Vor etwas über einem Jahr ging es einem Freund von mir sehr schlecht. Angefangen von seiner privaten desolaten Situation, ging es ihm finanziell (HartzIV) und gesundheitlich (Psychatrie) ganz und gar nicht gut. Obgleich ich in meinem Leben schon des öfteren schlechte Erfahrungen gemacht habe, jemandem aus seiner Misere rauszuhelfen, habe ich ihm den Vorschlag gemacht, ihm etwas Anfangskapital zur Verfügung zu stellen, damit er sich selbständig machen kann. Ich wäre an dem Geschäft dann nur mit einem Minderanteil beteiligt.
Das Geschäft lief und läuft bis heute sehr gut. Seine Depressionen, Krankheiten und finanziellen Miseren gehören der Vergangenheit an. Mein eingesetztes Kapital habe ich mittlerweile mehrfach durch monatliche Zahlungen zurückerhalten. Alles läuft gut...könnte man meinen.
Seit rund einem halben Jahr, fing er an, sich zu verändern. Wurde bei der Besprechung von Kosten und Investitionen arrogant und hochnäsig. Irgendwann rutschte ihm raus, das er mit unserem Geschäft noch Einnahmen erwirtschaftet, die er nicht mit mir teilt sondern nur für sich behält. Vor einigen Tagen dann meinte er, dass die Kosten, die er verursacht, zu hoch seien und er nicht einsieht, meinen Kostenanteil weiterhin in dem Maße zu tragen und das er eine Veränderung beschlossen hat.
Die Erfahrung, die ich (leider) nun schon mehrfach gemacht habe: Viele Menschen verändern sich, wenn sie erfolgreich(er) werden und es ihnen besser geht. Sie vergessen, wem sie das zu verdanken haben und verlieren den Respekt. Arroganz, Scheinheiligkeit und Misstrauen sind die Folge. Wir haben gestern lautstark am Telefon diskutiert und nach einer Nacht Schlaf ist mir klargeworden, dass ich ihn nicht weiter tragen kann und möchte. Ich werde aus dem Geschäft aussteigen. Zwar trenne ich normalerweise strikt berufliches und privates, doch das ist bei den Dingen, die er sich mir gegenüber geleistet hat, nicht mehr möglich.
Hilfsbereit bin ich noch immer und werde es sicher auch weiterhin sein. Und doch werde ich mir das nächste Mal noch ein wenig mehr Gedanken darüber machen, ob es die Person wirklich wert ist, dass ihr geholfen wird. Was mir am Schluß bleibt ist die Tatsache, dass ich jemandem aus seinem Tiefpunkt herausgeholfen habe. Und das ist doch eine wirklich gute Tat...oder nicht?
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