Also ich weiß, dass 1+1=2 ist, aber ich glaube es nicht, ich weiß es, bis es widerlegt wird
Das 1+1=2 ist, ist kein empirischer Satz und daher auch nicht empirisch wiederlegbar. Es handelt sich um ein unbeweisbarer Satz der als wahr angenommen wird, ein Axiom der Mathematik eben. Da wir ihn als wahr annehmen, können wir auf ihn aufbauend weitere Sätze ableiten, die nun nach Schlußverfahren an die Axiome geknüpft sind. Diese Schlußverfahren selbst können wir zum Gegenstand unserer Betrachtung machen, aber ebenfalls nicht beweisen.
Die Fähigkeit zu erkennen, daß eine Sache einer anderen gleicht, das 1=1 ist, ist eine Grundfähigkeit unseres Gehirns, welche wir nicht auf ihre Richtigkeit hin überprüfen können. Mithin sind die Grundlagen der Mathematik nicht wissenschaftlich oder mathematisch bewiesen worden, sondern intuitive, angeboren Fähigkeiten des Verstandes. Das wir diese Axiome als "wahr" empfinden ist wohl am ehesten noch als ein Gefühl zu bezeichnen und keine Verstandesleistung. Dafür spricht auch die Beobachtung von Wissenschaftler, das bereits Kleinkinder auf fehlerhafte Rechenaufgaben anders reagieren als auf richtige. (Wenn dazu genauere Information gewünscht werden, muß ich erst nochmal nachrecherchieren, die Quelle ist mir entfallen)
Die Unbeweißbarkeit der Axiome ist grundsätzlich (Gödels Unvollständigkeitstheorem).
Die Mathematik basiert neben den alten Axiomen der Mengenlehre im wesentlichen auf den Axiomen von Peano und ZFC, die nicht beweisbar sind!
(in deinem straßenbeispiel, sam, hast du gewusst, wo dein bekannter wohnt, bis du widerlegt wurdest!) Du könntest z.b., auch wenn du es inzwischen "besser" weißt, immer noch glauben, er wohne in der haberguck straße. Wäre für mich kein widerspruch.
Ich habe es gewußt, in dem Sinne, daß ich davon ausging das er dort wohnt. Im Grunde war es ein einfacher Glauben, ich hatte keinerlei Beleg dafür, daß er noch aktuell da wohnen würde. Es war lediglich eine Frage der Wahrscheinlichkeit die mich glauben lies, daß die Adresse noch stimmt.
Nachdem ich ihn festgestellt habe, daß er nicht mehr da wohnt, werde ich auch nicht mehr glauben das er da wohnt, es sei denn ich vermute eine Heimlichtuerei, zB. das er mir nur einen neuen Wohnort vortäuchen will.
Du scheinst Glauben als ein Willensakt zu interpretieren, aber sich zu einem Glauben zu zwingen ist ein Prozeß der Gehirnwäsche, der nicht durch ein einfacher Entschluß zu handhaben ist.
Letztendlich ist es eine gesellschaftliche Konvention wie der Begriff Wissen gebraucht, meineserachtens wird er in der Regel gebraucht, um einen besonders starken Glauben anzuzeigen. Die Interpretation des Begriffs Wissen, als objetkives Wissen, in dem Sinne, daß man 1:1 die Sachen wiedergebe halte ich für unhaltbar.
Gruß
Sam