Die Folgen der Pisa-Studie
Oktober 2009: Während die Kultusministerkonferenz noch über die Pisa-Studie von 2001 brütet und überlegt, ob sie den Deutschunterricht nicht gleich ganz abschaffen soll, häufen sich eigenartige Zeichen in den Städten, aber auch in öffentlichen Einrichtungen. Wo früher noch der Hinweis Eingang stand, findet sich schon längst ein Schild mit einer geöffneten Tür und einem Pfeil. Oder an Stelle der Wörter Betreten verboteneine Tafel mit einem großen Schuh, der durchgestrichen ist. Dies führte in der Anfangszeit noch zu einer sprunghaften Häufung barfuß laufender Menschen.
Fast unbemerkt blieb die Ankündigung Bayerns, die Schulbibliotheken wegen stark gesunkener Frequenz zu schließen. Es gab dort ohnehin keine lesbaren Bücher mehr. Mehr Aufmerksamkeit hingegen erregte die Pressemitteilung von Pokémon Gruber, dem 23-jährigen Vorstandvorsitzender der German Fun AG, man sei dabei, den Duden in Gameboy neu zu devenierenund anschaulich zu beschildern. Bei schwierigen Begriffen wie z.B. Lesekompetenz werde man mit bekannten Künstlern wie Verona Feldbusch zusammenarbeiten, immerhin kann Zlatko nichts dafür, dass er nicht Herr seiner eigenen eingedeutschen Eindrücken ist.
Doch da kam die neue Pisa-Studie im Januar 2010. Die jüngsten Hochrechnungen hatten eine Analphabetenrate von 39 Prozentbefürchten lassen. In Wirklichkeit waren es jedoch nur 38,2 Prozent. Vorher war schon bekannt geworden, dass die Anzahl der IT-Ingenieure, die innerhalb von 30 Minuten fünf Zeilen á 60 Zeichen eines eigenen Textes verständlich schreiben konnten, von 21,4 auf 22,9 Prozent gestiegen war. Und Deutschland hatte unter den 38 geprüften Nationen immerhin Neuguinea, Pakistan und Peru hinter sich gelassen. Es ging sichtlich aufwärts! Die Kultusminister beschlossen sofort, die weiteren Verhandlungen zunächst einer Findungskommission zu übertragen, die dann der Formulierungskommission bis 2013 Bericht erstatten solle. Gründlicher konnte man nun wirklich nicht vorgehen.
So war es denn nur ein unglückseliger zeitgleicher Zufall, das ein 13-jähriger Junge beim versehentlichen Mitnehmen eines Computerspiels in einem Kaufhaus ertappt wurde. In seinem Computer fand man eine sechs Wochen alte E-Mail: hei ernie must nicht draurig sein bin auf bissnes reise wen ich zurük bin krigst du neues computer spil, heist big bissnes und dazu handy wo du mir nachrichten schiken kannst mit SMS, dein papa.
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