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Von Sündenböcken, einer Gesellschaft mit zwei Gesichtern und Lemmingen

Ist das eigentlich krank? Hier etwas, was mich schon seit einigen Wochen beschäftigt:

Zitat einer Webseite vom 21. November: "Bildergalerie: Amoklauf an Schule in Emsdetten >> mehr"

Lasst diesen Text mal kurz auf euch wirken. Was denn noch? "Pikante Details: Wie der Amokläufer nackt aufs Klo ging und dabei lachte >> mehr Schwachsinn"

Das ist absolut paradox. Beim Wort "Galerie" denke ich an etwas nettes, schönes. Da hat jemand etweder sein Gehirn ausgeschaltet, es mit Absicht gemacht (Provokation) oder sich einfach mal (entschuldignung) aufgegeilt an der Story. Oder aber: Man muss als Journalist nicht mehr lesen & schreiben können.

Dass unsere Gesellschaft immer wieder stur nach Sündenböcken sucht und sich die bescheuerten Politiker schnell damit ins Rampenlicht rücken macht mich ebenfalls krank. Wie gut dass es an jenem Tag (des Amoklaufs) schon morgens die ersten TV Umfragen gab mit der Überschrift "Sollen Killer-Videospiele verboten werden?". Da ist mir glatt das Frühstück wieder hoch gekommen. So eine idiotische Polemik. Die sollten eher zusehen dass dieses Aufgeilen der Meiden an Tragödien aufhört -- und sich die Eltern mehr um Ihre Kinder kümmern, statt Erwachsenen vorzuschreiben ob in ihrem Videospiel eine Kunstfigur angeschossen wird. Denn dann will ich nämlich auch kein Tom & Jerry aufgespießt sehen, Tatort im TV und schon gar nicht "The Hills have Eyes" auf DVDs in der Videothek. Allein das Wort "Killer-Spiele" ist so blöd dass es fast weh tut. DAS sollte man verbieten.

Spiele sind Fantasiegebilde. Die magenumdrehende Berichterstattung und diese verdorbene Mediengeilheit dagegen ist real.

Rafael
Zu diesem Thema folgender Link:

http://www.uni-potsdam.de/pressmitt/2006/pm215_06.htm

Gruß
Dass jemand, der grundsätzlich Gewaltpotenzial hat duch einen Horrorfilm oder ein besonders brutales Spiel "enthemmd" wird, ist nichts neues. Mir geht es vielmehr darum aufzugreifen wie sehr das Thema selbst zum Spielball wird -- und vor allem welche Formen der "virtuellen" Gewalt noch gefährlicher ist - z.B. ein Foto mit im duzend aufgereihten Waffen um zu zeigen mit welchen Mitteln jemand umgebracht wurde - wie mal auf der ersten Seite einer bekannten Zeitung zu sehen war. Dass die wenigsten Politiker tatsächlich mal ein Spiel in den Händen hielten oder gar wirklich persönlich wollen, dass "Killer-Spiele" verboten werden, glaube ich nicht. Tatsächlich ist es eher der Wunsch mit deftigen, schockierenden und wirksamen Überschriften die Wähler zu motivieren. Frag mal meine Oma ob sie das gut findet, dass der Stoiber Killer-Spiele verbieten will. Dann frage sie was ein Killer-Spiel ist.

Rafael