3. Tag 22. September:
Ich bin recht spät aufgewacht. Grund dafür war die horrende Bus-Tour von meiner Tante zu meinem Opa. Eigentlich sollte die gesamte Fahrt nur 1 Stunde dauern. Die erste halbe Stunde verlief dann auch recht glatt, bis sich die hintere rechte Tür wohl nicht mehr schließen ließ. Typisch türkisch war dem Fahrer das wohl erstmal egal. Er ist einfach weitergefahren. Gefährlich wurde es allerdings, als er auf die Autobahn auffuhr und dann, wohlgemerkt mit der noch immer offenen Tür, mit 80 Sachen über die Autobahn bretterte. Ich sass recht weit vorne aber der doch gut gefüllte Bus füllte sich mit Schreien und Flüchen.
Der Fahrer hatte wohl irgendwann ein Einsehen und hielt mitten auf der Autobahn (!!!) an um uns mitzuteilen, dass wir in einen anderen Bus umsteigen sollten. Wir stiegen also aus. liefen durch den Matsch zum anderen Bus und stiegen dann ein. Was für ein Chaos. In Istanbul bei meinem Opa bin ich dann irgendwann um 21 Uhr angekommen. Dann nur noch schnell umgezogen und eingeschlafen.
Der Tag verlief eigentlich recht schön. Mein Großeltern leben in einer Stadtwohnung im Zentrum von Istanbul im Ortsteil Osmanbey im 3. Stock. Da in Istanbul horrend viele Menschen leben (glaube so um die 12 Millionen) ist auf den Straßen immer was los. Drei Dinge findet man überall in Istanbul: Taxis, Busse und Restaurants. Überall ist superviel los. Ich habe mich dann zu Fuß aufgemacht und habe sogar ein brandneues Shoppingcenter entdeckt. Das Center ist R-I-E-S-I-G! Insgesamt 6 Ebenen und so etwas großes habe ich noch nicht gesehen. Wer schonmal in Frankfurt im Nordwestzentrum war: Mindestens 5-6mal so groß! Aber dementsprechend auch teuer und hochgeschützt. Rein kommt man nur durch Metalldetektoren und X-Rays für die Taschen. Überhaupt wird Sicherheit mittlerweile durch die Anschläge immer größer geschrieben. Polizei ist allgegenwärtig und sogar in der U-Bahn werden die Taschen kontrolliert. Ich habe auch einige Fotos von der Shoppingmall gemacht, kann sie aber leider momentan nicht auf meinen Rechner übertragen. Daher liefere ich sie euch nach. Ansonsten ist nicht sehr viel passiert.
4. Tag 23. September:
Wieder ein Tag, der mir sicher lange in Erinnerung bleiben wird. Eigentlich hatte ich mir meinen Wecker auf 7 Uhr gestellt, da ich dann aufstehen und um 7:30 Uhr los wollte. Mein Opa hat aber wohl verstanden, das ich um 6 Uhr los muß, also hat er mich um 5:30 Uhr geweckt! Nach Protesten meinerseits ging er wieder aus meinem Zimmer raus und ich konnte weiterschlafen. Jedoch nur bis 6 Uhr - der zweite Weckruf meines Opas. Erneute Erklärungsversuche von mir und dann wieder versucht, etwas zu schlafen. Um 6:45 Uhr dann erneut mein Opa. Ich gab entnervt auf und bin aufgestanden. Habe gefrühstückt und bin los zu den Bussen. Die Bussfahrt war sehr angenehm. Die Sitze, der Komfort und die gesamte Verarbeitung des Busses waren toll. Später sah ich: Deutsches Fabrikat *hehe* Kein Wunder

Im Bordkino wurden zwei Filme gezeigt. Einmal "Die Insel" und "Solange du da bist". Beide Filme mit türkischer Synchronisation, welche übrigens sehr gut gelungen war. Die Busfahrt dauerte insgesamt rund 8 Stunden mit 2mal Pause. Der Ausblick während der Fahrt war wunderschön. Was die Türkei an Landschaften zu bieten hat, kann ich nicht in Worte fassen. Wunderschöne Täler, Gebirgslandschaften, saftige grüne Wälder aber auch karge Steppen. All dies ging während der Busfahrt an mir vorbei und ich war echt überwältigt. Da Mel ja zur Zeit unseren Fotoapparat hat (sie ist z.Zt. in Italien) habe ich fast ausschließlich gefilmt. Ich werde später versuchen, einzelne Sequenzen als Film hochzuladen, damit ihr einen Einblick von dieser wunderschönen Welt erfassen könnt. Abends kam ich dann in Amasya an. Wir waren dann noch schön essen und dann ging es auch schon ins Bett.
5. Tag 24. September:
Amasya ist eine tolle Kleinstadt. Sie zählt momentan 75000 Einwohner. Meine familiäre Herkunft, die wohl sehr sehr sehr weit in der Zeit zurückzureichen scheint, begann hier noch zu Zeiten des Osmanischen Reiches. Ich weiß noch sehr wenig darüber aber meine Familie scheint hier sehr bekannt zu sein. Durch die Stadt fließt ein Fluß namens Yesilirmak, was so viel heißt wie "Grüner Fluss". Direkt an diesem Fluß sind viele Häuser erbaut - das gepostete Bild von Marja gibt euch einen guten Eindruck davon. Die Häuser sind wunderschön in einem alten, klassischen Stil erbaut und sind sehr stabil. Und es ist schön, morgens direkt auf den Balkon zu gehen und unter sich den Fluß zu erblicken sowie auf der anderen Seite das rege Treiben der Menschen.
Heute sind wir sehr viel unterwegs gewesen. Haben uns die vielen Felder angesehen, die meinen Großeltern gehören, auf denen u.a. Weizen, Mais, Sonnenblumen, Zwiebeln und Zuckerrüben angepfanzt werden. Dann waren wir bei den Bauernfamilien, die unsere Felder nun in der 3. Generation bestellen. Unsere Traktoren angesehen, Mähdrescher etc. - alles eine rundherum neue Erfahrung für mich.
Heute Abend waren wir noch ganz oben auf einem der Hügel lecker essen. Ich habe heute aus Respekt gegenüber meinen Verwandten und den Einheimischen heute mitgefastet. Bei mir sogar Extremfasting, weil ich heute vor Sonnenaufgang auch nichts gegessen hatte (ich bin einfach zu spät aufgewacht *g*). Also das heißt: Nichts essen und nichts trinken bis um ca. 18:43 Uhr Ortszeit. War hart aber ich habe es überstanden - TSCHAKKA. Natürlich reingehauen wie ein ausgehungerter Löwe *g* Da das Restaurant so schön oben liegt, konnte ich fast ganz Amasya von dort oben überblicken. Abends festlich beleuchtet in gelben, grünen und blauen Farben. Einfach nur traumhaft.
So - das war mein Bericht für heute. Wer sich übrigens fragt, wie ich in einem solchen Ort so weit vom Schuß einen ADSL-Zugang aufgetrieben habe: Ich habe einen ungeschützten WLAN-Zugang entdeckt *hihi* Ich gehe davon aus, dass das Hotel neben uns diesen Zugang (bewusst oder unbewusst ungeschützt) anbietet. Mich freuts - so kann ich euch das schreiben. Schlechtes Gewissen habe ich nicht, weil die Betreiber des Hotels auch entfernte Verwandte von mir sind. Also bleibt ja alles in der Familie
