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Ritalin-Drogen für Kinder?!

@nucleus


Ich denke, dass man den Fall, den ich genannt habe nicht verallgemeinern sollte, aber ich lasse mich trotzdem nicht auf deine Seite ziehen. Von Ritalin halte ich nach wie vor nichts, gestehe es aber Eltern durchaus zu, wenn jegliche andere Möglichkeiten erschöpft sind. Bei meinem Beispiel herrschte ein sagen wir mal unordentliches soziales Umfeld, was die Hyperaktivität noch verstärkte. Deutlich ist aber geworden, dass auch diese sehr eingeschränkt werden kann durch klare, ordnende Strukuren, die auf das Kind eingestellt worden sind. Viele Eltern greifen aus meiner Sicht zu Ritalin aus Bequemlichkeit, da es ja so einfach ist das Kind ruhig zu stellen. Es gibt immer Sonderfälle, in denen es wahrscheinlich nicht anders möglich ist, aber meistens tut man dem Kind keinen Gefallen damit. Ich habe durch meine Freundin natürlich andere Kinder mit dem gleichen Problem kennen gelernt und auch diese sind ohne Ritalin im Alltag händelbar gewesen. Jeder der solch ein Kind hat, sollte aber meiner Meinung nach selber entscheiden, wie er mit Medikamenten umgehen möchte. Diese Entscheidung muss aber, wie ich finde, durch ausführliche Informationen, individuelle Einschätzung der Situation, Absprache mit verschiedenen Ärtzen oder Institutionen, getroffen werden. Für mich ist klar, dass Ritalin die letzte Lösung wäre. Meine Schwester hat auch eine klar diagnostizierte leichte Hyperaktivität und sie war auch händelbar. Bevor ich nicht Möglichkeiten wie Montessori oder Waldorf ausgenutzt habe, bin ich mir sehr sicher, dass so etwas für mich nicht in Frage käme....


Ganz wichtig ist mir aber, dass ich niemanden verurteilen möchte, der zu diesem Medikament (Droge) greift. Für mich ist klar, dass Ritalin ein Psychopharmaker ist, dass süchtig macht. Solange ich nicht mein Kind aus einer reizüberfluteten Welt genommen hätte, Möglichkeiten neben den konventionellen Kindergärten, Schulen und Arbeitsplätzen gesucht hätte und z.B. Therapien wie die Reittherapie ausprobiert hätte, würde ich niemals Ritalin anwenden. Es wäre absolut die letzte Lösung...
Deine Denkweise und deren Reíhenfolge ist richtig, aber die Ausnutzung von Möglichkeiten a`la Montessori und Waldorf Pädagogik ist ein sehr aufwendiger, kraftraubender Prozess, der selbst bei höchstem Einsatz der Eltern scheitern kann, weil Plätze dieser Art zahlenmässig eng begrenzt sind.

Was Deine Mutmaßung über Rückgriff auf Ritalin aus Bequemlichkeit angeht:

Zustimmung !

Ja, das gibt es, auch gibt es das erschreckend häufig, aber sollte sinnvollerweise dennoch nicht pauschalisiert werden.
Nucleus ich stimme dir in allen Punkten zu. Natürlich ist es ein großer Kraftaufwand sich gerade in den nicht alltäglichen Bereichen wie Montessori oder Waldorf zu bewegen, weil dort sehr viel Eigeninitiative gefordert wird und ich kann auch verstehen, dass das vielen Eltern einfach zu viel Stress oder ein zu großer Zeitaufwand ist. Ich heiße das jedoch nicht gut, obwohl ich Verständnis hege. Jeder der Kinder in die Welt setzt, muss sich mit dem Gedanken befassen, dass diese bestimmte Defizite oder Behinderungen aufweisen. Komme ich mit diesen nicht klar, gibt es Institutionen, an die ich mich wenden kann und um Hilfe bitten kann oder ich kann das Kind in Pflege geben. Wenn ich mich dazu entschieden habe dieser Aufgabe selber Herr zu werden, dann doch bitte mit allen Konsequenzen. Betonen möchte ich auf jeden Fall, dass diese Sichtweise der Dinge wirklich eine subjektive ist und jeder selbstverständlich sein eigenes Model oder seine eigene Art, Situationen zu händeln entwickeln kann/ sollte. Für mich persönlich ist eindeutig klar, dass wenn ich Kinder bekomme ich die Möglichkeit von Behinderungen und damit anfallenden Problemen und neuen Fragen auf eine andere Weise lösen möchte, als in diesem speziellen Fall mir Ritalin. Das mag vielleicht nicht der einfache, grade und gut gepflasterte Weg sein, aber dafür kann ich ihn mit meinem Gewissen vereinbaren. Wer den Willen hat solch ein Leben zu meistern verdient meinen Respekt und ich hoffe, dass ich genauso handeln kann, wenn ich jeh in dieser Lage sein werde.

oder ich kann das Kind in Pflege geben.


Hier schneidest du Grenzbereiche an, die zu überschreiten die allerwenigsten in der Lage sind.Diejenigen, die dies im Sinne des Kindes und seiner Individualität tun, erleiden Tantalusqualen. (schreibt man das so ? )

Wenn Du möchtest, dann werde ich Dir und den Anderen hier im Verlauf des Threads, eine weitere persönliche Geschichte erzählen, die ebenfalls etwas mit Medikamentenverabreichung zu tun hat, jedoch nicht mit Ritalin.

Sag/t Bescheid wenns Dich/Euch interessiert !
Natürlich schneide ich Grenzbereiche an, aber ich glaube, dass man sich bereits in der Anwendung von Ritalin in einem grenzwertigen Bereich bewegt...wer sich nicht in der Lage sieht, sein "krankes" Kind versorgen und mit ihm ein Leben auf zubauen, der muss "leider" diesen Weg in Betracht ziehen. Ich kenne eine Familie, die ihr Kind abgegeben hat. Du hast vollkommen Recht. Sie haben sehr gelitten, aber ihnen war es nicht möglich mit der gesamten Familie, 5 Kinder und ein Elternpaar, ein behindertes Kind groß zu ziehen...ich finde diese Entscheidung hart, aber mutig.


Ist mal gespannt auf die Erzählung von Nucleus...
Interessante Blüten treibt die Diskussion, doch letzten Endes sind alles nur Wege welche Zeit, Kraft und Aufwand erfordern.

Ich finde die hier weit verbreitete Meinung das durch die Vergabe von Ritalin "alles getan" ist recht blauäugig, zu Anfang waren wöchentliche Termine bei der betreuuenden Psychologin, genaue Beobachtung der Veränderung sowohl auf Patienten wie auf begleitender Seite, mit dem Überwachen der täglichen Einnahme waren die Pflichten, bzw. Anforderungen noch lange nicht vorbei. Ich empfinde es als unpassend hier indirekt zu unterstellen das die Patienten sowie deren Eltern den "einfachsten" Weg gehen, jahrelange Nachhilfe zum erlernen von Grundfertigkeiten wie Schreiben und lesen, der Druck aus Schule und Lehrerschaft den "Legastheniker" auf eine angemessene Schule (Sonderschule) abzuschieben, der Kampf einer Mutter gegen ein Schulsystem das die Augen vor einer offensichtlichen Begabung verschliesst und mit einer dezent offensichtlicheren Schwäche argumentiert - zum Wohl des Kindes???

Wie sieht es mit dem Leidensweg des Menschen aus, der Hilflosigkeit immer wieder zu versagen, nicht weil man unfähig sondern einfach anders ist? Jeder Mensch der sich auf ein Urteil verlässt und solche Entscheidungen ohne zweite Meinung trifft handelt verantwortungslos, die Verteufelung jener welche diese Entscheidung getroffe haben und der Schlag mit dem Schwert der "Verallgemeinerung" trifft mich schwer, ich finde es heiss das hier Einzelschiksale über einen Kamm geschoren werden.

http://www.rootfile.net/MeeTiNX/HaRDCoDeD.jpg

PS. Kein Angriff auf Einzelne, eher ein Denkanstoss an alle die hier ohne wirklich perönliche Erfahrung mit dem Scheinschwert der Gerechtigkeit richten wollen...
@BabyBlueEye
Unabhängig davon, ob es ausschliesslich dem Wohle des Menschen im Kinde dient, halte ich beide Schritte für mutig.
Mutig ist es auch, Vertrauen in ein Medikament zu fassen, welches die Familie zusammenhalten, und dem Betroffenen eine Chance zu geben soll, sich den Anforderungen gewachsen sehen zu können.
Die Kinder um die es bei Ritalin Behandlung geht sind keine Körperbehinderten.

Sie sind hyperaktiv.

Sie nehmen menschliche Stimmungen sehr intensiv wahr und nehmen sich selber auch sehr intensiv wahr.
Ihnen gelingt es jedoch nicht so ohne weiteres , die

Stimmungen und Gefühle in Worte zu fassen, weil sie die Worte nicht kennen, die ihre Gefühle beschreiben.
Diese Kinder stehen ständig unter Hochspannung, nehmen sich ihre Ausraster und weinen sehr oft weil sie sich nicht angenommen fühlen.

Ständige Misserfolge, die aus ihrer eigenen Ungeduld heraus entstehen, lassen ihr Selbstvertrauen dann zusätzlich absinken und verstärken das Gefühl, nicht gewollt zu sein.

Ich denke diese Kinder haben ein Anrecht darauf, dass eine Pille erfunden wird, die Hilfe verspricht.

Ich meine, wir machen jede scheiss empfohlene Impfung mit, obwohl wir wissen, das wir sie damit einem Restrisiko aussetzen, welches da sagt, dass sie durch die Impfung an der Krankheit erkranken können, gegen die sie eigentlich geimpft werden sollen.

Soviel dazu !


Richtig spannend wird es zum Beispiel dann, wenn ein Kind sehr schwer erkrankt und man sich einer Gruppe von Ärzten ausgesetzt sehen darf, die einem zu einer richtigen Entscheidung verhelfen sollen.

Chemotherapie "Ja" oder "Nein" ?

Die überwiegende Mehrheit plädiert auf die Einleitung einer Chemoterapie.

Nur einer sagt, dass man sich dagegen entscheiden soll.

Die Chemotherapie wird vorgenommen.

Der Kind stirbt 2 Wochen später an einer, vor 4 Wochen noch nicht erkannten Erkrankung, böse Zungen behaupten das es an der Chemotherapie lag.

Das ist nun 14 Jahre her.

Es war nicht mein Kind, aber die Familie ist nicht mehr das was sie mal war.

Sie haben dennoch verantwortungsbewusst gehandelt wie ich finde.
Solange ich nicht mein Kind aus einer reizüberfluteten Welt genommen hätte, Möglichkeiten neben den konventionellen Kindergärten, Schulen und Arbeitsplätzen gesucht hätte und z.B. Therapien wie die Reittherapie ausprobiert hätte, würde ich niemals Ritalin anwenden


Sie nehmen menschliche Stimmungen sehr intensiv wahr und nehmen sich selber auch sehr intensiv wahr.


Die hier getroffenen Aussagen gehen von einem falschen Verständnis der Störung aus. Hyperaktive haben ein zu niedriges cortikales Aktivationsniveau. Dies bewirkt, dass sie ständig neue Reize suchen, weil sie sich in ruhiger Umgebung, oder sich selbst überlassen, unwohl fühlen. Ihnen fehlt die Aktivierung des Nervensystems, die normale Menschen von Grund auf haben. Deshalb werden auch Aktivitäten, die eine gewisse Geduld verlangen, kaum bewältigt von Hyperaktiven Kindern. Sobald eine gewisse Gewöhnung eintritt braucht das Kind etwas Neues, Interessantes, damit die neuronale Aktivation nicht zu stark absinkt.

Die Ruhigstellung anhand solcher mittel gilt als paradox und THERAPEUTISCH.


Wenn einem erst einmal klar ist, dass eine stärkere Aktivation des Kortex somit die ständige Suche nach neuen Reizen ("sensation seeking") unnötig macht, versteht man auch die Wirkweise des Medikaments und warum bei dieser Störung ein stimulierendes Mittel und kein sedierendes Medikament gegeben wird.

Diese Medikamente normalisieren die neuronale Aktivität in den betroffenen Hirnabschnitten und verbessern dadurch die Filter- und Hemmfunktionen des Gehirns.


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