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Mittelpunkt Mensch

Stellt euch vor, ihr seid Lokführer und fahrt seit mehreren Jahrzehnten mit der Lok für die Deutsche Bundesbahn bzw. später für die Deutsche Bahn. 1975 wirft sich eine Selbstmörderin vor euer Auto, als ihr auf dem Weg vom Dienst nach Hause ward. Im Juli 1993 und im April 1996 überfährt ihr mit eurem Zug jeweils einen Selbstmörder. Im Dezember 1996 kommt ein Kollege von euch bei einem Zugunglück ums Leben. Im Februar 1997 erlebt ihr als Mitfahrer im Führerstand eines Triebwagens einen Zusammenstoß mit einem Traktor, der sich in den Zug bohrt. Im Juni 2000 gerät dann ein Reisender zwischen den Bahnsteig und den von euch geführten Zug, was eine Schnellbremsung erforderlich macht. Und dann, im Oktober 2002 rutscht ihr mit eurem Zug an einem Bahnhof vorbei, weil eure Bremssysteme versagen.

Ziemlicher Horror, findet ihr nicht? Und jetzt stellt euch vor, ihr müsst die psychotherapeutischen Behandlungen, die sicher nur einen kleinen Teil eures Leidens lindern, selber bezahlen, weil das Bundeseisenbahnvermögen euch eine Erstattung der Behandlungskosten verweigert.

Unglaublich? Nein - genau das ist einem Mann passiert. Diesem ist es nun gelungen, vom Bundeseisenbahnvermögen mehrere tausend Euro einzuklagen. Das Verwaltungsgericht Münster entschied gegen die Bundesbehörde: Insgesamt füng Ärzte bescheinigten dem klagenden Lokführer "posttraumatische Belastungsstörung". Nach all den Ereignissen kein Wunder. Mir tut der Mann richtig leid...

Quelle: http://www.lawblog.de/index.php/archives/2006/10/10/mittelpunkt-mensch/
Ich denke nicht, dass sowas unterstützt werden sollte.

Reebock hat für kurze Zeit dort gearbeitet bzw. eine Ausbildung in diese Richtung gemacht mit unendlich vielen Belastungs-Test%27s, Psycho-Tests und Ähnlichem.

Das waren zum Anfang 40 Leute, nach 2 Tests nur noch 4 ... also die suchen sich ihre Angestellten knallhart da raus und sortieren sorgfältig aus. Zudem kommt, dass genau jene Tests 2x im Jahr wiederholt werden müssen, sowohl was die Psyche und auch die Fitness betrifft.

Strenge Regeln hat Reebock dort kennenlernen dürfen, punktgenau 5 von den 36 ausgemusterten Leuten sind an dem gesundheitlichen Test gescheitert, der Rest nur an denen, die Kopf und Gehirn betreffen. (Und das waren Leute, die diesen Job wirklich wollten, statt nur Arbeitslose, die dorthin geschickt wurden.)

Was ich so von ihm erzählt bekommen habe, ohne Flachs, ich hätte das nicht mal 10 Minuten durchgehalten, sie mussten es 3h über sich ergehen lassen.

Übernommen wurden letztendlich zwei, Reebock wurde nicht angenommen wegen sage und schreibe 3kg Übergewicht :-0

Tatsache ist auch, und das wurde mehrmals dort angemerkt, die meisten, die sich vor einen Zug werfen sind seit ca. 1985 selbst Zugfahrer/Begleiter, vorher hat man sich an Älteren Menschen gehängt, die einfach schon sehr viel durch Kriege und damalige Ereignisse gesehen haben und auf diese "Verlass" war. Erschreckend finde ich daran nur, dass wohl sowas erst jemandem passiert sein muss, damit man für diesen Job geeignet ist.

Auf gut deutsch : Du musst die Scheisse auf%27m Teller haben, genug Platz für%27s Essen lassen und dann genießen.
Boah ist das krass. Finde ich aber sehr interessant, wie du das geschildert hast. Ich denke gerade aufgrund dieser krassen Vorkomnisse werden die Leute auch so extrem aussortiert. Ob aber nun 3 Kilo Übergewicht zu einer Ablehnung führen sollte, darüber lässt sich streiten...sicher werden sie auch dafür ihre Gründe haben. Haben sie zu dem Punkt "Übergewicht" nichts konkretes gesagt?
Es wird kein Übergewicht toleriert - wir deren Maßstab danach aussieht, weiss ich nicht. Reebock hatte ganz zum Anfang schon 7kg eigentlich, aber er sollte vorerst versuchen, abzunehmen um dann wieterzukommen. (Toleranz lag daran, dass er eventuell als Techniker eher eingesetzt werden sollte.)

Sehstärke: Es gibt eine Durchschnitts-Rechnung in Deutschland von Sehstärken und davon mussten sie 110%25 erreichen. Hört sich kurios an, aber dort war jemand, der nach normalem Standard 98,9%25 Sehstärke hatte und rausflog deswegen.

Ich denke, dass so verstärkt kontrolliert und gehandelt wird, liegt einfach daran, dass Zugführer enorm viele Personen sicher transportieren müssen und soweit wir das mitbekommen haben, die Bahn für alles gerade stehen muss, sollte ein Zug-Unglück passieren und eben jene Fahrer nicht dem vorgegebenem Maße entsprechen. Bsp. Übergewicht -> erhöhte Herzinfarkt-Gefahr ... bezügl. den Augen muss ich nichts sagen und was die Kopf-Sache angeht, betrifft natürlich die oben genannten Selbst-Morde sowie bei einem Unglück genug Verantwortung für möglicherweise einen komplett vollgestopften Zug und dessen Insassen zu übernehmen.

Ich kann mich an einen Tag erinnern, als Reebock einen "Test-Tag" hinter sich hatte, nach 3 Stunden nach Hause kam und fast tot ins Bett umfiel, weil er garnicht mehr grossartig fähig war, was alltägliches aufzunehmen. Später erzählte er mir dann, was er alles tun musste. Ich weiss nicht, ob ich alles zusammen bekomme ..

Sie haben eine Geschichte über ein Mikrofon erzählt bekommen, mussten in der Zeit Abi-Stufe13-Matheaufgaben lösen, ab und an stoppte die Geschichte und es fiel ein Wort in anderer Stimmlage, welche sie sich zusätzlich merken mussten und dann kam es in den Worten noch darauf an, welche Buchstaben fielen. Beispiel : Kam ein S drin vor, musste sie auf einem Pult unter sich eine Farbe mit dem Fuß treten, dasselbe galt für 9 andere Buchstaben. Dies über eine Zeit von einer Stunde. Hinterher mussten sie die Geschichte wiedergeben und die dazwischen gefallenen Wörter (Worte waren es haargenau 25). Bezüglich den einzelnen Worten : Sie bekamen ein Blatt mit 50 Worten darauf die jeweils mit einem Bild noch gekennzeichnet waren und sie mussten dann die Hälfte, also 25, wiedergeben. Es gab natürlich kein nach oben und unten, weil es nur 25 Worte waren, aber zur Verwirrung wurden halt 50 vorgelegt.

Nun sagt mir einer, wer das alles schaffen würde. Eine Geschichte hören, Mathe-Aufgaben auf höchstem Standard (ohne Taschenrechner), Worte merken, auf Buchstaben in diesen achten und schauen, die richtige Farbe zu treten + später ersteres und letzteres wiedergeben zu können. Und das alles im Zeitraum von einer Stunde.

Das war jetzt Test 2/3 - nach diesem sind Besagte aus meinem letzten Post schon rausgefallen.
Mal schauen, wann ich Reebock mal wieder erreiche, ich könnte ihn nochmal fragen zu den anderen Tests, ich erinnere mich nur an diesen, da er äusserst kaputt nach dem war und wirklich oft darüber gesprochen hat, da er selbst nicht so recht glauben konnte, dass er den erfolgreich hinter sich bringen konnte. Im Letzten ging es vermehrt um Todesfälle, Selbstmorde, plötzliche udn unerwartete gesundheitliche Probleme bei Passagieren und natürlich Unglücke, die einem ganzen Zug passieren können. Allerdings hatte diese Ausbildung nicht nur schlechtes in sich ;)

Reebock war mal 5 Tage weg, ein Zentrum spezialisiert auf Züge und Bahnen besuchen in Meck-Pomm, es gab mehrere Ausflüge auch nach Sylt, wo sie mehr über Technik in diesen Gefährten erfahren durften und auch selbst mal ans Steuer konnten. Sie lernten interessante Menschen kennen von der Bahn direkt und die gesamte Ausbildung hat sowohl bei ihm als auch bei Anderen einen guten Eindruck hinterlassen.

Hinterfragt hab ich von mir aus mal, warum es soviele Straßen-Bahnen-Führer gibt, die eigentlich recht dick sind oder kleine Bäuche haben und auch oftmals n Zacken älter. Begründet wurde mir das, dass diese meist keine so hohe Verantwortung tragen, wie ICE-Fahrer + dass es oftmals private Eigentümer sind und diese sich nicht am Standard der Deutschen Bahn halten müssen.
tarantel schrieb:
Ich denke nicht, dass sowas unterstützt werden sollte.
Das kann ich nicht recht zuordnen - meinst du, der Mann hätte kein Recht bekommen sollen?
Abalone schrieb:
Das kann ich nicht recht zuordnen - meinst du, der Mann hätte kein Recht bekommen sollen?
In meinen Augen weiss jeder vorher, auf was er sich einlässt bzw. muss sich jeder vorher genauestens im Klaren darüber sein, was es bedeutet, einen solchen Job zu übernehmen.

Durschnittlich sieht jeder Bahnfahrer pro Jahr einen Selbstmörder auf "seinen" Linien, was nicht wenig ist.

Natürlich tut auch mir der Mann leid, natürlich finde auch ich es schlimm, was Ihm widerfahren ist, aber man muss ein so dickes Fell haben können. Das geht nicht anders, nicht in diesem Bereich. Und darum sagte Ich auch, dass ich es schade finde, dass man warscheinlich erst nen Kriegserlebnis gehabt haben muss, um dort arbeiten zu können.