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Lehrjahre sind keine Herrenjahre.....

„Lehrjahre sind keine Herrenjahre, und Lehre kommt doch von Galeere !“

Das ist der Titel eines Buches, an welchem ich im zarten Alter von gerade mal 19 Jahren zu schreiben begann, aber eines das ich nie beendete.

"Komisch, jetzt wo ich das hier geschrieben sehe fällt mir auf, dass ich noch gar kein Buch zuende gebracht habe.:-)"

Nun weiß ich natürlich nicht ob Meetinx das richtige Forum ist oder doch eher das Dreamworld.

Dreamworld passt nach meinem Dafürhalten irgendwie nicht, weil es sich bei dem Geschriebenen um einen Tatsachenbericht handelt.

Ob es aber nun ins Meetinx passt weiß ich auch nicht so recht, da es sich um reines „Just for Fun“ handelt.

Bevor ich mich nun entgültig dazu entschließen kann diese Berichterstattung in ein Forum zu setzen hätte ich vorher noch zwei Fragen.

1.) In welches Forum würde Eurer Meinung nach so etwas hineinpassen ?

2.) Besteht Eurerseits überhaupt Interesse an dieser Art Kurzweil ?



Gruss
Nucleus


P.S.: Die Frage Nr. 2 war zu Werbezwecken suggestiv gestellt ;-)
Klar, poste was Du willst *gg*, jemanden den es interessiert findet sich sicher immer :)!

Viele Grüße,
Chris
hörthört, noch einer der dem schreiben fröhnt.

auch ich kann mich "rühmen" bereits das schreiben eines buches in die tat umzusetzen, nur irgendwie bin ich aber noch nicht fertig!

ich würde es, hierher posten, da das meetinx-forum offensichtlich stärker frequentiert ist, als andere.

Stego
„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“

Diesen Satz kenne ich seit meiner Kindheit und er begleitete mich auch durch meine gesamte Schulzeit hindurch.

Schulzeit ? Was war das eigentlich?

Als ehemals miserabeler Schüler schaue ich beim Schreiben immer wieder auf dieses gelbe Blatt Papier, in das ich mit meiner alten Torpedo-Reiseschreibmaschine meine Worte reintippe.

Ich komme zu dem Ergebnis, dass mich meine Schulzeit wenigstes soweit gebracht hat, dass ich meine Gedanken zumindest halbwegs verständlich in Worten ausdrücken kann.

War Schule immer schlecht ?

Also ich habe Schule gehasst, oder besser gesagt ich habe Lehrer gehasst.

Sie waren es, die mich vor der versammelten Klassengemeinschaft immer wieder demütigten. Sie waren es, die , die obwohl sie wussten das ich nicht wusste, mich trotzdem an die Tafel riefen und mich somit vor der Klasse bloßstellten.

Manchmal schrecke ich heute noch aus einem Alptraum hoch, wenn ich träume das ich in der Klasse sitze und wir haben gerade Mathematik Unterricht.

Wie immer in diesem Traum, ist heute wieder Wurzelrechnen an der Reihe.

Und wie immer in diesem Traum höre ich meine Lehrerin hämisch fragen:

„Naaaaaa, wer kommt heute an die Tafel?“

Ein Schweigen erfüllt das Klassenzimmer.

Und das erste was nach dem Schweigen kommt ist dann dieser Satz:

„Georg, komm Du mal nach vorne, vielleicht verstehst du es ja heute.“

Sie wusste das ich es nicht verstehe und sie wusste ich würde es nie verstehen können, denn weder wusste ich worin die Aufgabe bestand, noch wusste ich wie man den Lösungsweg zu interpretieren hatte.

Aber sie rief mich nach vorne und sie genoss mein Schweigen, meine Scham und mein dummes Rumstehen vor dieser Wurzel und diesen Zahlen an der Tafel.

Nach etwa 10 Minuten unterbrach sie dieses erneute Schweigen mit einem total gelangweilten:

„Wer kann es dem Georg heute erklären ?“



Liebe Meetinxer!

Soll ich weiter abschreiben oder soll ichs besser unterlassen ?

Gruss
Nucleus
Ich war auch nie ein Freund der Schule gewesen, meine Noten hingen immer von den Lehrern ab die ich hatte. Verstand es der Lehrer einen für den Stoff zu interessieren und gab er nicht zu viele Hausaufgaben auf, sondern erklärte die Sache im Untericht, dann besserten sich auch meine Noten.

Zu deiner Frage:
Solange sich keiner beschwert würde ich es ihnen aufs Auge drücken! ;O)

Gruß
Sam
("aje")-irgendwoher kenn ich das doch...hihi...schreib ma weidda...!!!
Und weiter gehts....

War schon bitter was dann folgte, von den etwa 24 Klassenkameraden hoben wenigstens 20 die Hand von Denen dann einer nach vorne kam und der sich abmühte es mir zu erklären.

Wieso verstanden die das alle? Denen hatte sie es genauso erklärt wie mir, aber mir blieb der „Aha- Effekt“ einfach versagt.

Nicht alle Lehrer waren so, aber halt doch eine ganze Menge von ihnen und ich hasste solche Menschen.

Ich fiel nicht allumfassend durch schlechte schulische Leistungen auf, aber die Fächer, in denen es darauf ankam ob man im Anschluss an die Schulzeit eine weiterführende Schule besuchen konnte bereiteten mir doch erhebliche Probleme.

Und das waren die Fächer Englisch, Deutsch und eben Mathematik.

Englisch ging eigentlich, zumindest was das Verständnis für die Sprache anging, aber bei den Arbeiten scheiterte ich meistens an der Rechtschreibung und eine schlechte Benotung war somit auch dort vorprogrammiert.

Deutsch lag mir eigentlich am ehesten, da zu meiner Schulzeit einem Hauptschüler nicht sonderlich viel abverlangt wurde. Man schrieb Diktate die langsam vorgelesen wurden und Aufsätze.

Aufsätze, ja, die liebte ich, darin witterte ich meine Chance den Fantasie hatte ich genügend.

Meine Aufsätze wurden durch die Bank weg mit „gut“ bzw. „sehr gut“ benotet und ich schöpfte aus diesen Noten das Maß an Selbstvertrauen, was mir an anderer Stelle versagt blieb.

Aber wie so vieles im Leben, so hatten auch diese guten Leistungen einen bitteren Beigeschmack. Denn es wollte meinen Lehrern einfach nicht in den Kopf, dass ich in diesem Fach brillierte aber in den anderen Fächern versagte.

„Du könntest, wenn Du nur wolltest . Mensch Junge, so dumm bist Du doch gar nicht!“

Im Nachhinein, wo ich den nötigen Abstand zu den Dingen habe denke ich etwas lockerer an diese Zeit zurück.
Die Lehrer hatten ein Problem was ich damals nicht erkannte. Dieses Problem hatten sie mit sich selber. Ich glaube mittlerweile dass ihr größtes Problem mit mir darin bestand, dass sie befürchteten in Erklärungsnotstände zu geraten, wenn sie mir ihren Stoff nicht vermitteln konnten.

Sie hatten einen pädagogischen Auftrag, den es zu erfüllen galt und ihnen wäre es viel leichter gefallen mich und sich selber zu bewerten, wenn ich wenigsten in allen Fächern versagt hätte.

Aber nein, so dumm konnte ich gar nicht sein denn in den langweiligsten Fächern wie z.B. Erdkunde, Geschichte und Politik brachte ich es zu dem Erfolgen, die mir an anderer Stelle versagt blieben.


Fortsetzung folgt .......
heya nuc, schau mal in deine postbox! habe dir etwas an nucleus1@meetinx.de geschickt - ich hoffe, es kommt auch an :-) allerdings - als ich die mail abschickte, hatte ich den zweiten teil der geschichte noch nicht gesehen, ich beziehe mich also nur auf den ersten :-)

*gruß* Abalone
Hi Abalone!

Ist bereits geschehen und beantwortet ;-)

Gruss
Nucleus
wolltest du mit 19 mal autor werden oder bist sogar einer? wobei ich dies bezweifle, da du ja noch kein buch zu ende geschrieben hast ;o)

i am watching you
stella
Fortsetzung......

Die Schulzeit neigte sich dem Ende zu und Leistung wurde die letzten Monate nicht mehr abverlangt.

Das einzige, womit man sich nun noch auseinandersetzte war das Schreiben von richtig formulierten Bewerbungen.

Da ich, wie erwartet, die Mindestanforderungen für die Aufnahme in eine weiterführende Schule nicht erfüllt hatte, betraf das letzten Endes auch mich.

Ich erinnerte mich daran, dass ich mich im Rahmen einer Berufsberatung mal einem Eignungstest unterzogen hatte.

Das wars dann aber auch schon gewesen.

Für welchen Beruf um alles in der Welt eignete ich mich eigentlich ? Eignete ich mich überhaupt zu einem Beruf ?

Ein Handwerk kam nicht in Frage, da das Schicksal mich mit 5 Daumen pro Hand ausstattete.

Ich entsinne mich, dass ich mal Krankenpfleger werden wollte, aber nachdem ich zwei Jahre zuvor ein Berufspraktikum in einem Krankenhaus absolviert hatte, stand für mich fest, dass dieser Beruf nicht für mich in Frage kam.

Schiffskoch, ja ich wollte immer auf einem Schiff mitreisen und kochen konnte ich auch schon seit meiner Kindheit.

Aber wie zum Teufel bewirbt man sich um eine Stelle als Schiffskoch ? Gab es den Ausbildungsberuf Schiffskoch überhaupt ?

Natürlich gab es das nicht !

Die letzten Schultage waren nähergerückt. Die meisten meiner Klassenkameraden hatten bereits ihren Ausbildungsvertrag unterschrieben und würden nach den Sommerferien den ersten Schritt ins Berufsleben tun.

Ich hatte nach wie vor noch keine Idee welche Art von Lehre ich nun machen wollte, vielmehr sollte.

Mein Sportlehrer sprach mich eines schönen Tages auf dem Schulhof an und fragte mich, ob ich denn nun schon einen Ausbildungsvertrag in der Tasche hätte.

Ich verneinte.

Er sagte zu mir:

“Bewirb Dich mal bei Coop, die suchen noch Lehrlinge ich denke Du hast da gute Chancen einen Ausbildungsvertrag als Verkäufer zu bekommen.“

Coop? Verkäufer ?

Musste man nicht irrsinnig gut in Mathe sein um Kaufmann zu werden ?

Wie dem auch sei, ich stellte meine Bewerbungsunterlagen zusammen und warf sie in den Briefkasten ein.

Schon nach 4 Tagen, erhielt ich die Einladung zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch in einer der zahlreichen Filialen dieser Supermarktkette.

Bis heute weiß ich nicht, ob es nicht besser gewesen wäre, den Vorstellungstermin platzen zu lassen.

Ich ging also hin und wurde im Rahmen des Vorstellungsgespräches, welches im Personal-Pausenraum stattfand einem knallharten Eignungstest unterzogen.

Der freundliche Herr, stellte mir die alles entscheidende Frage.

„Können Sie rechnen ?“

Ich sagte ihm das ich die normalen Grundrechenarten gut beherrschte, aber von Mathematik nicht allzu viel Ahnung hatte.

Er stellte mir dann eine einfache Aufgabe:

„Stellen Sie sich vor Herr W. Sie haben ein Kilogramm Wurst, von der das Kilogramm neunzehn-neunzig kostet. Ein Kunde bittet Sie, davon 100 Gramm abzuschneiden. Wieviel kostet die Wurst dann ?“

„siebzehn-einundneunzig!“ schoss es aus mir heraus.

„Nein, denken Sie bitte nochmal genau nach, wieviel kosten 100 Gramm, wenn das Kilo neunzehn-neunzig kostet?“

„Achso!“ antwortete ich „Eins-neunundneunzig !“

Ich hatte die Aufgabe halt nur falsch verstanden. Der gütige Herr erkannte dies und antwortete:

„Ich denke mal, dass wir es miteinander versuchen sollten.“

Das wars?

Das war alles ?

Wenn ich ihn richtig verstanden hatte, hatte ich also ab sofort einen Lehrstelle.

Das Lehrlingsgeld konnte sich auch sehen lassen.

Ich sollte für meine Arbeit ab dem 01. September 1983 nun jeden Monat fast vierhundert Mark bekommen. Ein Vermögen, dachte ich, dass entsprach dem Taschengeld für ein Jahr.
Ich kam nach Hause, und wedelte freudestrahlend mit meinem Ausbildungsvertrag, den ich nun in der Tasche hatte und nur noch von meinen Eltern unterschreiben lassen musste.

Denen fiel ein gewaltiger Stein vom Herzen, denn sie sahen mich schon für den Rest ihres Lebens auf der Tasche liegen, wenn ich nicht bald eine Lehrstelle bekäme.


Diese Sorge war ihnen nun genommen und ich war fortan damit beschäftigt darüber nachzudenken, was man sich für ll das schöne Geld kaufen konnte, was ich nun monatlich verdienen würde.



Fortsetzung folgt...............
du hast echt eine interessante art zu schreiben :-)
weiter so... macht spaß dein leben zu erlesen!

http://www.froggyland.de/images/ladybitch.gif
Fortsetzung ......

Was nun meine Berufswahl anbelangte, so wurde mir schnell klar, dass ich mich ein wenig vorschnell entschlossen hatte.

Im Gegensatz zu meinen männlichen Klassenkameraden, die sich allesamt für eine Handwerkerlehre entschieden hatten, hatte ich beschlossen einen Beruf zu erlernen, der "normalerweise" als Frauenberuf abgestempelt wurde.

Und in der Tat, wenn ich es mir recht überlegte, meine Klassenkameraden hatten damit gar nicht einmal so unrecht.

Wenn man in einen Supermarkt ging, bestand das Personal in der Regel hauptsächlich aus Frauen. Sicher, man sah auch hin und wieder schon einmal Männer zwischen den Regalen herumtänzeln, aber das war dann doch wohl eher selten.

Meistens waren diese Männer auch in meinen Augen die Chefs und ich kam zu dem Schluss, dass ja auch diese Chefs irgendwann einmal diesen Beruf erlernt haben mussten.

Um nun nicht ganz mit dem Spott zu hadern, dem ich mich ausgesetzt sah, beschloss ich für mich, den Beruf nach außen hin ein wenig aufzuwerten.

Wenn jemand glaubte, sich über mich lustig machen zu müssen, dann konterte ich, indem ich darauf verwies, dass meine Ausbildungsfirma bereits von Anfang an beschlossen hatte, dass ich nach meiner Ausbildung Filialleiter werden würde.

Filialleiter, das waren die Chefs, die Typen, die das große Geld in einem Supermarkt verdienten.

Ja, mit dieser Selbstlüge ertrug sich der Spott eigentlich ganz gut und ich sah meiner Ausbildung zuversichtlich entgegen und der anfängliche Spott verpuffte sowieso mit der Zeit in Gleichgültigkeit.





Die Sommerferien waren um und der erste Tag der Ausbildung war gekommen.

Die Nacht zuvor hatte ich kein Auge zugemacht, denn ich war aufgeregt wie noch niemals zuvor in meinem Leben.

Was würde mich erwarten? Würden die Kollegen nett sein ? Würde ich schnell aufgenommen werden?

Ich fuhr mit der Straßenbahn zu der Filiale in der meine Ausbildung beginnen sollte.

Es war ausgemacht worden, dass ich um 8:15 Uhr am Personaleingang klingeln sollte.

Um ja nicht zu spät zu kommen, stand ich jedoch bereits um 7:30 Uhr dort und wartete auf Einlass.

Um etwa 7:45 Uhr kam die Erste, die, wie sich aber erst später herausstellen würde, zu meinen Kollegen gehörte und stellte sich in einem Abstand von etwa 5 Metern in Warteposition.

Ich grüßte artig und wurde zurückgegrüßt.

Sollte ich nun irgendwie zu sprechen beginnen, oder sollte ich es besser unterlassen.
Ich hätte mich ihr ja vorstellen und ihr sagen können, dass ich der neue Lehrling war.

Ich tat es nicht und wir beide warteten schweigend auf Einlass. Ein paar Minuten später, die mir aber wie eine Ewigkeit vorkamen, trudelten nach und nach ein paar weitere Leute ein.

Ich grüßte, sie grüßten und das war es dann auch schon gewesen. Sie begannen sich miteinander zu unterhalten und zündeten sich ihre Zigaretten an.

Wie gerne hätte ich mir nun auch eine Zigarette angezündet um mich an irgendetwas festzuhalten , aber ich hatte keine Zigaretten dabei, also stand ich dumm im Abseits und war auf mich selber angewiesen.

Wussten die echt nicht, dass heute ein Neuer kommen würde und war es nicht offensichtlich, dass ich dieser Neue war?

Das konnte ja lustig werden dachte ich und wartete geduldig auf meine Erlösung aus dieser, für mich sehr peinlichen Situation.


Fortsetzung folgt........
Fortsetzung........

Die Erlösung aus dieser Situation traf gegen 8:10 Uhr ein.

Ein Mann, etwa Anfang 30 stellte sein Auto auf dem Parkplatz ab und marschierte, mit einem Schlüssel wedelnd geradewegs auf uns zu.

Wie ein wunderbar aufeinander abgestimmter Chor grüßte die Menge den „Chef“, der freundlich zurückgrüßte, die Türe aufschloss und die Leute einließ.

Ich blieb bis zum Schluss stehen und hoffte, dass er mich nun ansprechen würde.

Ich irrte. Er ging einfach hinein und war verschwunden.
Die Tür fiel zu und ich stand immer noch draußen.

Oh mein Gott war das peinlich.

Ich schaute auf die Uhr, die nun 8:15 Uhr anzeigte und drückte die Klingel. Die Tür ging auf und der Chef musterte mich von oben bis unten.

Er fragte was er für mich tun könne und ich stellte mich vor. Natürlich hatte er mitbekommen das ich bereits schon vorhin dort gestanden hatte und fragte mich wieso ich nicht sofort mit hineingegangen wäre.

Ich weiß nicht mehr so genau was ich antwortete, aber ich weiß das mir das alles halt unsagbar peinlich war.

Ich dachte, er würde nun mit mir erst einmal einen Rundgang durch den Laden und die Lagerräume unternehmen, aber nichts dergleichen geschah.

Er ging mit mir zu einem Schrank, öffnete ihn und holte zwei funkelnagelneue Kittel heraus und gab sie mir.

Er sagte, ich solle mir eben einen Kittel überziehen und zeigte mit einem Finger in Richtung der Aufenthaltsräume, die gleichzeitig als Umkleide dienten.

Anschließend sollte ich dann zu seinem Büro kommen und dort würde man dann weitersehen.

Ich zog rasch den Kittel an, der so grauenhaft neu war, das ich es unangenehm fand ihn anzuhaben. Ich war halt der Frischling und dieser Kittel unterstrich das irgendwie.

Ich ging in das Büro des Chefs. Er sah mich , betätigte im selben Moment eine Taste an dem Mikrofon das vor ihm auf seinem Tisch stand und rief eine Mitarbeiterin zu sich.

Kurze Zeit darauf betrat eine Frau das Büro. Er stellte mich ihr vor und übergab mich in ihre Obhut.

Kein Rundgang? Kein weiteres Vorstellen ?

Nein einfach nur ein: „ Kümmern Sie sich mal um unseren Neuen Azubi!“ und das wars dann auch schon.

Sie ging mit mir durch die Lagerräume und hielt vor einem großen Tisch, auf dem eine Wage, und ein Folienschweißgerät stand.

„Hol mal da vorne den Container hierher! “ sagte sie.

Was zum Teufel war ein Container dachte ich und fragte sie welchen sie denn nun meinen würde.

„Der mit die Melonen, hol den mal hierher!“

Dann sah ich was sie meinte. In unmittelbarer Nähe stand ein Karren, auf dem etwa 10 große Kartons mit Wassermelonen standen.

Ich holte ihn an den Tisch während sie ein Einkaufswägelchen parat gestellt hatte.

Sie schnappte sich ein großes Messer und griff sich die erste Melone aus einem der Kartons und begann damit, sie zu zerschneiden.

Nachdem sie die Melone in etwa 8 gleiche Stücke aufgeteilt hatte, legte sie das Messer zur Seite und legte dann das erste Stück auf die Wage. Als sich die Zahlen auf der Waage beruhigt hatten, drückte sie eine Taste .Wie von Zauberhand spuckte nun die Waage einen Aufkleber heraus, auf dem das Gewicht und der Preis für das Melonenstück aufgedruckt war.

Danach legte sie das gerade eben gewogene Stück auf das Folienschweißgerät und wickelte es geschickt in Folie ein und klebte zum Schluss das Preisschildchen auf das eingepackte Melonenstück.

Sie machte es etwa 4 x vor und dann sollte ich die restlichen Melonen auf dem Container selber zuschneiden, auswiegen und einpacken.

„Gar nicht mal so schlecht der Job! “ dachte ich bei mir und machte mich frohen Mutes an diese ungeheuer verantwortungsvolle Aufgabe.

Fortsetzung folgt.............
...will meeeeeeeeeeeeeeehr!!!....
Fortsetzung.......

Die Kollegin schaute mir genau auf die Hände, als ich mir das erste Stück vornahm.

Wie hatte sie es doch gleich angestellt?

Auswiegen, einpacken, Zettel drauf. Nun das konnte nicht sonderlich schwierig sein.

Und siehe da, es gelang mir auch auf Anhieb.

Sie fragte mich, ob ich nun allein damit klarkäme. Ich bejahte und sie machte sich auf in den Laden. Als sie losging sagte sie mir noch schnell, dass ich, wenn ich damit fertig war, den Wagen mit den Melonenstücken zu ihr an die Obst- und Gemüseabteilung bringen sollte.

Nun war ich allein, mit einem Container voll Melonen, einem Messer, der Waage und dem Folienschweißgerät.

Ich nahm mir das Messer und zerteilte die nächste Melone.

Welche Taste auf der Waage war es noch gewesen für das Zettelchen?

Die da war es nicht. Die andere auch nicht. Wo zum Teufel war nur diese Taste auf einmal hin?

Das war mal wieder typisch für mich gewesen. Hinschauen, begreifen und dann sofort vergessen. Das konnte ja heiter werden.

Nun wollte ich nicht sofort in den Laden flitzen und sie zur Hilfe holen, also beschloss ich, erst einmal eine ganze Menge Melonen in Stücke zu schneiden.

Der Saft klebte furchtbar an den Händen und verteilte sich mit jedem Stück mehr und mehr über den Tisch.

Leider bemerkte ich nicht sofort, das die Saftlache sich bedrohlich meinem Kittel näherte und schnitt munter weiter.

Es müssen etwa 20 Melonen gewesen sein, als mir die Bescherung auffiel. Auf meinem Kittel hatte sich ein riesiger Saftfleck gebildet. Es sah beinahe so aus, als hätte ich bei einer Kuh Geburtshilfe geleistet.

Hinzu kam dann, das mittlerweile der ganze Tisch sich in einen Melonensaftsee verwandelt hatte.

Ich zog den Kittel aus und machte mich in den Laden auf um nun doch die Kollegin zur Hilfe zu holen.

Zum ersten Mal betrat ich nun in der Stätte meines zukünftigen Wirkens. Überall standen Frauen, die entweder Regale auffüllten, Theken einräumten oder mit Putzen beschäftigt waren.

Am anderen Ende befand sich die Obst- und Gemüseabteilung und dort stand dann auch die Kollegin, die mir aus meiner misslichen Situation heraushelfen sollte.

"Entschuldigung, können Sie mir bitte mal helfen kommen ?" kam es kleinlaut aus mir heraus.

"Watt iss denn los ?" fragte sie überrascht.

"Irgendwie krieg ich das mit Waage nicht so ganz hin!" ergänzte ich dann meine Bitte.

"Iss jut, datt machen wir gleich weiter, Du kannst schon mal die Kartoffeln auffüllen!"
Es wäre vielleicht besser gewesen, sie über den gesamten Umfang meines Problems aufmerksam zu machen, denn so konnte sie ja nichts von der Katastrophe ahnen, die sich hinten anbahnte.

Ich räumte also zunächst die Kartoffeln in die Theke ein. Legte die Säckchen schön ordentlich beieinander und packt nach und nach so an die 100 Beutel in die Theke ein.

Nachdem ich damit fertig war, bat ich sie, nachzuschauen, ob ich es richtig gemacht hätte.

"Häss du auch die alten Büttel nach vorne jezogen?"

Oh Gott. Woher hätte ich das nun wieder wissen sollen ? Das hatte ich natürlich nicht gemacht, also räumte ich kurzerhand alle Beutel wieder aus und sortierte sie von Neuem ein.
Diesmal richtig wohlgemerkt.

Nach und nach, nahm die Theke trotz meiner Hilfe ansehnliche Züge an. Richtig prachtvoll sah sie nun aus.

Zum Schluss sagte die Kollegin dann: " Nu lass mal eben flott die Melonens fertig machen. Wir müssen uns dranhalten. Jeputzt is auch noch nicht und zieh nen Kittel an, sonst denkt jeder noch, das Du Dich für den Chef hälst!"

Wir gingen gemeinsam zurück zum Lager und schon aus der Entfernung sah man fette Rauchschwaden.

Ich hatte nämlich das Folienschweißgerät angelassen und auf der Heizplatte schmorte ein Stück Melone halbeingewickelt in Plastikfolie genüsslich vor sich her.

"Ach du Scheisse... !" rief sie "Watt hässe denn da anjestellt ?"

Ich sagte ihr, das ich die Melonen alle vorgeschnitten hatte, weil ich nicht mehr so genau wusste, wie ich die Waage zu bedienen hatte.

"Du kanns doch nich datt Foliengerät anlassen und einfach wegjehen. Na hoffentlich tudet datt jez noch!"

Das ganze Lager stank wie die Pest und war mit Rauch durchzogen, aber es war, wie sich herausstellte alles noch einmal gut gegangen.
Wir beseitigten gemeinsam den Schaden, den ich angerichtet hatte und zogen danach mit Putzeimer und Wischer bewaffnet zurück in den Laden, der bereits geöffnet hatte, um dort den Boden zu wischen, damit alles schön sauber war.

An der Theke wartete bereits der Chef sehnsüchtig auf uns.

"Wo kommt ihr denn jetzt her ? Um 9:00 Uhr wird auf gemacht. Schon vergessen ?"

Was nun kam, prägte mich für den Rest meines Lebens.

Anstatt mich und mein peinliches Missgeschick beim Chef zu verpfeifen, entschuldigte sich die Kollegin für unser Zuspätkommen und nahm obendrein den ganzen Vorfall auf ihre Kappe.

Niemand ahnt auch nur annähernd das Gefühl von Dankbarkeit und Bewunderung, dass ich in diesem Moment für dies Frau empfand.


Fortsetzung folgt......
Fortsetzung......

Gegen 11:00 begann dann die Frühstückspause.

Diese Zeit nutzte ich, um mich meinen Kolleginnen vorzustellen und war am Ende heilfroh, dass es sich bei den meisten von ihnen um ganz normale Menschen handelte.

Die Anspannung legte sich zunehmend.

Ich wurde nach und nach selbstsicherer wenn es um die Erledigung kleinerer Aufgaben ging und mein erster Arbeitstag endete ohne weitere Unannehmlichkeiten.

Die folgenden Tage unterschieden sich nicht sonderlich vom ersten Tag.

Ich war nach wie vor der netten Kollegin von der Obst- und Gemüseabteilung unterstellt und durfte bereits schon nach 2 Tagen alleine die Kunden bedienen.

Das dies nicht immer so bleiben würde, hätte mir zwar schon im Vorfeld klar sein müssen, aber ich verdrängte den Gedanken an schlimmere Zeiten, die mich erwarten würden.

Am Montag , der zweiten Woche begann die Berufsschule, auf die ich später noch eingehen werde.

Am Dienstag trat dann eine entscheidende Veränderung für mich ein.

Der Substitut, also der Stellvertreter des Chefs, hatte seinen Urlaub beendet.

Noch bevor ich mich dazu in der Lage sah, ihm ein eigenes Bild von mir zu liefern, hatte er bereits mein Schicksal beschlossen.

Ich war der Stift, der Mensch, dem er was zu sagen hatte, der an dem er seine Führungsposition ausbauen konnte.

Kurzum ich war sein auserwähltes Opfer.

Alles fing damit an, dass wir an diesem Dienstag die Hauptlieferung für die Woche bekamen.

Unmengen an Rollcontainern die mit Warenkartons bepackt waren mussten abgeladen werden.

Nun ist es so, das diese Rollcontainer kunterbunt bepackt waren. Im ersten Karton z.B. befanden sich Windeln, dann folgten Kartons mit Ketchup, Gurken, Wein, Süßigkeiten und dann wieder Kartons mit Windeln usw.

Eine Eselsarbeit war das, man rannte von einem Gang zum anderen und dann wieder zurück.

Während ich hin- und herlief, ging der Substitut hin und kontrollierte die Wareneingänge mit dem Lieferschein.
Hin und wieder hörte man ihn stöhnen und fluchen, wenn er feststellte, dass noch nicht alle Kartons zur Lieferposition abgeladen waren.

Ich hatte vollstes Verständnis dafür, dass sich der gute Mann von diesen Strapazen hin und wieder erholen musste.

Das tat er in der Zeit, wo ich halt nicht schnell genug mit dem Abladen voran kam.

Erholung verschaffte er sich bei den freundlichen Damen der Wurstbedienungstheke.
Mit den Ellenbogen stützte er sich auf die Oberkante der Theke, flirtete ein wenig mit den Namen und ließ sich Wurstscheibchen in den Mund stopfen.

Hin und wieder, tönte es dann aus seinem kauenden Fresse zu mir herüber:

„Wie weit bist du ?“

Ich hastete hin und her und war einfach nur noch damit beschäftigt mein Tempo fortwährend zu steigern, um mich seiner Tadelung zu entziehen. Diesem Ar$chloch wollte ich nicht die Spur einer Angriffsfläche bieten.

Das dies ein hoffnungslose Unterfangen war, hätte mir eigentlich klar sein müssen, aber ich hetzte weiter mit Kartons bepackt durch die Gänge.

Nachdem ich damit fertig war, musterte er mich mit angewidertem Blick.

„Wie sieht denn dein Kittel aus ? Den würde ich mal neu teeren lassen, da sind schon weisse
Flecken drauf.“

Ich fasste allen Mut zusammen und sagte:

„Ihrer würde auch nicht besser aussehen, wenn sie die Dreckskisten selber abgeladen hätten.“

Sein angewiderter Blick wich nun einem breiten Grinsen.

„Wenn Dir die Arbeit zu anstrengend ist, dann meldest Du das am besten direkt beim Chef. Sag ihm auch gleich, dass ich Dich zu hart drannehme. Er wird sicherlich Verständnis für Dich haben.“

Die Ratte wusste, dass ich das im Leben nicht tun würde. Also erstickte ich an meiner, zuvor als Befreiungsschlag gedachten Äußerung und wusste, dass ich nun vollends bei ihm verschissen hatte.


Fortsetzung folgt .......
...is das eigentlich alles deiner Fantasie entsprungen odda echt?!

...folgt weidda gespannt...gg...finde auch du kannst schön erzählen...weidda so...;-)
Hallo evchen :-)

Ich freue mich sehr, dass Du bisher Gefallen an dieser Geschichte gefunden hast. Allein schon deshalb lohnt es sich für mich, all die Blätter abzutippen.

Was Du hier liest ist echt !

Wie ich zu Anfang bereits erwähnte, handelt es sich hierbei um das unvollständige Manuskript eines Buches, an dem ich vor etlichen Jahren einmal zu schreiben begann.

Das war zu einer Zeit, als ich noch davon träumte einmal Schriftsteller zu werden.

Vielleicht gelingt es mir ja, an das bisher Geschriebene anzuknüpfen und das Manusskript wenigstens zu beenden.

Einem höheren literarischen Anspruch wird das hier zwar nicht gerecht, aber die Tatsache das Du Spass beim Lesen dieser Geschichte hast, motiviert mich dazu, diese Geschichte weiterzuschreiben.


Ich sage Danke und werde mich bemühen, Dir weiterhin Kurzweil zu bereiten.


ein lieber Gruss,

Nucleus


Fortsetzung.......

Es ist nicht so, dass ich mich nicht getraut hätte, mich gegen diese Willkür zur Wehr zu setzen, aber dieser Fiesling saß am längeren Hebel. Er wusste es, ich wusste es, er wusste dass ich es wusste und ich wusste das er wusste das ich es wusste.

Hinzu kam noch das Ansehen, welches er beim Chef genoss. Denn er konnte etwas, was nur die echten Männer konnten.

Er konnte Skat spielen.

Der Chef liebte Skat und wer diese Liebe teilte, dem war er wohlgesonnen.

In den zwei Stunden Mittagspause wurde Skat bis zum Erbrechen gekloppt.

Man könnte nun meinen, dass ich doch einfach nur auf die Schnelle das Skatspiel erlernen sollte um ein etwas besseres Standbein zu bekommen.

Aber so einfach war das nicht, denn Skat war eine Sache für die ich mich niemals begeistern konnte..
Damit ich aber überhaupt im Stande war etwas zu erlernen, musste ich mich auch für das zu Erlernende interessieren, andernfalls legten sich bei mir die Schranken nieder und ich machte dicht, und Skat interessierte mich nun einmal von allen Kartenspielen am wenigsten.

In den Augen meines Chefs, dem Substituten und dem Metzger stellte meine Haltung gegenüber diesem Spiel meine Männlichkeit erheblich in Frage.

Ein dritter Mann fand sich immer. Wenn der Metzger nicht anwesend war, dann wurde halt kurzerhand in der Nachbarfiliale angerufen und ein Mitspieler machte sich auf den Weg zu uns um das gemeinsame Kartenspiel zu ermöglichen.


Meine Mittagspause verbrachte ich dann zusammen mit meinen weiblichen Kolleginnen.

Die Themenpalette unserer Gespräche war sehr umfangreich.

Man unterhielt sich über Dauerwellen, Menstruationsbeschwerden, Kindeserziehung und beschissene Ehemänner.

Hin und wieder erntete ich dann auch Lob. Während ich im Pausenraum saß, lamentierten die Kolleginnen über die Ungerechtigkeit der ich mich durch den Substituten ausgesetzt sah.

„Der Schorsch, datt is ein ganz tapferes Männeken!“ hörte man dann hin und wieder oder „Wen ich Du wäre, dann würd ich dem mal ordentlich die Meinung sagen!“

Klar könnte ich das, aber was hätte das zum Ergebnis gehabt ?

Ich war ihm und seiner Willkür ausgeliefert. Ich wusste das und sie wussten das auch. Also begnügte ich mich damit, dass diese Ungerechtigkeit wenigstens an anderer Stelle auffiel und erholte mich in den Pausen von seinen Nettigkeiten bzw. bereitete mich mental auf die, die da noch kommen würden vor.
Nicht, dass man nun glaubt ich hätte von Anfang an so ein dickes Fell gehabt und wäre in der Lage gewesen, dass alles so locker zu verpacken.

Meine Feierabende brachte ich meist damit zu, dass ich mich in mein Zimmer verkroch und mich in den Schlaf heulte.

Jedoch hatte ich mir einen ungeheuren Stolz bewahrt, der es mir untersagte, meinen Gefühlen in Gegenwart Anderer freie Lauf zu lassen.

Fortsetzung folgt......
Du bist Klasse Nucleus :)))!!!
Super gut geschrieben - hast Talent die Leser bei der Geschichte zu halten und das ist es doch, was einen wahren Schriftsteller ausmacht, oder?! *gg*

Liebe Grüße,
Chris

P.S.: Wartet gespannt auf die Fortsetzungen!!!!!
Fortsetzung....

Eine wahre Wohltat hingegen, war die Berufsschule.

Ich kann mich entsinnen, dass uns unsere Lehrer seinerzeit immer fortwährend ermahnten.

"Reißt Euch ein wenig mehr am Riemen. Hier habt ihr es noch leicht, aber in der Berufsschule weht ein anderer Wind, da werdet ihr hart drangenommen!"

Zur Berufsschule ging ich ausgesprochen gerne.

Zum einen, weil ich dort auf meinen Leidensgenossen traf und zum anderen, weil man dort so wunderbar aufschneiden konnte.

Nee was hatten wir nicht alle für verantwortungsvolle Aufgaben an unseren Ausbildungsplätzen.

Unter meinen Mitschülern war sogar einer dabei, der bereits jetzt schon die Stellvertretung für den Chef machte.

Ich prahlte mit geringeren Geschützen.

Zum Beispiel war ich bereits jetzt schon Abteilungsleiter der Obst- und Gemüseabteilung, inoffiziell versteht sich, aber was bedeutete schon offiziell.

Wir Berufsschüler redeten uns unsere Ausbildungsplätze schön, da wie allesamt nicht viel zu Lachen hatten und ich erkannte schnell, dass nicht Wenige ein ähnliches Schicksal wie ich hatten.

Der Schulstoff war denkbar einfach. Das nicht zuletzt, weil die Lehrer dort im allgemeinen eine recht lockere Auffassung von der Wichtigkeit des zu vermittelnden Schulstoffs hatten.

Ich entsinne mich an eine Aussage meines Deutschlehrers:

"Ich sehe es gar nicht erst ein, Sie hier großartig Diktate schreiben zu lassen. Jeder der bis zum heutigen Tag nicht in der Lage war, sich das Schreiben beibringen zu lassen, wird es bei mir nun auch nicht mehr lernen. Wir schreiben Diktate und wenn Sie nicht wissen, wie Sie bestimmte Worte zu schreiben haben, dann melden Sie sich bitte. Zudem glaube ich, dass Ihnen schon genug bei Ihren Ausbildungsfirmen abverlangt wird, nutzen Sie die Zeit zum Informationsaustausch untereinander!"

Diese Sichtweise vertraten beinahe alle Lehrer auf dieser Schule.

Sicher, es gab auch Neues zu lernen, aber alles in Allem konnte selbst der Dümmste den Anforderungen des Schulstoffs genügen.

Kurzum, die Berufsschulzeit war eine schöne Zeit.

Ich lernte dort auch die Auszubildenden aus den anderen Filialen meiner Ausbildungsfirma kennen.

Eine jedoch unterschied sich erheblich von allen anderen Auszubildenden.

Sie war älter als die Anderen Mitschüler und hatte bereits ein Abitur in der Tasche.
Für die Ausbildung zu Einzelhandelskauffrau hatte sie sich entschieden, da sie vor dem Studium noch eine Ausbildung in der Tasche haben wollte.

Sie hieß Claudia und war die Auszubildende in einer andern Filiale des Unternehmens bei dem auch ich ausgebildet wurde.

Egal wann ich Claudia sah, sie sah fertig aus.

Ständig verheult und immer den Tränen nahe.

Ins Gespräch kam ich nie richtig mit ihr, da sie sich von der Klassengemeinschaft ein wenig distanzierte, was nicht zuletzt auf den Altersunterschied zurückzuführen war.

Hin und wieder kam es vor, dass wir im Rahmen des Unterrichts Bericht über unsere Ausbildungsplätze und Ausbilder erstatten.

Vieles von dem was gesagt wurde, konnte man gut und gerne als Schönfärberei abstempeln.

Claudia hingegen sprach vollkommen ungeschönt über die Zustände an ihrem Ausbildungsplatz.

Schenkte man ihren Ausführungen Glauben, dann konnte ich mich glücklich schätzen an so einen harmlosen Zeitgenossen wie unseren Substituten geraten zu sein.

Claudia machte ihre Ausbildung in einer Filiale, in der ausnahmslos Frauen arbeiteten.

Sie wusste abenteuerliches über ihre tyrannische Chefin zu berichten. Nichts konnte man dieser Chefin recht machen und sie war beim gesamte Personal gefürchtet.

Machte man eine Sache falsch, machte man sie beim nächsten Mal so wie die Chefin es für richtig befand. Machte man es dann so wie sie es verlangte, dann war dies auch wieder falsch.

Auch beschwerte sich Claudia darüber, dass sie als Putzhilfe missbraucht wurde.

Von Morgens bis Abends war ihre Chefin darauf aus, das der Laden geputzt war. Um das zu gewährleisten, brauchte sie eine Auszubildende. Dafür und für nichts anderes war Claudia da.

Putzen musste ich und die Anderen Lehrlinge auch fortwährend in unseren Filialen, das war ja wohl kaum ein Grund die Ausbildung gänzlich in Frage zu stellen.

Insgeheim kam in mir dieser Satz wieder hoch: "Lehrjahre sind keine Herrenjahre!" und ich tat ihre Klagen als übertrieben ab und beschloss dahingehend zu werten, dass es sich bei Claudia allem Anschein nach um Jemanden handeln musste, der sich scheinbar für was Besseres hielt, weil sie eben ein Abitur in der Tasche hatte und die Arbeiten die sie anprangerte unter ihrer Würde waren.

Fortsetzung folgt .......
Fortsetzung......

Es war an einem Novembertag, als Claudia eines schönen Tages mit Schwung die Tür des Klassenzimmers öffnete und hereinstürmte.

Sie hatte einen Stapel Bücher in der Hand, knallte ihn auf das Lehrerpult und verkündete kurzerhand, dass sie die gekündigt hatte.

Sie hatte ein für alle Mal die Schnauze voll. Bei unserem Lehrer bedankte sie sich noch, dass er sich die Mühe gemacht hatte, mit ihrer Vorgesetzten über die Problematik zu sprechen.

Die Tatsache, dass Claudia sich mit ihren Problemen an den Lehrer gewendet hatte, muss wohl das Fass zum Überlaufen gebracht haben und Claudia sah sich seitdem noch größeren Repressalien ausgesetzt.

Sie sagte noch „Tschüss zusammen und alles Gute für Euch!“ verließ dann unter Tränen das Klassenzimmer und ward nicht mehr gesehen.

Sie sah so verzweifelt aus, dass ich langsam aber sicher von meinem vorschnellem Urteil Abstand nahm und sie tat mir einfach nur noch leid.


Die nächsten Wochen an meinem Arbeitsplatz verliefen relativ angenehm. Ich hatte langsam den Dreh raus, mir die Ekelhaftigkeit unseres Substituten nicht mehr so zu Herzen zu nehmen und kam mit meiner Situation eigentlich ganz gut zurecht.

Die Kollegen waren allesamt sehr nett, halfen mir über die Hürden die ein Lehrling so zu bewältigen hatte und langsam aber sicher fuhr ich gerne zu meiner Arbeit.

Ich zeichnete mich durch Hilfsbereitschaft und Höflichkeit aus und wurde von den meisten Kunden mit einem Lächeln begrüßt.

Ich schuftete eigentlich ganz gerne und nahm mich aller Arbeiten an, deren Erledigung ich mir bereits selbstständig zutraute.

Mein Selbstbewusstsein wuchs mit jedem Tag und ich lernte diesen Beruf zu mögen.

Der größte Triumph für mich jedoch war, das der Substitut entgegen aller bisher erfolgreich verlaufenen Rückstellungsgesuche für Januar zur Bundeswehr einberufen wurde.

Hier, so dachte ich, schlug das Schicksal zu. Das hatte er nun davon das er mich ständig folterte.

Auch konnte ich es mir fortan nicht mehr verkneifen ihm die Bundeswehr so schmackhaft wie möglich zu machen.

Die Tatsache das er bereits 24 Jahre alt war und eine bereits relativ erfolgreiche berufliche Laufbahn zu verzeichnen hatte war für mich Anhaltspunkt genug dass seine zukünftigen Vorgesetzten allesamt aus jungen sadistisch veranlagten Männern von vielleicht 18 oder 19 Jahren sein würden.

Da könnte er machen was er wollte, beim Bund würde so einem Ar$chloch wie ihm schon gezeigt werden was man von ihm hielt.

Das Schicksal schlug dann eines schönen Tages zu, aber anders als ich erwartet hätte.



Fortsetzung folgt .....
Fortsetzung......

Es war an einem Mittwoch im November, als ich über Lautsprecher zum Büro des Chefs zitiert wurde.

Ich war an diesem Tag guter Dinge und machte mich schnellstens auf den Weg zum Büro des Chefs.

Er und der Substitut saßen nebeneinander am Tisch des Chefs, kauten auf ihren Frühstücksbrötchen rum und tranken Kaffee.

Irgend etwas lag im Busch, soviel war mal sicher.

Der Substitut schaute mich grinsend an, während er mit offenem Mund sein Brötchen kaute.

Und dann kam es wie eine Bombe auf mich herab. Der Chef schaute mich an und sagte:

„Ab Montag sind sie nicht mehr in unserer Filiale tätig!“

Was war das ? War ich gerade gekündigt worden oder was wollte er mir damit sagen ?

„Sie werden ab Montag ihre Ausbildung in der Gartenstädter Filiale fortsetzen, da die Auszubildende die dort eingesetzt war gekündigt hat. Wir bekommen einen anderen Auszubildenden der Sie ersetzen wird.“

Ich fragte, weshalb nicht der neue Auszubildende in die Gartenstadt geschickt wurde.

„Weil ich das so entschieden habe. Zudem haben Sie dort bessere Chancen als bei mir, da ich Sie nach der Probezeit sowieso nicht übernommen hätte.“

Was sagte er da ? Er hätte mich nicht übernommen ?

Wieso hat er nicht einmal Kritik an mir und meiner Arbeit geübt?

Ich war immer davon ausgegangen, dass er meine Leistungen zu schätzen wusste und nur deshalb nie Kritik übte.
Ich hatte mit den Tränen zu kämpfen, mit solcher Kälte war ich bislang noch nicht konfrontiert worden.

Während ich versuchte meine Traurigkeit und meine Wut zu verstecken, fiel dann noch der Substitut mit in die Ausführungen des Chefs ein.

„Das Fräulein Domberg ist noch eine vom alten Schlag, die führt ein straffes Regiment, da haben Sie es nicht so leicht wie bei mir.“

Jetzt zum ersten Mal seit ich ihn kannte siezte er mich und er tat das mit einer Arroganz die sich mir bisher verschlossen hatte.

„Nehmen Sie es gelassen.“ sagte dann wieder der Chef „Da sind Sie dann der Hahn im Korb, denn dort arbeiten bisher nur Frauen.“

Nicht ein Wort der Anerkennung für meinen Fleiß, nicht ein Lob für meine Hilfsbereitschaft, nicht ein Hinweis darauf das ich auch nur einmal was richtig gemacht hatte.

Auch nicht ein Kollege hatte mich vorgewarnt oder versucht für mich einzusetzen, ich war absolut allein in dieser Situation.

Ich dachte bei mir, das ich beiden gleich so richtig gehörig die Meinung sagen würde, aber unterließ es.

Ich unterließ es einerseits, weil meine Stimme ohnehin tränenerstickt gewesen wäre und ich meine Traurigkeit unter allen Umständen dem Substituten nicht gönnte und andererseits weil ich der Kälte die mir da entgegenströmte eh nichts entgegenzusetzen hatte.

Ich nahm also die Botschaft zur Kenntnis, informierte mich wann ich dort anzutreten hatte, ließ mir eine Wegbeschreibung geben und verließ dann wortlos das Büro.

Mir wäre es lieber gewesen, wenn man mir das erst am Samstag mitgeteilt hätte, dann hätte ich wenigstens keinem der Beiden mehr unter die Augen treten brauchen; so aber hatte ich noch drei, endlos lange Tage in dieser Filiale vor mir, in der man mich gar nicht haben wollte.

Diese drei Tage nutzte dann der Substitut um mir meine neue Chefin so richtig schmackhaft zu machen.

„Die macht Dich fertig, der machst Du nichts richtig genug.“

Solche und andere Parolen hielt er die verbleibenden Tage für mich parat.

Der letzte Arbeitstag in dieser Filiale war zuende gegangen.

Wortlos, ohne mich auch nur von einem Menschen zu verabschieden verließ ich diese Filiale für immer.

Ich setzte mich auf meine Fahrrad und radelte nach Hause.

Unterwegs nahm ich mir ganz feste vor, dass ich ab dem kommendem Montag keinem Menschen jemals wieder eine Angriffsfläche bieten würde.

Was ich hier erlebte, war eine der wichtigsten Erfahrungen die ich bis Dato in meinem Leben gemacht hatte.

Man hatte mir gezeigt, mit welcher Härte das Berufsleben aufzuwarten vermochte und das Kollegen niemals Freundschaftsstatus haben sollten.

Fortsetzung folgt......
Oh man, ich liede Deine Art wie Du das schreibst, bekomm gar net genug!!!!
Tipp mal schneller ab ;-) *ggg*

Viele Grüße,
Chris
...nee, dann komm ich ja nimma nach Knowi,komm zur Zeit ja nich sooft rein...und will doch hier nix verpassen...ggg...

...kriegt abba auch ich genug...
Fortsetzung....

Das verbleibende Wochenende nutzte ich soweit es irgend möglich war für einen Rückblick auf die Geschehnisse der zurückliegenden 3 Monate.

Wie wild suchte ich nun für mich nach Erklärungen dafür, woran es gelegen haben könnte, dass ich so dermaßen in Ungnade gefallen war.

Tat ich Dinge nicht die ich hätte tun müssen ?

Nein!

Hatte mit Ausnahme des Substituten auch nur ein Mensch jemals Kritik an meiner Arbeitsweise geäussert?

Nein!

War der Chef überhaupt in der Lage mich und meine Fertigkeiten zu beurteilen wenn ich doch nie Kontakt zu ihm hatte?

Nein !

Sein Gesamturteil über mich bildete er sich allem Anschein nach aus der Berichterstattung seines Substituten, dem ich ohnehin ein Dorn im Auge war.

Ich war weder arrogant noch war ich nicht lernwillig, noch fehlte es mir an der Beigeisterung zur Ausübung dieses Berufes.

Ich mochte die Arbeiten die ich zu erledigen hatte und allein schon deshalb, wollte es mir nicht einleuchten, was ich mir zu Schulden hab kommen lassen, dass man mir nun so einen Tritt versetzte.

In diese Überlegungen mischte sich immer wieder Furcht ein.

Fräulein Domberg, die Chefin vom alten Schlag, die, die Claudia vor kurzem dazu bewegt hatte das Handtuch zu werfen.

Auf der einen Seite dachte ich, dass es gar nicht schlimmer als unter dem Substituten sein könnte, dem ich bisher ausgeliefert war.
Außerdem, so dachte ich, hätte ich vielleicht bessere Chancen als Claudia, da ich mir für keine Arbeit zu fein war und, "last but not least" weil ich ein junger Mann war, der einzige überhaupt in der neuen Filiale.

Trotzdem, so richtig ließ sich meine Furcht an diesem Wochenende nicht abschütteln, zu sehr hatten sich die Ankündigungen des Substituten in mir gefestigt.

Am Sonntag fuhr ich mit dem Fahrrad schon einmal zu der Filiale in der ich am nächsten Tag meine Arbeit aufnehmen sollte.

Ich stierte durch die Fenster und versuchte mir so gut es ging einen ersten Eindruck von dem Laden zu verschaffen.

In der Tat, dieser Laden sah wie geleckt aus. Nichts was auf Unordnung schließen ließ war von zu erkennen.

Diese heimliche Voraberkundung nahm mir einen Teil meiner Ängste und ich fühlte mich ein wenig sicherer für den nächsten Tag.

Der Montag war gekommen und ich schnappte mir meine frischgewaschenen und gebügelten Kittel, die ich Tags zuvor zurechtgelegt hatte und fuhr mit meinem Fahrrad zur neuen Filiale.

Ich fuhr früh los, um ja nicht zu spät anzukommen.


Als ich gegen 7:30 Uhr eintraf, war ich diesmal zum meiner Überraschung nicht der Erste der am Personaleingang wartete.

Ich grüßte die etwa 50 Jahre zählende Frau, stellte mich ihr als neuer Lehrling vor und fragte sie, ob sie auch in dieser Filiale arbeiten würde.

Sie lächelte und bestätigte.

Ich fragte , ob ich zu früh sei, aber sie meinte nur, dass die Anderen wohl auch gleich kommen würden.

Tatsächlich, nach und nach trudelten die anderen Kolleginnen ein und stellten sich zu uns in Warteposition.

Auch ihnen stellte ich mich als der "Neue" vor und hatte eigentlich ein recht gutes Gefühl was die Kolleginnen betraf.

"Jo, da kommt SIE" unterbrach eine der Frauen den herrschenden Small-Talk.

Wer kam wo ?

Nichts war zu sehen, aber noch bevor ich das zuende gedacht hatte, hörte ich etwas.

Mit unverwechselbarem Sound bog ein VW-Käfer in die Strasse ein.

"Das, was da hinterm Steuer klemmt muss wohl SIE sein" dachte ich bei mir.

Und es war SIE.

Der Wagen wurde ganz langsam auf den gegenüberliegenden Parkplatz gesteuert und ausgemacht.

Dann tat sich erst einmal eine Weile gar nichts, außer das der Wagen wie von alleine hin und her zu wackeln schien.

Die Tür öffnete sich und zwei kurze, mit Stützstrümpfen und beigefarbenen Schuhen bekleidete dicke Beine verließen als erstes das Fahrzeug.

Im Anschluss daran sah man, wie sich ein Hand am Türholm festhielt und eine weitere Hand klammerte sich am oberen Rahmen der offenen Autotüre fest.


Fortsetzung folgt ....
Hi Nucleus,

wow sag ich da nur, und ich schließe mich den Worten der anderen an....an dir ist echt ein Schriftsteller verlorengegangen.

Schreib bitte weiter, es ist sehr spannend..... ;-)

Ganz liebe Grüße sendet dir
Xanadu
Mensch Nucleus, schreib schneller *gggggg*
Wenn das ein Buch wäre, würde ich mit dem schlafen gehen *ggg*

Viele grüße,
Chris
lol...so steigert er doch nur die Spannung-alles Taktik Knowi;-)