schließlich müssen auch sie von irgendetwas leben, also wird das eigene Foto für die großen Magazine schmackhaft gemacht.

Doch auch etwas anderes betrachte ich mittlerweile mit gemischten Gefühlen. Wer sich oft im Internet aufhält, wird eines zu schätzen gelernt haben, ich ebenso: die wahnsinnig schnelle Versorgung mit Nachrichten. Kaum ist etwas in der Welt geschehen, kann es auf den Seiten der großen Agenturen und Magazine nachgelesen werden. Oft genug habe ich jedoch feststellen müssen, dass sich die Inhalte solcher Artikel wenige Stunden nach dem Erscheinen inhaltlich verändert haben, ohne das auf die Überarbeitung hingewiesen wurde. Das weckt doch leise Erinnerungen an Orwells "1984" und dem dort beschriebenen "Ministerium für Wahrheit", dessen Aufgabe es ist, die Vergangenheit (d.h. Schriften, Tonträger, etc.) derart zu manipulieren, dass sie mit den Ansichten der Gegenwart übereinstimmt.
Daher werde ich doch stets auf Papier gedruckte Informationsträger höher werten als digitale Datenbanken. Was einmal gedruckt wurde, ist nicht mehr zu ändern und solange das Papier nicht zerfällt auch über viele Jahre so nachzulesen (unter der Voraussetzung, dass es solch ein Ministerium für Wahrheit nicht schon in der Wirklichkeit gibt).

Tja, was bleibt uns nun übrig? Man könnte nun natürlich alles, was uns als Wahrheit verkauft wird, anzweifeln - zu solch einer extremen Reaktion neige ich dann aber doch noch nicht. Einfach das Nachdenken nicht vergessen - stimmt an einer Geschichte nicht alles, fällt dies dann doch oft auf, wenn man sich mit dem Gesagten und Gezeigten einfach mal ein wenig intensiver beschäftigt. Dabei gerät man vielleicht schnell in die Schublade der Verschwörungstheoretiker, damit kann ich aber immer noch besser leben, als damit, den Kopf in den Sand zu stecken und einfach alles so zu schlucken, wie es uns vorgesetzt wird. Wäre zwar auch eine Alternative, aber nicht für mich. Manipulation umgibt uns 24 Stunden, 7 Tage die Woche - und Gott sei Dank fällt es manchmal noch auf.


Quellen:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23280/1.html
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23318/1.html
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23301/1.html
Wie du schon erwaeht hast die manipulation von informationen is aelter als das photo und ich denke sogar als das papier und es wird beide ueberleben. ich denke die beste moeglichkeit is die information von verschieden agenturen und vielleicht sogar freelancern zu hoeren was das Ministerium fuer Wahrheit angeht es gibt hier in australien eine wunderbare Tv serie names absolute power (ich weis nicht ob sie schon nach deutschland rueber geschawbt is oder ob ihr das netz nach ihr untersuchen muesst ich werde mich da mal informieren) die serie beshceint die hinterhaeltisgte seite des PRbuisness in einer folge haben sie ein krankheit erfunden und dann verbreitet das sie einer ihrer clients hatte nur um Oeffentliches Mittleid udn aufmerksamkeit fuer ihn zu erhoehen...
Hier ist ein sehr interessanter Bericht darüber:
http://www.aish.com/movies/PhotoFraud.asp

Sehr gut gemacht mit einigen Hintergrundinformationen.
Ich hab mir mal vor ein paar Jahren die Ausstellung "Bilder, die lügen" angeschaut und fand es sehr interessant.
Und ja, Fotomanipulation ist alt wie Steinkohle; schon zu Hitlers Zeiten ein gern verwendetes Instrumentarium.
Zensur, Skandale, Politische Lügen- all das schreit nach manipuliertem Bildmaterial.

Traurig, aber ich vermute, dass es sich auch in der heutigen Zeit nicht nur um miese "BILD"-Methoden handelt, weswegen ich durch die Bandbreite alle Nachrichten und Informationen mit Vorsicht genieße bzw. anzweifel.
kennt jemand den film "wag the dog"?
carina schrieb:
kennt jemand den film "wag the dog"?
No. Scheint aber wohl interessant zu sein :-p
Kurzrezension:

"Wag the Dog" ist zu Beginn noch eher leichtere Unterhaltung und man ist sehr amüsiert über die Leichgläubigkeit der Medien, zu gleich aber auch schockiert wie die Medien die Zuschauer kontrollieren. Zum Ende hin wird der Film sehr ernst und man begreift die Tragweite und Mächtigkeit der Mediengesellschaft.
"Wag the Dog" wird damit zum Pflichtfilm für jeden der anspruchsvolle Satiren/Komödien liebt, aber auch für jeden der den Einfluss der Medien studieren will.


Quelle: amazon