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Zusammenhang zwischen Beruf und privatem Verhalten

Gestern Abend habe ich mir Gedanken über den Zusammenhang zwischen Beruf und privatem Verhalten gemacht. Dabei ist mir aufgefallen, das ich in meinem Leben schon öfters mit Menschen zu tun hatte, die sich nicht so verhalten haben, wie ich es vielleicht erwartet hätte. Prinzipiell ist das ja eher was positives - man lernt dazu und kann mit dem Wissen um diese Geschehnisse spätere Stolpersteine gut umgehen. Auf der anderen Seite überrascht es mich doch, warum der simple Satz "Was du nicht willst das man dir tu%27, das füge keinem anderen zu" in ernsten Situationen doch so selten beherzigt wird. Oder umgekehrt: "Behandle jeden Menschen so, wie du auch selber behandelt werden möchtest".

Nun, kein Mensch ist perfekt und ich sicher auch nicht. Keinesfalls soll der Eindruck erweckt werden, dass ich die Schuld gerne bei anderen suche. Dem ist nicht so. Ich habe jedoch in diesem Zusammenhang darüber nachgedacht, ob die "privaten" Reaktionen eines Menschen auch daran messbar sind, in welchem Beruf er arbeitet. Sehen wir zum Beispiel eine Krankenschwester oder einen Altenpfleger. Diese Menschen arbeiten in sozialen Berufen, also sind sie (zumeist) sicherlich mit guten sozialen Fähigkeiten ausgestattet. Sie müssen mit anderen Menschen zusammenarbeiten, einfühlsam sein und mit Schwächen und Krankheiten gut umgehen können. Auf der anderen Seite sehen wir zum Beispiel Makler, Vertriebler oder zum Beispiel Versicherungsvertreter. Diese Menschen bauen ihr Berufsleben darauf auf, dass sie sich auf sich selber verlassen. Ihre Stärke ist das Zielstrebige. Sie arbeiten auf ihr Ziel hin und nehmen dabei auch Verluste in Kauf. Wer sich ihrer Meinung nicht beugt, wird zurückgelassen. Große (finanzielle) Erfolge und Gewinne sind ihr Ziel.

In meinem persönlichen Umfeld habe ich in meinem Leben hauptsächlich mit der zweiten Gattung zu tun gehabt. Und obgleich mein beruflicher Hintergrund sicher auch eher der zweiten Gattung entspricht (ich habe meine Ausbildung in einem Wirtschaftsprüfungsunternehmen gemacht und habe später auch für Banken gearbeitet) so bin ich Jahr für Jahr mehr von dem Gedanken Geld, Macht und Karriere abgewichen. Warum? Weil mir persönlich der Umgang zwischen den Menschen zu unehrlich wurde und dem Thema Geld eine immer höhere Bedeutung zukam. Mehrfach habe ich erlebt, dass Freundschaft und Beruf immer dann nicht funktionierten, wenn es auf einmal um das Thema Geld ging. "Spätestens beim Thema Geld hört die Freundschaft auf" heißt es so schön. Und vielleicht hat auch der eine oder andere von euch schon einmal eine entsprechende Erfahrung gemacht.

Wenn ich nun darüber nachdenke, was für Erlebnisse ich in meinem Leben mit Freunden und Bekannten hatte, dann kann ich ein paar Geschichten darüber erzählen, bei denen sich Menschen eher für ihr Geld, ihre Macht oder ihre Karriere entschieden haben, anstatt auf Ehrlichkeit, Offenheit und Zusammenhalt zu setzen.

Es gibt nur wenige Menschen in meinem persönlichen Umfeld, bei denen ich nicht das Gefühl habe, dass sich ihr Leben vornehmlich um ihr eigenes Wohl dreht. Mit den Menschen, bei denen ich das Gefühl habe, ist der Kontakt nicht sonderlich ausgeprägt. Man kennt sich, unterhält sich mal aber das war es dann auch. Doch warum sind diese Menschen so? Vielleicht liegt es daran, dass die meisten dieser Menschen eben Vertriebler, Banker oder andere Menschen waren, die einfach gelernt haben, egoistisch zu sein, weil sie in ihrem Berufsleben sonst nicht vorankommen würden.

Mein Problem ist: Mir fehlt momentan die andere Perspektive. Wie sieht es aus mit Menschen, die eben nicht diesen Bekannten- und Freundeskreis haben, wie ich ihn habe. Habt ihr das Gefühl, dass von mir aus Personen, die als Werber in Werbeagenturen arbeiten, privat eher andere Menschen sind als Personen, die ihr Geld an der Börse verdienen? Oder das Polizisten privat eher ehrliche Menschen sind als Versicherungsvertreter? By the way: Ich meine keinesfalls, dass alle Personen so oder so sind. Aber vielleicht entdeckt ihr ja auch eine Tendenz in dem Verhalten dieser Menschen. Oder aber es gibt keinerlei Zusammenhang. Freue mich auf eure Meinung zu dem Thema.
Durch verschiedene Freundeskreise, die in beiden Gattungen zu Hause sind, konnte ich oft gleiche Beobachtungen machen. Menschen, die in ihrem Beruf oft mit Geld zu tun haben, legen auch privat einen großen Wert auf das Materialistische. Allerdings soll das nicht heißen, dass es immer so ist. Gott sei Dank gibt es genügend Beispiele in meinem privaten Umfeld, die trotz Geld-Beruf privat die Harmonie und die Geborgenheit bevorzugen und deren soziale Fähigkeiten ausgeprägt sind. Und das finde ich sehr schön, dass sie Beruf und Privatleben in ihren Charakterzügen meist trennen.

Menschen aus meinem persönlichen Umfeld, die eher in sozialen Berufen arbeiten, sind meist auch sozial veranlagt. Trotzdem lässt sich auch hier nicht unbedingt sagen, dass diesen Bekannten und Freunden Geld und Karriere nicht wichtig sind. Aber sicher unwichtiger als soziale Kontakte.

Ich persönliche habe schon im Verkauf, bei einer Bank, in einer Werbeagentur gearbeitet und aktuell bei einem Anwalt. Eigentlich alles Berufszweige, die eher in Alpers zweite Kategorie fallen. Aber die, die mich kennen, wissen glaube ich, dass ich eine große soziale Ader habe und mir die Menschen sehr am Herzen liegen, vor allem die, die ich zu meinen engeren Freunden zähle. Vielleicht hab ich auch einfach den falschen Beruf erlernt. ;-)

Ich denke, es hängt nicht nur vom Berufszweig ab, ob man eher sozial oder materialistisch eingestellt ist. Es ist auch eine Charakterfrage. Wie ist man als Mensch? Und auch die Erziehung spielt eine wichtige Rolle. Mir wurde stets ins Gedächtnis gerufen, dass soziale Bindungen wichtiger sind als Geld und Macht. Dass eine ausgewogene Balance zwischen beiden Gattungen bestehen sollte. Eine Kombination aus Beiden sozusagen. Wobei eine Gattung etwas stärker ausgeprägt sein sollte.

Menschen, die in einer Werbeagentur arbeiten, konnte ich bisher fast nur als extrem stressmachend und weniger sozial einstufen. Auch Ihre Ausgeprägtheit, was Geld angeht, war sehr groß. Aber das kann in anderen Werbeagenturen zum Beispiel schon wieder ganz anders aussehen.

Grundsätzlich sollte gelten, dass man nicht alle Menschen über einen Kamm scheren sollte.

Geld und Freundschaft sind zwei Begriffe, die auch miteinander harmonieren können. Ich persönliche hatte Gott sei Dank noch nie gravierende Probleme, wenn beide Faktoren aufeinandertreffen.

Wichtiger ist für mich jedoch:
Freundschaften sind wichtiger als Geld und Karriere. Geld kann zwar beruhigen, aber was bringt Geld und Erfolg, wenn man niemanden hat, der sich ehrlich darüber mit einem freut? Ich stelle es mir grausam vor, wenn man für seinen Erfolg "bewundert" wird von Menschen, aber hinterrücks der blanke Neid aus einem spricht. Dann lieber weniger Geld, aber dafür Menschen, auf die man sich verlassen kann und die für einen da sind, genauso wie man für sie da ist. Weil mit Geld kann man keine echte Freundschaft kaufen.

Liebe Grüße
Franzi
Ich denke, im Grunde sind wir hier ja alle einer Meinung: Sozialeingestellte, offene und ehrliche Menschen mag jeder mehr, als die karrieregeilen, die sich durch ihren Jahresverdienst und ihren beruflichen Erfolg "auszeichnen" und meist noch ziemliche Egoisten sind.

Wenn beides klappt, super!
Allerdings ist das ziemlich selten, wobei ich ganz klar sagen muss, dass mich meine (berufliche) Erfahrung bisher eins gelehrt hat: Die, die schon immer vermögend waren (reiche Vorfahren, etc.) sind meist angenehmere und freundlichere Zeitgenossen, als die "Neureichen", die schnell und plötzlich an viel, viel Geld gekommen sind. Die heben meistens total ab und halten sich wirklich für absolute Supermenschen.

Im Grunde sagen diese beiden Sprichwörter alles:

1. Geld allein macht nicht glücklich (genau wie Franzi sagte)
und
2. Geld verdirbt den Charakter
Prinzipiell stimme ich dir zu, habe selber jedoch andere Erfahrungen bzgl. vermögenden Menschen gemacht. Gerade Einzelkinder, die aus wohlhabenderen Familien kommen, neigen meiner Ansicht nach ganz klar zum Egoismus. Vielleicht deswegen, weil sie anstatt sozialer Kontakte durch Geschwister oder Freunde eher mit einem Hang zu materiellen Inhalten aufgezogen wurden. Aber das mag bei Familien mit mehreren Kindern anders sein.

Meine Eltern brachten mir bei, dass ich die Themen Geld und Freundschaft niemals verbinden sollte. Und dennoch habe ich es einige Male getan und habe auch daraus meine Lehren gezogen. Ich habe manchen viel Geld gegeben und habe es nicht wiederbekommen. Bei anderen hingegen habe ich es zwar wiederbekommen aber es gab Streit deswegen. Geld ist kein Thema, welches ich gerne bespreche. Auf der anderen Seite ist es notwendig, dass man sich damit befasst. Schließlich möchte man ja gut damit leben und ein schönes Leben haben. Aber andere deswegen zu verkaufen oder zu betrügen würde mir selber niemals in den Sinn kommen. Habe, was das angeht, einfach ein viel zu weiches Herz.

Ich mache mir oft darüber Gedanken, ob ich doch nicht meine beruflichen und persönlichen Stärken nutzen sollte, um im sozialen Bereich etwas aufzubauen und zum Erfolg zu führen. Aber irgendwie habe ich auch große Angst davor. Ich kenne mich im sozialen Bereich eben nicht aus und kenne leider auch nicht allzu viele Leute, die sich damit befassen. Gleichzeitig habe ich auch Angst davor, diesem Druck nicht gewachsen zu sein. Ich meine da sind Menschen, die haben _wirkliche_ Probleme und nicht solche, bei denen wir schon meinen, es wären welche.
Ich kann gar nicht genau sagen, wie oft ich mich beim Träumen von viel, viel Geld erwische. Geld scheint manchmal die Lösung aller Probleme zu sein. Gute Freunde und die Liebe sind meine bisherigen Reichtümer, was würde aus mir werden, wenn ich nun zusätzlich noch unzählbar viel Geld hätte? Würde sich mein Charakter wirklich ändern? Ich war immer jemand, der durch seine (undiplomatischen) Äußerungen angeeckt ist, verbale Rebellin und Kämpferin für Recht und Gerechtigkeit. Das einzige was sich daran bis heute geändert hat ist die Wortwahl und das Gefühl fürs Gegenüber. Man muss einfach wissen mit wem man wie reden muss. Soviel zu meinem Charakter. Würd ich total abheben? Mich für was besseres halten? Durch Fleiß und bestimmt auch Glück kann ich mir heute einen wirklich wesentlich besseren Lebensstandart leisten, als ich es von zuhause aus gewohnt bin. Halt ich mich deswegen schon für jemand "besseres"? Ich denke nicht. Ich genieße es nur mehr, weil ich mir heute all die Dinge leisten kann, auf die ich als Kind/Teenager verzichten musste. Und das tue ich tatsächlich... ich hab mir letztens zB ein paar bestimmte Schuhe gekauft, für die ich mit 14 gestorben wäre *gg* Ich vermute, dass ich persönlich mit mehr Geld verantwortungsvoll umgehen würde und nicht total abhebe (zumindest wenn alles gut geht, aber das weiß man ja nie) und versuchen würde etwas zurückzugeben. Und ich glaube, das ist der Unterschied den Du, Alper, gemeint hast. Ein Jemand, ein Sohn (von Beruf quasi) kennt es nicht anders, nimmt die Dinge als selbstverständlich an und Werte zeigen sich nur in Euro mit vielen Nullen.

Und da frag ich mich wirklich was einen reicher macht; Geld oder die vielen kleine Dinge zu sehen, die das Leben wirklich lebenswert machen?!