Heute rauche ich nicht mehr. Aber eine zeitlang tat ich es - wobei man es wohl eher nur "paffen" nennen kann, denn ich konnte nicht "auf Lunge" rauchen, weil ich sonst Atemnotanfälle bekam (hatte als Kind Pseudokrupp, das scheint meine Bronchien/Lungen geprägt zu haben

). Warum habe ich es dann überhaupt getan? Das erste Mal griff ich zur Zigarette in der Zeit kurz vor dem Abi (also 1994) - zuhause hing der Segen gewaltig schief, psychisch war ich nicht recht auf der Höhe - da fuhr ich eines nachmittags allein mit dem Auto ziellos durch die Dörfer, einfach um dem Stress zuhause zu entfliehen, und dann hielt ich an einem Zigaretten-Automaten. Ich hatte vorher jedes Ziggi-Angebot in der Schule abgelehnt und hielt vom Rauchen eigentlich nicht viel - aber in dem Moment brauchte ich etwas, daß mich ... hm, keine Ahnung - beruhigt, ich weiß nicht, wie ich es anders beschreiben soll. Drogen in der Art wie Hasch o.ä. waren damals noch weit von meiner Welt entfernt, so etwas kam mir gar nicht erst in den Sinn. Daher fiel meine Wahl eben auf eine Droge, die frei und einfach zu erhalten ist. Ob es dann wirklich die Zigaretten waren oder meine Einbildung, auf jeden Fall gab mir das "Paffen" meine Ruhe wieder. Ich paffte dann sehr unregelmäßig über etwa ein dreiviertel Jahr - wenn ich mich unter Druck fühlte, griff ich zur Ziggi, wenn es mir gut ging, lies ich die Finger davon. Warum ich irgendwann ganz aufhörte, weiß ich nicht mehr, wahrscheinlich konnte ich mich mittlerweile doch auch selbst unter Kontrolle halten. Zwei Jahre später fing ich dann wieder an, aber nur "leicht", heißt: immer nur, wenn ich mit anderen abends unterwegs war und Alkohol getrunken wurde - irgendwie kam da plötzlich wieder das Verlangen. Also wurde die Ziggi dann zum Alkohol-Begleiter. Allerdings hielt die Phase auch nicht sehr lange an, vielleicht ein Jahr, dann hatte ich erstmal wieder genug von den Glimmstengeln.
Dann nahm das Leben wieder schwierige Pfade - und ich griff wieder zu, nicht nur abends, nicht nur ab und an, sondern täglich - und diesmal kam ich auf den Geschmack von Zigarillos und selbstgedrehten, filterlosen Ziggis

Das hielt wieder etwa ein Jahr an, zum Ende hin nahm auch der Konsum ab. Ich wurde innerlich wieder ruhiger, also sank mein Verlangen nach den Dingern.
Seit fast vier Jahren habe ich nun keine Zigarette mehr angerührt. Aber auch heute spüre ich manches Mal wieder den Drang, in den Laden um die Ecke zu springen und mir wieder welche zu holen - allerdings werde ich es sicher nicht mehr tun. Dafür wurde ich zu deutlich mit dem Thema Krebs konfrontiert (leider auch gerade wieder aktuell) - wenn man miterleben muss, wie Menschen, die unverschuldet von dieser Krankheit heimgesucht werden, leiden und wenn man sich mit dem Thema Tod intensiv auseinandersetzen muss(te), dann wäre man wirklich absolut bescheuert, wenn man sich wissentlich und freiwillig einem
enorm erhöhten Krebsrisiko aussetzt.
Ich bin keine militante Nichtraucherin - wer für sich entscheidet, daß es in Ordnung ist, soll rauchen. Aber diese Entscheidung sollte wirklich einmal
bewusst getroffen sein - also nicht einfach ohne Beschäftigung mit den Folgen zu den Glimmstengeln greifen, weil es in der unmittelbaren Umgebung alle tun, man dazu gehören möchte, man sich davon verspricht, sich besser zu fühlen, oder was es auch immer für Gründe geben mag. Die durch das Rauchen verursachten gesundheitlichen Schäden dürften heutzutage jedem geläufig sein - und sie sind keine bloßen Theorien, sondern bittere Realität! Dessen muss man sich bewusst sein.
Was ich allerdings nicht verstehe (besser: nicht verstehen will): die Folgen des Zigaretten-Konsums sind bekannt und anerkannt - mittlerweile kommen Kläger mit ihren Anklagen gegen die Tabakindustrie vor Gericht durch - warum gibt es diese Droge dann immer noch frei erhältlich in jedem Supermarkt? Selbiges gilt für Alkohol. Beides, Alk und Ziggis, macht süchtig und zerstört den Körper, nachweislich - und dennoch werden sie nicht aus dem Verkehr gezogen - das kann ich nicht begreifen. Ja, es ist wieder die Wirtschaft, die ein Verbot verhindert - aber so etwas kann ICH zumindest nicht akzeptieren, und es ist für mich nur ein kleiner Stein in einem riesigen Mosaik, welches als Ganzes gesehen offenbart, das in unserer Welt NICHTS mehr in Ordnung ist.
*es grüßt* Abalone