Immer wieder, wenn in Deutschland ein solcher Fall auftritt wie in den vergangenen Tagen, dann treten unsere Politiker wie immer auf die Showbühne. Dabei wird der brave Bürger mit Klischees und dummen Aussagen konfrontiert, die dann sogleich von fast allen Medien anstandslos übernommen werden, ohne an diesen Aussagen wirkliche Kritik zu üben.
Es fängt schon damit an, dass hier ein Begriff von Killerspielen verwendet wird um auch gleich eine bestimmte Meinung in der Bevölkerung zu bilden. Der Begriff Killerspiele ist tatsächlich schon so dermaßen negativ besetzt das es schwer fällt etwas dagegen zu sagen. Und doch sind diese "Killerspiele" den meisten Leuten, die diese Spiele spielen, unter anderen Namen bekannt: Ich nannte sie Ballerspiele, manche nennen sie einfach nur CS und wieder andere verwenden dafür ganz andere Kürzel. Ich glaube kaum ein Jugendlicher oder Erwachsener hat sein Spiel als Killerspiel bezeichnet. Eine schöne Wortschöpfung zur Erreichung der selbst gesteckten Ziele unserer Politiker: Weg mit dem Dreck.
Dabei wird zumeist (bewusst) übersehen, dass es mitnichten diese Spiele sind, die eine alleinige Rolle in solchen Taten spielen. Die Geschichte, die wir hier im aktuellen Fall gesehen haben ist sicher sehr tragisch aber nicht alleine einem Spiel zuzuordnen. Seien wird doch mal ehrlich: Die Welt wird insgesamt gewalttägiger und die Medien zeigen mehr Sex, Porno und Gewalt als dies früher der Fall gewesen ist. Immer mehr Eltern kümmern sich nicht in dem Maße um ihre Kinder sondern denken dass Fernsehen oder Internet die Rolle der Erziehung übernehmen kann. Gerade die Medien sind es jedoch, die den Kindern und Jugendlichen eine ganz andere Welt aufzeigen: Waffen sind cool! Mit Waffen kann man mächtig sein und anderen Menschen Angst machen. Mit Waffen kannst du Angreifer töten und wenn dir etwas nicht passt, dann ziehst du einfach deine Waffe.
Und doch sind nur ein Bruchteil von allen Menschen, die diese "Killerspiele" spielen oder gespielt haben, so krank um sie in die Realität umzusetzen. Warum eigentlich? Vielleicht liegt es daran, dass es eben doch nicht nur an diesen Spielen liegt? Vielleicht liegt es überhaupt nicht an den Spielen. Vielleicht sind die Schulen, der Staat, die Medien und die Erziehung der Eltern gemeinsam schuld daran? Ich denke, da ist was wahres dran. Aber das wird man nicht hören von unseren Politikern die mit ihren großen Parolen Forderungen von Dingen erheben, von denen sie offensichtlich keine Ahnung haben.
Ich selber habe als Kind schon Spiele gespielt, die sicher nicht für mein Alter freigegeben waren. Auch Filme wie Nightmare on Elm Street oder andere harte Streifen habe ich mir als Kind schon angesehen. Nicht, weil meine Eltern es wussten oder mir gar erlaubt hätten. Als Kind hat man eben auch seine Möglichkeiten, Dinge vor seinen Eltern geheim zu halten. Meiner Entwicklung hat es nicht geschadet. Ich bin ein normaler erwachsener Mensch, der seinem Beruf nachgeht, Freundschaften pflegt, anderen Menschen hilft und sein Leben lebt. Ich habe weder vor, Menschen umzubringen noch traue ich mir zu, so etwas überhaupt in die Tat umsetzen zu können. Und doch habe ich die sog. "Killerspiele" früher massig gespielt. Aber es waren Spiele, nicht mehr.
Und es wird kommen, wie es immer kommt: Die große Diskussion in den Medien ist losgegangen. Einige Wochen lang dreht es sich nur um das Thema. Wünsche nach Verboten werden hochkommen und einige Politiker werden wie immer versuchen, sich zu profilieren. Das Thema kocht hoch und verschwindet dann genauso schnell, wie es gekommen ist. Und anstatt etwas an den anderen Themen wie Erziehung, Medien oder Schule zu ändern, wird gar nichts passieren. Bis zum nächsten Vorfall. Und dann geht es wieder von vorne los.
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